Pilotprojekt Jungenförderung im Rhein-Sieg-Kreis
Workshops für Jugendliche, pädagogische Fachkräfte und Eltern sollen sensibilisieren
Meckenheim. Über ein ungewöhnliches Projekt informierte die Leiterin des Jugendhilfezentrums Alfter, Swisttal und Wachtberg, Elisabeth Wilhelmi-Dietrich. Zusammen mit einem Kollegenstab aus verschiedenen Fachrichtungen stellte sie nicht nur das Konzept und verschiedene Workshops vor, sondern erläuterte auch die Gründe für das Förderungskonzept, das auf den Umgang von Jungen mit Medien zielt.
„In den vergangenen Jahren sind vermehrt Jungen aufgetreten, die nur noch virtuell gelebt haben“, erklärte Dr. Rainer Meilicke, Leiter des Kreisgesundheitsamts. Dabei bezog er sich zusammen mit Wilhelmi-Dietrich auf die Gruppe Kinder und Jugendlicher, die aus verschiedenen Gründen mit Einrichtungen der Jugendhilfe oder dem Gesundheitsamt in Berührung kamen. Die statistischen Daten zeigen, dass mit einem Anteil von rund 75 Prozent von etwa 400 Fällen ein überproportionaler Anteil Jungen mit der Jugendgerichtshilfe in Kontakt kommen.
Deshalb sei im Rhein-Sieg-Kreis fachrichtungsübergreifend ein Konzept in Form eines Pilotprojekts erarbeitet worden, um dieser Entwicklung entgegenzutreten und Jungen in ihrer Entwicklung, besonders hinsichtlich des Umgangs mit Medien, zu fördern und zu sensibilisieren. Obwohl für die acht Gemeinden ohne Stadtstatus zuständig, sei sich für Meckenheim als Zentrum des Projekts entschieden worden, war vom Dezernenten für Jugend und psychologische Beratungsdienste, Thomas Wagner, zu hören. Wichtig sei hier die geografische Mitte der verschiedenen Zuständigkeitsgebiete gewesen, um eine sinnvolle Erreichbarkeit für alle zu gewährleisten.
2012 sei sich dazu entschlossen worden, die Jungenförderung auf den Weg zu bringen, weil die männliche Jugend offenbar Bedürfnisse habe, die nicht in der Gesellschaft angesprochen werden, erklärte Wagner. Stattdessen drifteten zunehmend Jungs durch nicht sinnvoll gestalteten Medienkonsum in eine virtuelle Welt ab. In der Jugendgerichtshilfe spiegele sich die Entwicklung in Gewalt, Heimunterbringungen und Förderschulverfahren wider, die zum überwiegenden Teil Jungs betreffen, so Wilhelmi-Dietrich. Sie stellte danach die verschiedenen Workshops vor, die im Februar und März dieses Jahres stattfinden und sich an Jugendliche, Eltern und an pädagogische Fachkräfte gleichermaßen richten.
Den Auftakt macht der Workshop „Medienpass NRW“, der sich mit dem Kernproblem, nämlich einer notwendigen Medienkompetenzentwicklung, befasst. Unter anderem die Inhalte dieser Veranstaltung seien auch in der überregionalen Fachdiskussion zu finden und sollen in den nächsten zwei bis drei Jahren in die Lehrpläne der Schulen einfließen, erklärte Wolfgang Dax-Romswinkel, pädagogischer Leiter des Kreismedienzentrums. Anmeldungen zu der Veranstaltung, die am 15. Februar von 14.30 bis 16.30 Uhr im Jugendhilfezentrum in der Kalkofenstraße 2 in Meckenheim stattfindet, unter www.kt-rsk.de/2018-02-15-medienpass.
Als zweiter von sechs Workshops liegt der Schwerpunkt am 19. Februar auf Judo als Sportart, bei der Kids und Jugendliche in der „echten Welt“ erfahren können, was vielen Jungs beim Abdriften in die Medienwelt verloren geht: der echte menschliche Kontakt beim Rangeln, Raufen und Kämpfen mit realen Menschen und den damit zusammenhängenden Effekten. Um den Workshop verschiedenen Altersstufen zugänglich zu machen, öffnet die Dreifachturnhalle auf dem Höhenring in Swisttal einmal um 17 Uhr für Jungs von sechs bis 13 Jahren die Türen, ab 19 Uhr für zwei Stunden für Kids ab zwölf Jahren. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.
Workshop Nummer drei wird am 27. Februar im Pössemer Treff, Weißer Weg 9, in Wachtberg-Villiprott stattfinden und sich an Eltern und pädagogische Fachkräfte wenden. Die Teilnehmer betrachten, wie sich das Freizeitverhalten von Jungen, das heutzutage von der Nutzung der „Neuen Medien“ geprägt ist, entwickelt hat und wie es sich heute darstellt. Hier ist eine praxisbezogene Arbeit mit den Erfahrungen, aber auch den Lösungswegen oder Problemen der Teilnehmenden innerhalb ihrer Tätigkeitsfelder vorgesehen. Die E-Mail-Adresse für die Anmeldung von Interessenten lautet jhz.alfter-swisttal-wachtberg@rhein-sieg-kreis.de.
Besonders für Eltern interessant ist die Veranstaltung am 1. März von 19 bis 21 Uhr im Jugendhilfezentrum in der Kalkofenstraße 2 im Raum 1.10. Nach der Anmeldung unter volker.neuhaus@rhein-sieg-kreis.de erfahren interessierte Eltern Hilfreiches über geeignete Regelwerke und Haltungen sowie über den Sinn und die Notwendigkeit medienfreier Räume. Eine für viele überraschende, aber mit Hinblick auf die eigene Vorbildfunktion sinnvolle Reflexion des eigenen Medienkonsums ist ebenfalls Inhalt des Abends.
Praktische Erfahrungen mit dem menschlichen Spieltrieb gilt es im Buschhovener Jugendtreff im Pfarrheim, Toniusplatz 5, Swisttal, am 3. März von 17 bis 21.30 Uhr zu sammeln. Eltern und Pädagogen sind hier angesprochen, sich selbst ein Bild über die Inhalte von Computerspielen, aber auch über die möglichen Sogwirkungen zu machen. Es werden praktische Erfahrungen gesammelt, es wird über Wirkungen virtueller Welten informiert und eine Plattform zum gegenseitigen Austausch und für Gespräche mit jugendlichen Gamern und Medienpädagogen geschaffen. Da Pizza und Getränke bereitgestellt werden, werden hier fünf Euro als Verzehrpauschale erhoben. Die Anmeldung erfolgt über jhz.alfter-swisttal-wachtberg@rhein-sieg-kreis.de.
Der letzte Workshop in diesem Zyklus befasst sich mit dem sensiblen Thema Internetsicherheit und den vielfach ungeahnten Wegen, die die Daten von Nutzern des Internets gehen. Datenlecks, Datendiebstahl, aber auch Hacking und die Notwendigkeit von Schutz und Vorsicht werden hier aufgezeigt. Im praktischen Teil wird vorgeführt, wie schnell ein Computer oder ein anderes elektronisches Gerät gehackt und sogar vom Hacker „übernommen“ werden kann. Für diesen sicherlich spannenden Abend mit einem Sicherheitsexperten im Jugendtreff Heimerzheim in der Kölner Straße 23 um 17 Uhr ist keine Anmeldung erforderlich.
