Vortrag über Alexander von Humboldt im Odendorfer Zehnthaus
Wissenschaftsrevolutionär und Menschenfreund
Swisttal-Odendorf. Dr. Enno Aufderheide, Generalsekretär der Bonner Humboldt-Stiftung, hielt im Odendorfer Zehnthaus einen Vortrag, in dem er das Leben und die Bedeutung des 1769 geborenen Naturforschers und Wissenschaftsrevolutionärs Alexander von Humboldt packend vorstellte und vielfältig illustrierte.
Ausgehend von der behüteten, aber von nur wenig emotionaler Wärme bestimmten Kindheit und Jugend im Berliner Schloss Tegel zeigte Aufderheide, dass das Leben Humboldts mit 18 Jahren durch die Bekanntschaft mit dem Botaniker Carl Ludwig Willdenow eine neue Richtung bekam. Dieser weckte sein großes Interesse für die Naturwissenschaften und vor allem auch seine Sehnsucht nach der Ferne, von der er auch nach seinem Bergbaustudium und nach einer erfolgreichen beruflichen Tätigkeit als Minendirektor nicht abließ.
Als ihm 1796 ein reiches Erbe zufiel, machte er sich sogleich an die Vorbereitung einer wissenschaftlichen Expedition. Mithilfe hochwertiger Messinstrumente gelang es ihm, auf ausgedehnten Reisen in Südamerika, Sibirien und Zentralasien exakte Ortsbestimmungen und Höhenmessungen durchzuführen. Zusammen mit seinen genauen Beobachtungen der Landschaft, der Pflanzen und der Menschen stellte er noch heute gültige ökologische und klimatologische Zusammenhänge fest. In diesem Kontext sah er auch den landwirtschaftlichen Anbau für den Export durchaus kritisch. Humboldt wandte sich schon in Südamerika entschieden gegen die unmenschliche Behandlung der Indigenen und gegen die Sklaverei. „Indem wir die Einheit des Menschengeschlechts behaupten,“ - stellte er hierzu später fest - „widerstreben wir auch jeder unerfreulichen Annahme von höheren und niederen Menschenrassen - alle sind gleichmäßig zur Freiheit bestimmt“.
In den gesellschaftlichen Kreisen Berlins und den Salons genoss er höchstes Ansehen. Man würde ihn heute, so Aufderheide, durchaus als Popstar bezeichnen.
Ab 1833 begann er mit der Arbeit an seinem fünfbändigen „Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“, den er kurz vor seinem Tod im Jahre 1859 beenden konnte.
Seine 50.000 hinterlassenen Briefe geben heute Aufschluss über seine Arbeitsweise und sein Denken. Er sammelte 30.000 Objekte und verschenkte und verlieh diese großzügig, denn der Austausch mit anderen Wissenschaftlern seiner Zeit war ihm ein großes Anliegen. An Darwin gerichtet sagte er: „Meine Werke sind nur so gut, wenn sie bessere entstehen lassen.“
