Ökumenische Flüchtlingsinitiative Nassau
Zum Geburtstag kam der Bischof
Nassau. Mit kräftigem Beifall wurde der Limburger Bischof Dr. Georg Bätzing im Kleiderladen „St. Martins Mantel“ der ökumenischen Flüchtlingsinitiative Nassau empfangen. Die ehrenamtlich gemanagte Einrichtung öffnete an dieser Stelle vor fast genau einem Jahr ihre Pforten und wird seither besonders von vielen Flüchtlingen, aber auch von anderen Bürgern der Stadt Nassau und des Umlands gern genutzt. Nassau war die erste Station des Bischofs auf seiner Tour durch den katholischen Bezirk Rhein-Lahn.
„Wir sind stolz wie Bolle, dass sie hier sind“, sagte Uschi Thorn, die stellvertretend für das ehrenamtliche Organisationsteam dem Bischof den Kleiderladen und dessen Organisationsstruktur vorstellte. In einer Woche können da für den Einsatz bei manchen Aktivitäten bis zu 30 Stunden zusammenkommen - und viele Kilometer, um Brauchbares abzuholen. „Da fahren wir auch samstags und sonntags los“, so Thorn. Bätzing zeigte sich beeindruckt von der Einrichtung und dem engagierten Helferteam: „Ich fand die Idee wunderbar, sie zu besuchen.“
Der Kleiderladen „St. Martins Mantel“ sei ein Ort, wo etwas für Menschen zusammenwächst und Menschen zusammenwachsen, in der Ökumene, über Stiftungen und die handelnden Akteure vor Ort. „Hier sind wir als Kirche für andere da“, sagte Bätzing, der auch die Lagerräume im Keller und die Küche in Augenschein nahm.
Die vielen Kleider und Haushaltswaren ließen erahnen, was gerade Flüchtlinge brauchen, so der Bischof. „Und sie brauchen uns“, sagte Bätzing weiter, die Freundlichkeit und Unterstützung, die zu gelingender Integration beitrage. Toll finde er auch die Idee, dass mit der Einrichtung gleich in doppelter Hinsicht gespendet werde: den Flüchtlingen und Bedürftigen mit Kleidern und Haushaltswaren in Nassau und aus dem Verkauf und der kompletten Abgabe der Spenden noch einmal über die Caritas International den Menschen in und um Syrien.
Die Willkommenskultur bleibe ein Hauptthema im Bistum, sagte Bätzing und stimmte spontan in den mit Gästen und Kunden prall gefüllten Räumen ein Geburtstagsständchen an. Bei seinem Rundgang sprach der Bischof nicht nur mit ehrenamtlichen Helfern, sondern ebenso mit den Kunden des Kleiderladens.
Auf den herzlichen Umgang in der Einrichtung wies Martina Kissel-Staude hin, bei der alle Fäden in der Flüchtlingsinitiative zusammenlaufen. Dieser gehe weit über die Weitergabe von Kleidern und Haushaltsgegenständen hinaus. „Dabei erfahren wir, welche Sorgen die Leute haben und wo andere Hilfe notwendig ist.“ Pastoralreferent Michael Staude nannte „St. Martins Mantel“ einen Ort, wo der Heilige Geist deutlich wirke, und zwar über jegliche Grenzen von Glauben und Konfessionen hinaus.
Der katholische Bezirksdekan Armin Sturm konnte in den engen Räumen nicht nur den Bischof und das Helferteam begrüßen. Stadtbürgermeister Armin Wenzel, Verbandsgemeinde-Bürgermeister Udo Rau und Landrat Frank Puchtler gehörten von politischer Seite zu den Gästen.
Einen besonderen Dank richtete Uschi Thorn auch an die beiden Vorstandsvertreter der „G. und I. Leifheit-Stiftung“, Werner Stump und Josef Peter Mertes, die die Immobilie der Initiative kostenfrei zur Verfügung stellt. Als oft im Stillen wirkenden Unterstützer bezeichnete sie Kaufmann Ulrich Pebler vom Rewe-Markt in Nassau. Der war auch an diesem Vormittag mit mehreren Geburtstagsgeschenken in pekuniärer und essbarer Form gekommen.
Für Uschi Thorn erfüllte sich noch ein anderer Wunsch. Als Bätzing fragte, ob es etwas gebe, was sie noch brauche und die beherzte Helferin von fehlenden Regalen und Kunststoffboxen sprach, sprang Bürgermeister Udo Rau in die Bresche. „Kaufen sie die Sachen“, so Rau, das solle zu finanzieren sein.
Der Bischof nahm sich auch viel Zeit für persönliche Gespräche.Fotos: privat
