Seit vergangener Woche ist das Andernacher Hallenbad geschlossen – Wohnortnahes Angebot von Schwimmkursen wird deutschlandweit immer schwieriger
Wird das Andernacher Hallenbad das dritte „Sorgenkind“ in der Region?
Andernach. Die Zahl der Verkehrstoten ist seit Jahren stark rückläufig. Die erfreuliche Entwicklung konnte durch unterschiedlichste Maßnahmen im Straßenverkehr und Auflagen im Automobilbau erreicht werden.
Ganz im Gegensatz hierzu entwickelt sich die Zahl in dem Bereich der Ertrinkungsfälle. Im Jahr 2023 kamen in Deutschland 378 Menschen ums Leben. Im Jahr zuvor verzeichnete die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) 355 Todesfälle in Gewässern. Eine dramatische Entwicklung, die Ursachen hat: Deutschlandweit gibt es immer weniger Einrichtungen, in denen Kinder schwimmen lernen können. Dieses Problem ist nicht weit weg, sondern längst auch in unserer Region zu verzeichnen. Eine überraschende Mitteilung aus Andernach sorgte vergangene Wochen für Sorgen in der Bevölkerung: Aufgrund einer technischen Störung bleibt das dortige Hallenbad bis auf Weiteres geschlossen. Manche Mitbürger haben die Befürchtung, dass das Andernacher Hallenbad nun das dritte Sorgenkind in der Region werden könnte.
Seit vielen Jahren in den Schlagzeilen ist das Freizeitbad Tauris in Mülheim-Kärlich. Dieses ist bereits seit der Corona-Zeit geschlossen. Das 1991 eröffnete Schwimmbad ist in die Jahre gekommen. Nach dem mehrheitlichen Willen des Stadtrats sollte eine Sanierung erfolgen. Doch die Kosten entwickelten sich nach der ersten Kalkulation von 17 Mio. Euro auf 23 Mio. Euro steil nach oben. Eine heftig diskutierte, mehrheitlich im Stadtrat beschlossene Interimsöffnung bis zur Sanierung scheiterte. Und die Suche nach einem Investor war bislang ebenfalls erfolglos. Aktuell macht das Bad bundesweite Schlagzeilen, da es angeblich zum Preis von einem Euro zu Verkauf steht. Dass der potenzielle Käufer jedoch verschiedene Auflagen zu erfüllen hat, wird im Zuge der Berichterstattung nicht immer und vollständig erwähnt. Wann und in welchem Umfang eine Wiedereröffnung stattfinden kann, steht derzeit in den Sternen, wenngleich die Mülheim-Kärlicher Stadtspitze optimistisch ist. Fakt ist, dass die Einrichtung in der bisherigen Form mit dem Standard moderner Freizeitbäder nicht mehr mithalten kann. Vermutlich muss man sich, wenn überhaupt, mit einem reinen Sportbecken für Schwimmunterricht und Vereinssport begnügen.
Die Römerthermen in Bad Breisig haben im Gegensatz zum Freizeitbad in Mülheim-Kärlich bereits eine umfassende Sanierung erhalten. Die Freude über die Wiedereröffnung Mitte März 2024 war groß. Sie werte allerdings nur rund ein halbes Jahr: Am Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) stand der dortige Technikraum im Kellergeschoss unter Wasser. Der Badebetrieb musste bis auf Weiteres eingestellt werden. Sauna und Fitness-Studio sind jedoch geöffnet. Wie der Internetseite zu entnehmen ist, bleibt der Badebetrieb zumindest bis zum Jahresende 2024 ausgesetzt.
Wohl auch aufgrund der Erfahrungen in Bad Breisig, wo man zunächst mit einer früheren Öffnung rechnete, hält man sich in Andernach mit Angaben zur Wiedereröffnung noch zurück. Auf Nachfrage erfuhr BLICK aktuell, dass der Grund für die aktuelle Schließung eine Fehlfunktion der Steuerung der Energiezentrale ist. Eine genaue Ursache dafür sei nicht bekannt. Angaben zu den notwendigen Reparatur-Kosten kann die Stadtwerke Andernach Energie GmbH noch nicht machen. Gleiches gilt für die Dauer der Arbeiten und das zu erwartende Öffnungsdatum, welches die Badegäste natürlich besonders interessiert.
