Lauschvisite-Konzert mit dem Trio Kohmann/Zöllner/Weiß im Kunstort
Zeitgenössische Musik und Kunst im Dialog
Montabaur. Die Konzertreihe Lauschvisite ist seit drei Jahren ein Garant für unkonventionelle Konzerterlebnisse in Montabaur und Umgebung. Am vergangenen Wochenende gab es bei der 13. Lauschvisite im Kunstort in Montabaur Gelegenheit, ein Ensemble aus der Region zu erleben, das sich als Freejazz-Formation mittlerweile überregional einen Namen gemacht hat.
Das Trio Kohmann/Zöllner/Weiß hat sich mit der besonderen Besetzung Saxophon, Akkordeon und Vibraphon der freien improvisierten Musik verschrieben. So konnte das Publikum im auf Abstand voll besetzten Saal erleben, wie die drei Spezialisten Musik zum Leben erweckten, die gerade im Moment entstand und somit von Spontanität und Überraschungen geprägt war. Dabei verließen die Musiker die ausgetretenen Pfade gewöhnlicher Akkorde und Melodien und agierten ganz im Sinne einer zeitgenössischen Klangsprache miteinander. Sie erzeugten raffinierte Klangmischungen, pulsierende Flächen, energetische Impulse und geräuschhafte Klänge.
Ingo Weiß wechselte zwischen verschiedenen Saxophonen, war mal Solist, mal sensibler Begleiter und entlockte seinem Instrument durch Präparation im Schalltrichter Klänge, die fast elektronisch anmuteten. Eva Zöllner erzeugte mit ihrem Konzertakkordeon schillernde Klangflächen und virtuose Ausbrüche oder ließ ihr Instrument auch mal einfach nur atmen. Schlagzeuger Stefan Kohmann nutzte nicht nur Schlägel, um seinem Vibraphon Töne zu entlocken. Er bediente sich eines ganzen Arsenals an Objekten und Klangerzeugern: Ein elektrischer Milchschäumer erzeugte schnelle Tremoli, die Speichen eines Einrads wurden mit Hilfe eines Kontrabassbogens zum Klingen gebracht, außereuropäische Schlaginstrumente kamen zum Einsatz, und sein wohlüberlegter Wechsel zwischen den Instrumenten wurde zur Choreografie.
Dass die drei Musiker perfekt aufeinander eingespielt sind, wurde gleich beim ersten Stück deutlich. Aufeinander Hören und Reagieren macht den Reiz dieser Musik aus und hielt auch das Publikum in einer wachen Spannung. Die spürbare Spielfreude der Musiker nach sechsmonatiger Corona-Pause tat ihr übriges und zog selbst Zuhörer in ihren Bann, die sich bisher noch nicht mit dieser Art Musik beschäftigt hatten.
Das Hörerlebnis wurde durch die Abstandsregeln nicht beeinträchtigt, vielmehr kam der Raum und die dort ausgestellte Kunst durch die großzügige Bestuhlung gut zur Geltung und trat in einen Dialog mit der Musik. Um allen Interessierten trotz beschränkter Platzkapazität Einlass zu gewähren, wurde das Programm wiederholt. Das Trio spielte zweimal vor ausverkauftem Haus und zwischen den Kunstwerken der Ausstellung „Klare Illusion“, die am selben Nachmittag eröffnet wurde. Sie zeigt aktuelle Arbeiten von Studierenden des Instituts für Künstlerische Keramik und Glas der Hochschule Koblenz in Höhr-Grenzhausen. Tobias Küch, Hausherr des Ateliers und Initiator der Ausstellung, betonte die spannenden Verknüpfungen, die sich zwischen zeitgenössischer Kunst und Musik ergeben, und zeigte sich sichtlich zufrieden, beides im Kunstort präsentieren zu können. Die Ausstellung läuft noch bis zum 20. September und ist Donnerstag bis Sonntag von 16 bis 19 Uhr in der Peterstorstrasse 25 geöffnet.
Die gute Resonanz des Publikums machte deutlich, dass anspruchsvolle zeitgenössische Kultur im Westerwald ihren Platz gefunden hat und lässt die Veranstalter motiviert in die Zukunft schauen. Die nächste Lauschvisite findet am 27. Oktober im Keramik Museum in Höhr-Grenzhausen statt.
