Allgemeine Berichte | 15.07.2022

Rückblick, aktuelle Situation und Zukunftsperspektiven der Stadt ein Jahr nach der Unwetterkatastrophe vom 14. Juli 2021

Wo steht Rheinbach am Jahrestag?

Informierten über den Stand der Stadt Rheinbach ein Jahr nach der Unwetterkatastrophe (von links): Laurenz Kreuser (Wehrleiter), Daniela Hoffmann (Fachbereichsleiterin Öffentlichkeitsarbeit, Ordnung und Soziales), Dr. Raffael Knauber (Erster Beigeordneter), Bürgermeister Ludger Banken, Walter Kohlosser (Kämmerer), Wolfgang Rösner (Fachbereichsleiter Jugend, Schule und Sport) und Norbert Sauren (Pressesprecher). Foto: DU

Rheinbach. Der Jahrestag der Flutkatastrophe ist ein guter Anlass, auf die damaligen Ereignisse zurückzublicken, aber auch, um die aktuelle Situation sowie die Zukunft in den Fokus zu nehmen. Diese Gelegenheit nutzte auch die Stadt Rheinbach, um im Rahmen der Pressekonferenz „Unwetterkatastrophe vom 14. Juli 2021 - wo steht Rheinbach heute?“ die Bürgerinnen und Bürger zu informieren. Klar ist: In Rheinbach waren erhebliche Schäden an Privateigentum, bei Unternehmen sowie im Bereich der öffentlichen Infrastruktur zu verzeichnen. Der entstandene Gesamtschaden an städtischen und nicht-städtischen Infrastrukturen beläuft sich auf eine Höhe von rund 150 Millionen Euro bei bisherigen Kosten für die Wiederherstellung der kommunalen Infrastruktur inklusive der Kosten für die Müllentsorgung von etwa 43 Millionen Euro.

„Diese Schadenssumme wird mit Sicherheit erreicht werden, zumal die Kosten derzeit immens steigen“, erklärte Bürgermeister Ludger Banken. An städtischer Infrastruktur waren und sind Rathaus, Schulen, Kindergärten, Turnhallen, das Glasmuseum, das Stadtarchiv, der Betriebshof, Unterkünfte, Gebäude, Straßen, Wege, Straßenbeleuchtung, Brücken, Gewässer und Anlagen der Abwasserbeseitigung ebenso betroffen, wie städtische Fahrzeuge, Material und Gerät.

1.700 Notrufe und 1.200 Einsatzstellen während der ersten 24 Stunden

Für die Feuerwehr Rheinbach war der Einsatz im Rahmen der Katastrophe von „historischem Ausmaß“, wie Wehrleiter Laurenz Kreuser betonte. Allein während der ersten 24 Stunden des Unwetters gingen 1.700 Notrufe über die Leitstelle Rhein-Sieg ein, es gab 1.200 Einsatzstellen, in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli waren durchschnittlich 500 Einsatzkräfte vor Ort. Mindestens 70 Personen konnten aus lebensgefährlichen Situationen gerettet werden. Zu Spitzenzeiten waren bis zu 1.000 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Rheinbach und überörtlicher Einheiten von Feuerwehr, Hilfsorganisationen und Bundeswehr aktiv. In dem 17 Tage andauernden Einsatz wurden über 15.000 Stunden durch mehr als 220 Einsatzkräfte der Feuerwehr Rheinbach geleistet.

Kommunikation unter erschwerten Bedingungen

Durch den technischen Totalausfall des Rathauses sowie flächendeckenden Ausfall aller Kommunikationsmöglichkeiten fand auch die Öffentlichkeitsarbeit unter überaus erschwerten Bedingungen statt, wie Daniela Hoffmann, Fachbereichsleiterin Öffentlichkeitsarbeit, Ordnung und Soziales, erläuterte. Über zwei Satellitentelefone der Bundeswehr konnte zunächst ein Bürger- und Hilfetelefon eingerichtet werden, ab dem 16. Juli stand hierfür ein Büro bei der Stadtverwaltung Meckenheim zur Verfügung. Zusätzlich war das Rathaus rund um die Uhr als Anlaufstelle besetzt.

Einrichtung von Notunterkünften

Mit bis zu zehn Lautsprecherwagen informierte man die Bevölkerung im Stadtgebiet, Erkundungstrupps - auch mit Verstärkung durch die Bundeswehr - wurden ausgesendet um die Bevölkerung von Haus-zu-Haus aufzusuchen. Eine eigens eingerichtete Facebook-Präsenz erreichte bis zu 15.500 Menschen, in allen Ortsteilen sowie in der Kernstadt wurden Bürgergespräche durchgeführt. Eine weitere Herausforderung war die Unterbringung von Menschen, musste doch im Rahmen der Evakuierung von Oberdrees und Niederdrees in der Stadthalle eine Notunterkunft für rund 1.000 Menschen eingerichtet werden. Später wurden fünf Mobilheime und vier Wohnwagen am Standort Schornbuschweg bereitgestellt. 58 Haushalte mit 156 Personen wurden in Bezug auf Vermittlung von alternativen Wohnangeboten beraten.

