Mehr Wasserrückhalt im Wald
Zweite Dammbauaktion für verbesserten Hochwasserschutz im Rheinbacher Wald
aus Rheinbach
Rheinbach. Hochwasserschutz beginnt nicht erst im Ort – sondern dort, wo sich das Wasser sammelt. Unter diesem Leitgedanken fand am vergangenen Samstag die zweite Dammbauaktion der Hochwasserschutzinitiative Rodderfeld im Rheinbacher Wald statt. Ziel war es, die Wassermassen des Rotterbachs, die bei der Flut 2021 maßgeblich die Überschwemmung des Wohngebiets verursacht hatten, zu reduzieren. Rund 20 engagierte Bürgerinnen und Bürger aus dem betroffenen Wohngebiet errichteten gemeinsam mit Vertretern der Stadt an zwei Fließwegen insgesamt neun sogenannte „durchlässige Dämme“.
Diese kleinen, bewusst nicht vollständig abdichtenden Bauwerke verfolgen ein klares Ziel: Sie verlangsamen den Abfluss von Wasser bei Starkregen, stauen es temporär im Wald an und tragen so dazu bei, die Menge an Wasser, die in Richtung Wohngebiet abfließt, zu verringern. Ein vergleichsweise einfacher Ansatz mit spürbarer Wirkung – insbesondere im Zusammenspiel mit weiteren Maßnahmen.
Engagement über Generationen hinweg
Bereits am Vormittag versammelte sich bei strahlendem Sonnenschein eine bunte Gruppe im Wald: Mitglieder der Initiative, Verwaltungsvertreter sowie zahlreiche Anwohner – viele davon mit ihren Kindern. Während die Erwachsenen die Holzpfähle setzten und die Grundstruktur der Dämme errichteten, übernahmen die Jüngeren mit sichtbarer Begeisterung das Sammeln und Einpassen von Ästen und Holzmaterial. Der jüngste Teilnehmer war übrigens nicht einmal ein Jahr alt und genoss daher das Privileg, das Treiben aus der sicheren Rückentrage seiner Mutter beobachten zu können.
Dass Kinder aktiv eingebunden werden, ist ausdrücklich gewünscht. „Wir möchten früh vermitteln, wie sinnvoll und erfüllend gemeinsames Engagement für die eigene Umgebung sein kann“, erklärt Mitorganisator Uwe Fröhlich. Die jüngere Generation soll behutsam für die Zusammenhänge von Klimawandel, Starkregen und Überschwemmungen sowie auch für die Notwendigkeit von Vorsorge sensibilisiert werden. Auf diese Weise verbindet der Aktionstag Naturerlebnis, praktische Erfahrung und Umweltbewusstsein miteinander.
Sorgfältige Planung im Vorfeld
Die Umsetzung der Maßnahme ist das Ergebnis intensiver Vorbereitung und enger Abstimmung verschiedener Akteure. An der Planung waren neben der Bürgerinitiative der Rheinbacher Förster, Herr Tölle, sowie der technische Beigeordnete der Stadt, Herr Bölinger, beteiligt. Im Rahmen gemeinsamer Begehungen des Waldes wurden geeignete Standorte identifiziert und die konkreten Flächen für die Errichtung der Dämme festgelegt – sämtlich auf städtischem Grund.
Kooperation als Schlüssel zum Erfolg
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Maßnahme ist die enge Zusammenarbeit zwischen Bürgerschaft und Stadtverwaltung. Koordiniert wurde die Aktion durch die Fachstellen für „Wasserrückhalt im Wald“, die im Rahmen des LEADER-Förderprogramms interkommunal für Rheinbach, Meckenheim, Swisttal, Euskirchen, Weilerswist und den Rhein-Sieg-Kreis eingerichtet worden sind. Ziel ist es, Maßnahmen zur Verbesserung des natürlichen Wasserrückhalts systematisch anzustoßen und fachlich zu begleiten.
Unterstützung kam zudem von der politischen Spitze: Bürgermeister Dr. Daniel Phiesel ließ es sich nicht nehmen, selbst vor Ort zu sein und, unterstützt von seinen Kindern, mit anzupacken: In einer der zwei Arbeitsgruppen rammte er Pflöcke in den Boden, sägte Bretter zurecht und schraubte sie an den Pflöcken fest.
Lernen aus Erfahrung – Wirkung gezielt verstärken
Die diesjährige Umsetzung profitierte deutlich von Erkenntnissen aus dem Vorjahr. Die ersten errichteten Dämme wurden im vergangenen Winterhalbjahr wiederholt beobachtet und hinsichtlich ihrer Wirkung bewertet. Auf dieser Grundlage wurde das Konzept weiterentwickelt.
„Wir bauen inzwischen gezielt mehrere Dämme hintereinander entlang eines Fließwegs“, erläutert Reiner Verspai. Dieses kaskadierende Prinzip erhöht die Wirksamkeit, da das Wasser mehrfach zurückgehalten und in seinem Abfluss gebremst wird. Fachlich bestätigt wird dieser Ansatz auch von städtischer Seite: Eine gestaffelte Anordnung steigert die Retentionsleistung deutlich.
Baustein eines größeren Gesamtkonzepts
Den Beteiligten ist bewusst, dass einzelne Dämme allein nur einen begrenzten Effekt haben. Sinnvoll entfalten sie ihre Wirkung vor allem dann, wenn solche Maßnahmen regelmäßig wiederholt und in ein umfassenderes System der Wasserretention eingebettet werden. Dazu zählen beispielsweise Regenwasserrückhaltebecken oder auch der gezielte Anbau von die Retention fördernden Pflanzen wie Miscanthus auf landwirtschaftlichen Flächen, den die Stadt Rheinbach perspektivisch auch finanziell fördern möchte.
Ein wesentlicher Vorteil der durchlässigen Dämme liegt darin, dass sie in Eigenregie umgesetzt werden können und vergleichsweise kostengünstig sind. Gerade diese Kombination aus Wirksamkeit, Pragmatismus und bürgerschaftlicher Umsetzbarkeit macht sie zu einem wichtigen Baustein im Gesamtansatz.
Vor diesem Hintergrund ist klar: Die Initiative soll konsequent weitergeführt werden – auch im kommenden Jahr.
Hintergrundinformation: Vom Objektschutz zur Flächenvorsorge
Die Dammbauaktion ist Teil eines umfassenderen Maßnahmenpakets der Hochwasserschutzinitiative Rodderfeld in Zusammenarbeit mit der Stadt Rheinbach. Während in den vergangenen Jahren zunächst der unmittelbare Schutz des Wohngebiets im Vordergrund stand – etwa durch bauliche Anpassungen an der Hirschmannstraße, mobile Schutzsysteme und technische Sicherungen an Durchlässen – verschiebt sich der Fokus zunehmend.
Ziel ist es heute, den Wasserzufluss bereits in der Fläche zu reduzieren und natürliche Rückhaltepotenziale im Wald und in der Agrarlandschaft gezielt zu stärken. Damit wird Hochwasserschutz als integrierte Aufgabe verstanden, die weit über einzelne Schutzbauwerke hinausgeht.
Beim Zersägen der Bohlen Foto: Reiner Verspai
Bürgermeister D. Phiesel rammt einige Pflöcke ein Foto: Reiner Verspai
Der Damm nimmt Gestalt an Foto: Reiner Verspai
