Allgemeine Berichte | 30.09.2016

Architekt Hans Hermann Heydorn hat in Dierdorf Spuren hinterlassen

„Wir waren frech und wollten die neue Zeit einläuten“

Kirche in Dernbach und Verwaltung in Westerburg waren Meilensteine

„Wir waren frech und wollten die neue Zeit einläuten“

Dierdorf. Wenn in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren über Menschen in Dierdorf gesprochen wird, die sehr bekannt waren, dann fällt mit Sicherheit der Name Hans Hermann Heydorn. Er war Architekt in der Stadt mit Märkerschaft und wiedischer Residenz. Als seiner Heimatstadt immer treu verbundener Architekt hat er das Stadtbild in den sechziger, siebziger, achtziger und bis in die neunziger Jahre hinein entscheidend geprägt. Einen Kindergarten hat er entworfen, die Realschule, das Haus der Märkerschaft und überhaupt das markante Szenario des Dierdorfer Marktplatzes. Heute lebt der Doktor der Ingenieurwissenschaften - nach dem Tod seiner Ehefrau 2005 - mit seiner Lebensgefährtin Helga Adams in Neuwied. Regelmäßig einmal die Woche kommt er nach Dierdorf und sieht in seinem Haus im Alten Postweg, das von seinen Töchtern genutzt wird, nach dem Rechten.

In der Abtei Rommersdorf in Neuwied wurde ihm 2006 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Heydorn, so formulierte es damals der ehrende Minister der Mainzer Landesregierung, habe mit seinem umfassenden Einsatz für die Baukultur nicht nur über viele Jahre hinweg das berufspolitische Bild der Architektenkammer Rheinland-Pfalz mit geformt. Er habe auch als Dozent an der Fachhochschule Koblenz seine Ideen mit Engagement und Tatkraft weitergegeben. Die Menschen der Region verdankten Heydorn, so der Minister weiter, Gebäude, mit denen sie sich identifizieren könnten.

Nach Studium, Diplom und Promotion an der RWTH Aachen lebt und arbeitet Dr. Hans Heydorn seit 1962 als freiberuflicher Architekt in Dierdorf/Westerwald. Über einen Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten hat er sich in der Wahrnehmung verschiedener Ehrenämter für die Architektenschaft engagiert.

Einsatz für Bewahrung und Steigerung der Baukultur

Landesweit und auch regional hat er sich für die Bewahrung und Steigerung der Baukultur eingesetzt. Hervorgehoben hat er dabei immer wieder die Bedeutung von Architektur und Städtebau für die humane Gestaltung der Lebensräume.

1932 kam Hans Hermann Heydorn in Dierdorf auf die Welt. Hier ging er zur Schule, machte die Mittlere Reife und wollte eigentlich Bauer werden. Er überlegte es sich dann aber doch anders und machte sein Abitur in Altenkirchen, weil es in Dierdorf noch kein Gymnasium gab. Heydorn: „Als ich das Abitur hatte, war ich entschlossen, Architekt zu werden. Mein Ziel war es, die Welt in einem etwas besseren Zustand zu verlassen, als ich sie betreten hatte. In dem Alter hat man ja diese Ideale. Nach dem Abitur 1952 machte ich erst ein halbes Jahr ein Praktikum in einem Stahlwerk im Saarland. Von dort stammte meine Mutter. Im Wintersemester begann ich mein Studium an der Technischen Hochschule in Aachen. 1958 machte ich das Abschlussexamen und habe gleichzeitig mit einem Studienfreund an einem Architektenwettbewerb teilgenommen. Es ging um den Neubau der Kreisverwaltung in Westerburg. Wir haben den ersten Preis gewonnen und den Auftrag, als 27-jährige Rotzlöffel. Das war damals eine Sensation. Wir waren jung und frech. Wir haben gemacht, was wir für richtig hielten. Unser Motto war: Die neue Zeit fängt jetzt an! Wir haben natürlich auch viel Prügel bekommen dafür. Teile der Bevölkerung haben das nicht verstanden. Da haben wir nicht nur Freude mit gehabt. Aber für uns war es das Startobjekt.“

Hans Herman Heydorn hat sich dann im Dachkämmerchen bei seinen Eltern auf dem Dierdorfer Marktplatz sein erstes Büro eingerichtet. Es folgten Aufträge für einen Neubau der Schule in Dierdorf und schließlich auch für den Neubau der evangelischen Kirche in Dernbach. Das ist heute noch das Objekt, auf das Hans Hermann Heydorn am meisten stolz ist: „Das war 1971. Damit habe ich meine ersten Meriten erworben, mir wurde für den Entwurf der Deutsche Architekturpreis verliehen.“ Das Gebäude steht heute noch und wird immer noch kirchlich genutzt, allerdings von einer anderen Glaubensgemeinschaft. Heydorn hat sich mit den neuen Eigentümern schon bekannt gemacht. Er sagt, er habe „darauf hingewiesen, dass ich Wert darauf lege, dass die mir das Objekt nicht umbauen nach ihrem Geschmack. Das haben sie mir zugesichert. Mal sehen, was draus wird.“ In Dierdorf baute Heydorn dann noch außer der Grund- und Hauptschule die Realschule, das architektonisch äußerst auffällige damalige Hallenbad, die Feuerwehr und zuletzt plante er im Jahr 2000 die liebevolle Restaurierung der Alten Schule am Damm. In seinem Architekturbüro beschäftigte er bis zu fünf Mitarbeiter.

1961 heiratete Hans Hermann Heydorn, aus der Ehe gingen drei Töchter hervor, von denen eine heute freie Architektin in Berlin ist. 1962 baute Hans Hermann Heydorn sein Haus im Alten Postweg. Das sei damals, und teilweise heute noch, „eine Provokation“ gewesen. Das sei ihm aber egal.

Stil vom Bauhaus beeinflusst, mit skandinavischen Einflüssen

Er beschreibt seinen Stil als vom Bauhaus beeinflusst, allerdings mit skandinavischen Einflüssen. Das rühre aus seinen mehrmaligen Praktikumsaufenthalten als Architekturstudent in Schweden. Seine Doktorarbeit schrieb er 1979 über das Thema „Probleme amerikanischer Neustädte“.

Auch wenn er sich aus dem aktiven Berufsleben verabschiedet hat und die meiste Zeit in Neuwied verbringt, die Wurzeln zu seiner Heimatstadt Dierdorf will er nicht abreißen lassen. Die ehemalige Stadtbürgermeisterin Rosi Schneider habe ihn einmal als „Berufs-Dierdorfer“ bezeichnet. Wenn er über den Marktplatz und durch die Gassen der Stadt spaziert, bietet sich oft Gelegenheit zu einem kleinen Schwatz mit einem Zeitgenossen. Hans Hermann Heydorn genießt diese Momente, wo er noch einmal eintauchen kann in Erinnerungen an eine große, vergangene Zeit.

„Wir waren frech und wollten die neue Zeit einläuten“
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