Besorgte Familien wandten sich nach der überraschenden Nachricht zum Andernacher Hallenbad an unsere Zeitung: Wo können Kinder überhaupt noch in der Region das Schwimmen erlernen?
Hierzu teilen die Stadtwerke Andernach mit: „Da wir weder Anbieter noch Veranstalter der Schwimmkurse sind, überlassen wir die Organisation und eventuellen Empfehlungen für mögliche alternative Angebote gerne den Anbietern direkt.“ Aus Bad Breisig heißt es, dass betroffene Schwimmkurse bis nach der Wiedereröffnung verschoben werden.
So ärgerlich die Situation derzeit ist, eines muss man feststellen: Die Schwimmbad-Landschaft ist auch mit Einrichtungen in Koblenz, Neuwied und weiteren angrenzenden kommunen noch verhältnismäßig gut. Dies nutzt betroffenen Familien, die aktuell auf der Suche nach Schwimmkursen für ihre Kinder sind, wenig: Wohnortnahe Schwimmkurse zu finden, ist aufgrund der drei genannten Fälle zunehmend schwerer. Für etwas Entspannung sorgt das neue Moselbad in Koblenz. Wie von dortiger Seite mitgeteilt wurde, können auch Familien aus der Region im Moselbad Kinderkurse buchen. Allerdings seien bundesweit enorme Wartelisten gerade aus der Pandemie- und Energiekrise zu verzeichnen. Neben Wasserflächen fehlt es deutschlandweit auch an Trainern. Daher werden aktuell nicht alle Nachfragen erfüllbar sein.
Not macht bekanntlich erfinderisch. Und so gibt es in anderen Bundesländern bereits Beispiele, wo mit mobilen Anlagen Schwimmunterricht angeboten wird. Diese werden zeitlich befristet aufgestellt. Einen interessanten Weg ist man vor wenigen Wochen auch in Frankfurt Nieder-Eschbach gegangen: Dort wurde eine Traglufthalle über das Freibad gebaut. Bei 28 Grad Wassertemperatur kann man nun dort im überdachten Freibad dem Schwimmspaß nachgehen.
Dass Kreativität und vor allem auch Investitionen dringend erforderlich sind, um für die Bevölkerung Schwimm-Möglichkeiten und entsprechende Kurse vorzuhalten, betont auch die DLRG. Wie der Leiter der dortigen Pressestelle, Martin Holzhause, feststellt, ist die Zahl der Schwimmbäder seit der Jahrtausendwende merklich kleiner geworden. Betrachtet man die Bestandentwicklung für Rheinland-Pfalz, sei die Zahl der für das Schwimmen lernen geeigneten öffentlichen Bäder von 274 im Jahr 2020 auf heute 264 gesunken. Hinzu komme, dass viele Bäder in einem schlechten Zustand seien. In einer Befragung der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen meldeten zuletzt 80 Prozent der teilnehmenden Badbetreibenden einen Sanierungsbedarf an – und zwar in einer durchschnittlichen Höhe von 2,5 Millionen Euro. Hochgerechnet auf alle öffentlichen Bäder in Deutschland ergibt sich ein Investitionsstau von rund zwölf Milliarden Euro. Die Kommunen allein können diese Belastung nicht stemmen. Die DLRG fordert daher, dass Bund, Länder und Kommunen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Zusammen mit den Betreibern und Nutzern der Bäder soll ein flächendeckender Bäderbedarfsplan erstellt werden. Mit dessen Umsetzung sollen die größer werdenden Lücken auf der Landkarte geschlossen und Bestandsbauten modernisiert werden.
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) empfiehlt Übrigens, dass Kinder ab dem Alter von etwa fünf Jahren damit beginnen sollten, schwimmen zu lernen. Wichtig sei auch die Wassergewöhnung für eine ideale Vorbereitung auf den Schwimmkurs, egal ob zu Hause oder im Schwimmbad. In Andernach hofft man, dass das dortige Hallenbad möglichst bald wieder für diesen Zweck zur Verfügung steht.
Vor Ort wurde ein kurzer Hinweis angebracht, dem jedoch keine Angaben über die Dauer der Schließung zu entnehmen sind.
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