Schönstatt-Bewegung feierte 50. Todestag
Zum Gedenken an Pater Josef Kentenich
Reinhard Kardinal Marx: „Er war ein Gründergeist“
Schönstatt. Das vergangene Wochenende stand in Schönstatt ganz im Zeichen des 50. Todestages von Ordensgründer Pater Josef Kentenich. Hierzu hatte die Schönstatt-Bewegung ein zweitägiges Programm zusammengestellt.
Beginn war am frühen Samstagmorgen in der Dreifaltigkeitskirche mit einer Gedenkminute an den Verstorbenen Gründer. Zusammen mit Weihbischof Dr. Michael Gerber aus dem Erzbistum Freiburg gedachte man Pater Josef Kentenich, der vor 50 Jahren in der damaligen Sakristei der Kirche verstorben ist. Weit über 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Mitglieder der Schönstatt-Bewegung und Freunde Pater Josef Kentenichs kamen am Samstagmorgen hier zusammen, um für ihn zu beten und sich mit ihm zu verbinden.
„Die Dreifaltigkeitskirche sei nicht irgendein Ort, an dem sich vor 50 Jahren das Leben des Schönstatt-Gründers Pater Kentenich vollendet habe“, so Gerber in seiner Predigt. Der Sterbeort sei „eine wesentliche theologische und vor allem anthropologische Botschaft“, nämlich die Botschaft von der Liebe, die sich auch in der von Pater Kentenich gewünschten Formulierung der Aufschrift auf seinem Grab wiederfinde: Dilexit Ecclesiam – Er liebte die Kirche.
Weihbischof Gerber lud in seiner Ansprache die Zuhörer ein, sich in diesem Sinne „auf die Fährte unseres Vaters zu begeben“.
Zum Programm der Gedenkveranstaltungen, die zwar zurückblicken auf den 50. Todestag, aber bewusst mit einem engagierten Blick in die Zukunft begangen werden, gehörten eine Internationale Gedenkstunde, je ein großer Gottesdienst am Samstag und am Sonntag sowie ein vielfältiges Programm am Samstagnachmittag, unter anderem mit der Aufführung eines neuen Dokumentarfilmes über den Schönstatt-Gründer. Rund 2000 Mitglieder und Freunde der Schönstatt-Bewegung kamen zusammen. Etwa 400 Teilnehmer der Versammlung waren aus dem europäischen Ausland, aus Nord- und Südamerika, aus Afrika und Indien auf den Berg über Vallendar gekommen. Das Werk das Pater Kentenich am 18. Oktober 1914 gegründet hat, hat weite Kreise gezogen und bringt nun aus Anlass des Todestages Vertreter aus der ganzen Welt zusammen.
Pater Alexandre Awi Mello, Sekretär im vatikanischen Ministerium für Laien, Familie und Leben, zog in seiner Festpredigt zum Auftakt der Gedenkfeiern einen weiten Bogen ausgehend von der Beerdigungsfeier des Schönstatt-Gründers 1968 bis hin zum aktuellen Kontext, in dem die Kirche eine „unaufschiebbaren kirchlichen Erneuerung“ nötig habe, wie Papst Franziskus es formuliert. Die Pädagogik Pater Kentenichs könne viel dazu beitragen, die pastoralen Schwerpunkte von Papst Franziskus umzusetzen. Die Frömmigkeit, die in Schönstatt unter anderem marianisch orientiert ist, sei keinesfalls konservativ, sondern vielmehr prophetisch, wie die Haltung der Gottesmutter im Magnificat. „Väterlichkeit“ sei einer der herausragenden Aspekte des Charismas Pater Kentenichs und ein zentrales Bedürfnis gerade auch in der heutigen Kirche.
Dem feierlichen Festgottesdienst in der Pilgerkirche, der von einem Projektchor unter der Leitung von Schwester M. Tabea Platzer mit Musik und Liedern, die bereits zum 100-jährigen Jubiläum der Bewegung 2014 zur Aufführung kamen, hervorragend musikalisch gestaltet wurde, stand der emeritierte Erzbischof von Freiburg, Dr. Robert Zollitsch vor. Als Konzelebranten konnte Pater Juan Pablo Catoggio, Vorsitzender des Generalpräsidiums des internationalen Schönstattwerkes, neben dem Prediger Pater Alexandre Awi Mello und vielen Priestern und Patres aus den Schönstatt-Gemeinschaften den Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters und Dr. Michael Gerber, Weihbischof aus dem Erzbistum Freiburg begrüßen.
Internationale Feier
Höhepunkt des Kentenich-Jahres war eine internationale Feier am Samstagnachmittag. Diese fand in der Dreifaltigkeitskirche auf Berg Schönstatt statt, in der Pater Josef Kentenich beigesetzt ist. Obwohl die Kirche Geschenk an die Gottesmutter war, wollte der Gründer Schönstatts, dass sie der Dreifaltigkeit geweiht und eine Anbetungskirche sein sollte. Denn das ist das Besondere des Liebesbündnisses in Schönstatt: Es führt hinein in die Anbetung des dreifaltigen Gottes.