Gewaltige Müllberge

Als Kommune erhielt die Stadt eine Soforthilfe von Land und Bund in Höhe von zwei Millionen Euro, zudem gingen Spenden in Höhe von 188.899 Euro auf den städtischen Konten ein.

Anträge auf Soforthilfe stellten 2.984 Privathaushalte (Auszahlungssumme 6.560.000 Euro) sowie 332 Gewerbetreibende (Auszahlungssumme 1.660.000 Euro).

Im wahrsten Sinne des Wortes gewaltig waren die entstandenen Müll- und Schuttberge, die Gesamtkosten von bisher 3,8 Millionen Euro verursachten. Diese Kosten wurden zumindest teilweise von erwähnter Soforthilfe des Landes/Bundes beglichen. Mehrere große Müllsammelplätze mussten im Stadtgebiet eingerichtet werden.

Umfangreiches Beratungsangebot

Viele von der Stadt geplante Maßnahmen konnten bereits umgesetzt werden. So steht den Bürgern ein umfangreiches Beratungsangebot, beispielsweise zur Antragstellung auf Wiederaufbauhilfe des Landes, zur Verfügung. Alle Friedhöfe wurden überprüft, die teilweise überfluteten Friedhöfe in Flerzheim und Wormersdorf sind wieder hergestellt, ebenso die Beleuchtung im Stadtgebiet und die abgesenkte Fahrbahndecke „Vor dem Voigtstor“. Wieder betriebsbereit ist das Rathaus, die Stromversorgung in allen städtischen Gebäuden läuft ordnungsgemäß, ein Projektsteuerer zum Wiederaufbau zerstörter Immobilien wurde beauftragt. Die schon umgesetzten Maßnahmen umfassen auch die öffentliche Kanalisation und Gewässer - unter anderem die Spülung aller Sinkkästen mit Instandsetzung, die Entnahme von 6.000 Tonnen Schlamm und Geröll an Gewässern sowie die Vergrößerung des Gräbbach-Durchflusses.

Optimierung von Hochwasser- und Starkregenschutz

Selbst der Stadtwald blieb nicht verschont. Dort sind inzwischen Dämme und Wanderwege entsprechend saniert und Wegeböschungen verstärkt. In Sachen Neu- und Wiederaufbau wurden die Schwerpunkte auf die Optimierung von Hochwasser- und Starkregenschutz, den Wiederaufbauplan und die Weiterentwicklung des Katastrophenschutzes gelegt - mit externer Unterstützung. Hier setzt man unter anderem auf interkommunalen Hochwasserschutz, Retensionsraumanalyse, die Erarbeitung lokaler Hochwasserschutzmaßnahmen und die Aufstellung eines Hochwasserschutzkonzeptes. Erste Maßnahmen in dieser Richtung wie der Bau einer Bodenschwelle und die Errichtung einer Betonmauer an der Brücke über den Rotterbach wurden schon im Wohngebiet „Rodderfeld“ umgesetzt.

Wiederaufbauplan im Gesamtvolumen von 39 Millionen Euro

Der erwähnte Wiederaufbauplan, der vom Rat am 20. Juni beschlossen wurde, umfasst 93 Einzelmaßnahmen mit einem derzeitigen Gesamtvolumen von 39 Millionen Euro. In Sachen Weiterentwicklung Katastrophenschutz konnten der Analogfunk wieder aktiviert, Fahrzeuge instandgesetzt sowie weitere Aggregate, Satellitentelefone und Tankstellen beschafft werden. Ein neuer, optimierter Standort für die Feuerwehr ist in Planung. Zudem wird die Stadt Rheinbach auch weiterhin über ihre Internetpräsenz, in den sozialen Medien sowie über die Presse laufend über den Stand des Wiederaufbaus berichten. „Es ist schon viel geschafft, aber es liegt auch noch viel vor uns. Wir brauchen einen langen Atem“, so Bürgermeister Ludger Banken.

Informierten über den Stand der Stadt Rheinbach ein Jahr nach der Unwetterkatastrophe (von links): Laurenz Kreuser (Wehrleiter), Daniela Hoffmann (Fachbereichsleiterin Öffentlichkeitsarbeit, Ordnung und Soziales), Dr. Raffael Knauber (Erster Beigeordneter), Bürgermeister Ludger Banken, Walter Kohlosser (Kämmerer), Wolfgang Rösner (Fachbereichsleiter Jugend, Schule und Sport) und Norbert Sauren (Pressesprecher). Foto: DU

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