Allgemeine Berichte | 05.11.2019

„Gesprächskreis Ahrwein“ macht Station in Dernau

Zeugnisse der Geschichte im Bild der Landschaft

v.l.n.r.: Getrud Neuhäußer, Paul Gieler, Dr. Gerhard Kreuter, Oliver Piel, Thomas Monreal, Astrid Rickert, Dr. Jürgen Haffke. Foto: privat

Dernau. „Es ist erstaunlich, wie viele alte Elemente im Bild unserer heutigen Kulturlandschaft erhalten geblieben sind. Man muss sie nur erkennen“, so Jürgen Haffke, Experte für historische Geographie aus Bonn. „Persistenz und Wandel im Ahrtal. Die Vermittlung einer komplexen Kulturlandschaft“ war das Thema seines Vortrags, zu dem der Gesprächskreis Ahrwein eingeladen hatte. An vier Fallbeispielen aus dem mittleren und unteren Ahrtal zeigte Haffke dem Publikum in der Eventhalle der Dagernova in Dernau, dass sich nicht nur in der Weinbaulandschaft Zeugnisse aus Vergangenheit und Gegenwart mischen, sondern auch in unseren Wäldern, dem Verlauf von Wegen und Straßen sowie im Kurort Bad Neuenahr. Haffke lobte die vielen Ideen, die in den Gestaltungsplan für die Landesgartenschau 2022 in Bad Neuenahr-Ahrweiler eingeflossen sind.

Er bedauerte allerdings, dass die historische Dimension des über 150 Jahre alten Kurbads dabei kaum eine Rolle spielt. Der Vergleich des heutigen Kurbereichs mit alten Karten demonstrierte, dass Bad Neuenahr eigentlich in der Ahr liegt und nicht an der Ahr.

Dass auch Gemälde einen Anlass bilden können, sich mit der Geschichte der vertrauten Weinbaulandschaft auseinanderzusetzen, führte Haffke an einem Bild von Dernau vor, das der bekannte Maler Fritz von Wille 1935/36 für die „Weinpatenschaftsaktion“ der NS-Zeit geschaffen hatte. „Elf Weinbauorte an der Ahr bekamen damals 102 Patenstädte und -kreise zugewiesen. Der neue Absatz für die Ahrweine sollte das notleidende Volk an der Grenze zu Frankreich zur Abwehr einer angeblichen Bedrohung von Westen stärken“, so Haffke. Im zweiten Part des Abends – „Ahrwein aktuell“ – ging es um die Frage, wie gut der Jahrgang 2019 werden wird. Thomas Monreal, Vorstand der Dagernova Weinmanufaktur, und Astrid Rickert, Kellermeisterin der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr, stellten ihre Ergebnisse und Erfahrungen dar. Einbußen in der Menge durch Spätfrost, Hagel und Sonnerbrand von mehr als 30 Prozent sind zu verzeichnen. Positiv ist aber wieder die Qualität. Der Abend wurde begleitet von einer Ausstellung zu Impressionen aus dem Weinberg der Recher Malerin Gertrud Neuhäußer. Diese fand bei den über 80 Besuchern Interesse und Anerkennung. Der nächste „Gesprächskreis Ahrwein“ findet am Dienstag, 19. November, um 19 Uhr in der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr, Ahrrotweinstraße 42, 53507 Mayschoß statt. Weitere Informationen sind erhältlich beim Ahrwein e.V., Oberstraße 8, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler, Tel. (0 26 41) 91 71 26 oder unter der E-Mail-Adresse: info@ahrwein.de.

v.l.n.r.: Getrud Neuhäußer, Paul Gieler, Dr. Gerhard Kreuter, Oliver Piel, Thomas Monreal, Astrid Rickert, Dr. Jürgen Haffke. Foto: privat

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