Hierbei gab es zunächst einen Film über das Geschehen vor 50 Jahren über den Heimgang und die Beerdigung Pater Kentenichs. In der sich anschließenden Feier spielten pfingstliche Symbole eine große Rolle. So wurde – verbunden mit einem Gebet zum Heiligen Geist – aus der Gründerkapelle, in der sich der Sarkophag Pater Kentenichs befindet, Feuer gebracht, mit dem fünf Feuerschalen, Symbole für die fünf Kontinente, entzündet wurden. Im zentralen Abschnitt der Feier, in dem die Mitglieder des Generalpräsidiums stellvertretend für die ganze internationale Bewegung am Sarkophag Pater Kentenichs in der Gründerkapelle versammelt waren, baten die anwesenden Schönstätter Pater Kentenich, dass er in Jeder und in Jedem das Feuer seiner Sendung und das Feuer der Treue zu ihm entzünden möge. Pater Juan Pablo Catoggio deutete in einem Zukunftsimpuls die Erneuerung dieses Liebesbündnisses als Ausdruck des festen Glaubens, dass die Schönstattfamilie von heute berufen ist, am Charisma, an der Sendung und am Schicksal Pater Kentenichs teilzuhaben: „Heute erneuern wir unseren Glauben und unsere Bereitschaft, dir nachzufolgen.“
Pontifikalamt mit Kardinal Marx
Mit einem Pontifikalamt, dem Reinhard Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, vorstand, fanden die Gedenkfeiern, zu denen die internationale Schönstatt-Bewegung anlässlich des 50. Todestages ihres Gründers eingeladen hatte, ihren Abschluss. Der Gottesdienst in der voll besetzten Pilgerkirche in Schönstatt wurde von Chor und Orchester der Schönstätter Marienschule, Vallendar, unter der Leitung von Inshad Maasri musikalisch frisch und jung gestaltet.
„Pater Josef Kentenich war ein Gründervater, ein Gründergeist. „Er hat die Kirche geliebt“, das steht nicht nur auf seinem Grab. Sein Grab hat mich schon 1973 bei meinem ersten Besuch sehr beeindruckt und mich bestärkt, meinen Weg so zu gehen. Ich bin nun seit 22 Jahren Bischof und in meiner Trierer Zeit war mir die Schönstatt-Bewegung immer ein besonderes Anliegen“, so Marx. „Durch Pater Josef Kentenich ist eine Erneuerung auf den Weg gekommen, wir müssen weiter Ausschau halten nach Neuem. Maria hilft uns Entscheidungen zu fällen und neue Wege zu gehen.“
Abschließender Festempfang
Was Pater Kentenich zu geben hat, das ist wichtig für Kirche und Gesellschaft – dieses Wort von Kardinal Reinhard Marx beim Festempfang zum 50. Todestag Pater Kentenichs bringt den Grundtenor dieser Veranstaltung auf den Punkt. Mit Kardinal Marx waren rund 150 Gäste aus dem kirchlichen und gesellschaftlichen Leben der Einladung ins Pater Kentenich-Haus gefolgt, welches bei strahlend-schönem Wetter das ideale Ambiente für diesen festlichen Anlass bot.
Nach einer musikalischen Einstimmung durch Sr. M. Tabea Platzer (Klavier) und Felix Letschert (Saxofon) begrüßte Pater Theo Breitinger im Namen des Landespräsidiums die Anwesenden. Es sei eine große Freude, dass so viele Repräsentanten des öffentlichen Lebens der Einladung gefolgt seien, vor allem, dass Kardinal Marx als Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz trotz seines dicht gefüllten Programms zu diesem Tag gekommen sei.
Im Anschluss wurde das Dokumentations-Drama „Einer muss vorangehen“ zum Leben des Gründers gezeigt. Die Keynote von Sr. Dr. M. Nurit Stosiek unter dem Leitgedanken „Weichensteller für die Zukunft des Menschen“ brachte Gedanken zum 50. Todestag.
Reinhard Kardinal Marx richtete zum Abschluss des Programmes dann ein Grußwort an die versammelten Gäste. „Pater Kentenich hat gespürt, dass Kirche und Gesellschaft vor einer großen Transformation stehen. Mittlerweile ist das überdeutlich. Pater Kentenich hat Mut bewiesen, sich der Zukunft zuzuwenden, statt die Vergangenheit zu verklären, wie es mancherorts leider geschieht. Schönstatt kann als internationale Bewegung in der Weltgesellschaft etwas vernetzen über Kulturen und Sprachen hinweg. „Wir brauchen ein globales Brückenbauen, eine gemeinsame Zukunft, im Unterschied zu den vielen Nationalismen heute. Pater Kentenich ist ein guter Inspirator dafür.“
„Die Schönstatt-Bewegung fühlt sich in der Nachfolge ihres Gründers in ihrem Bemühen um die Gestaltung einer Bündniskultur, um ein Ineinander von geistlicher Erfahrung und gesellschaftlichem Engagement, bestärkt. Kardinal Reinhard Marx hatte deutlich gemacht: ‚Wir brauchen ein globales Brückenbauen, eine gemeinsame Zukunft, im Unterschied zu den vielen Nationalismen heute. Pater Kentenich ist ein guter Inspirator dafür´“, so Pater Ludwig Güthlein, Leiter der Schönstatt-Bewegung Deutschland imGespräch mit BLICK aktuell.
Gemeinsam mit Kardinal Marx wurde der feierliche Gottesdienst am Sonntag gefeiert. Fotos: STUKO
