Rundgang über die Haribo-Baustelle im Innovationspark Rheinland
Zweite Produktionshalle bereits fest in Planung
Im Juni 2017 soll der erste Grafschafter Goldbär das Licht der Welt erblicken
Grafschaft. Die Geschäfte des Gummibärchen-Produzenten Haribo laufen anscheinend glänzend. Obwohl der erste Bauabschnitt der neuen Firmenzentrale im Innovationspark Rheinland in der rheinland-pfälzischen Gemeinde Grafschaft (Kreis Ahrweiler) sich erst mitten im Bau befindet, hat die Firmenleitung bereits grünes Licht für einen zweiten Bauabschnitt am gleichen Standort gegeben. Gleich neben der ersten Produktionshalle soll eine zweite errichtet werden, die sogar durch eine gemeinsame Wand verbunden sind. Der Neubau in der Grafschaft sei ohnehin ein wichtiger Schritt beim internationalen Wachstum der Haribo-Unternehmensgruppe, betonte Geschäftsführer Arndt Rüsges bei einer Pressekonferenz am neuen Standort.
Der sechste deutsche Haribo-Standort wächst derzeit auf einem 27 Hektar großen Gelände in die Höhe, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Das 45 Meter hohe Zentrallager ragt nicht nur weit über das Gewerbegebiet hinaus, sondern ist von fast jeder Stelle der Oberen und Mittleren Grafschaft aus zu sehen. Das riesige Gelände ist das größte Bauprojekt, das der Süßwaren-Weltmarktführer je verwirklicht hat und soll künftig nicht nur die weltweite Firmenzentrale mit internationalem Sitz der Haribo Holding sowie der Verwaltung von Haribo Deutschland sein. Auf bis zu vier Produktionsstraßen können hier sämtliche Produkte aus dem umfangreichen Haribo-Sortiment hergestellt werden. Mit einer ausgeklügelten Logistik soll die wachsende Nachfrage in Europa dauerhaft befriedigt werden. Da der neue Standort verkehrstechnisch ideal angebunden sei mit einem direkten Anschluss an die Autobahn A 61, sei eine optimale Belieferung der Kunden in Deutschland, Frankreich und den Beneluxstaaten gewährleistet, freut sich Rüsges.
Es soll das Herzstück des Unternehmens werden
Zeitweise bis zu 700 Handwerker und Bauarbeiter gleichzeitig sind auf der gigantischen Baustelle aktiv, die auf drei Ebenen später einmal Platz für etwa 700 Arbeitsplätze im ersten Bauabschnitt bieten soll. Sollten in naher oder ferner Zukunft einmal alle vier Produktionsstraßen verwirklicht werden, können hier mehr als 2000 Menschen Arbeit finden. Doch ob dies auch passieren werde, hänge natürlich vor allem an der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens, stellt Rüsges klar. „Das Gelände bietet Haribo und seine Mitarbeiter jedenfalls tolle Optionen. Es gibt bereits großartige Ideen“, verspricht er. „Es soll das Herzstück des Unternehmens werden.“
Mit der Produktion soll es im Juni 2017 losgehen, die Logistik soll schon einige Wochen früher fertig sein, und ein gutes halbes Jahr später will man auch mit der 350 Mann starken Hauptverwaltung von Bonn-Kessenich aus komplett „mit Mann und Maus“ in die Grafschaft umziehen. Während in der Verwaltung so gut wie kein neues Personal eingestellt werden, sieht es im Bereich der Produktion anders aus. Dort werden schon seit zwei Jahren Mitarbeiter eingestellt, die in den Werken Solingen und Bonn auf ihre künftige Aufgabe vorbereitet werden, damit bei Produktionsbeginn in der Grafschaft gleich alles reibungslos läuft. „Wir brauchen aber weiterhin Mitarbeiter in allen Bereichen rund um die Produktion“, macht Rüsges Mut, sich zu bewerben. Erfreulicherweise seien zahlreiche Bewerbungen aus der Eifel eingegangen, und viele Leute seien bereit, einen festen Job aufzugeben, um bei Haribo anzufangen. „Das zeigt, dass wir als Arbeitgeber überaus attraktiv sind“, schmunzelt der Geschäftsführer.
Produktion auf 50.000 Quadratmetern Nutzfläche
Die Süßwaren-Produktion soll im ersten Bauabschnitt auf über 50.000 Quadratmetern Nutzfläche, über drei Ebenen verteilt, vonstattengehen. Die Produktionsstraßen seien die technologisch Fortschrittlichsten der Welt im Süßwarenbereich, darauf ist das Unternehmen besonders stolz. Schon jetzt ist klar, was voraussichtlich im Juni 2017 als allererstes Teil vom Band laufen wird: „Ganz klar, das wird ein Goldbär sein“, verrät Rüsges. Produziert werden könne allerdings das ganze Sortiment, schließlich müsse man flexibel sein.
Baulich schon fast fertig ist das vollautomatische Hochregal-Zentrallager, das 100.000 Palettenstellplätze für fertige Produkte und Rohstoffe bietet. Was noch jede Menge Zeit koste, sei das Programmieren der gesamten Anlage, wofür eine Reihe von IT-Experten noch einige Monate brauchten. Künftig können hier an 48 Verladerampe zum einen Rohstoffe für die Produktion angeliefert und zum anderen palettenweise Süßkram für den Groß- und Einzelhandel abtransportiert werden. 700 Lastwagen pro Tag sollen hier im Drei-Schicht-Betrieb abgefertigt werden.
Unternehmen will für lange Zeit seinen Standort hier behalten
Die Tatsache, dass nicht nur der Logistikbereich, sondern auch die Produktionshallen samt Nebengebäuden wie Kantine, Sozialräumen und Sanitärbereich nicht etwa aus preiswertem Stahlblech hergestellt wird, sondern aus massiven Betonfertigteilen, zeugt davon, dass das Unternehmen hier für lange Zeit seinen Standort behalten möchte. „Wir denken nicht in Jahren, sondern in Jahrzehnten, was die Nutzungsdauer dieses Objektes betrifft“, erklärt Rüsges. „Deshalb soll der neue Standort nicht nur in funktionaler Hinsicht, sondern auch optisch ein Highlight sein.“ Das Verwaltungsgebäude werde beispielsweise mit Basalt aus der Region verkleidet.
Und auch für das Wohl der Mitarbeiter werde man alles tun, „denn wir wissen, dass die unser wichtigstes Kapital sind“, so der Geschäftsführer. So sei beispielsweise ein betriebseigener Kindergarten geplant, in dem allerdings auch firmenfremde Kinder aus der Grafschaft untergebracht werden könnten; in dieser Angelegenheit sei man bereits in Verhandlungen mit der Gemeinde Grafschaft. Auch ein Fitnessstudio und ein „Kommunikationszentrum“ seien in Planung. Natürlich werde es auch einen Werksverkauf geben – ein Haribo-Museum oder eine Erlebniswelt stehe derzeit allerdings nicht auf der Agenda.
Alles aus eigenen Mitteln
Was die neuen Firmenzentrale kostet, verriet Rüsges nicht, zumal Haribo ohnehin äußerst zurückhaltend ist, wenn es um Zahlen geht. Doch in einer Größenordnung von einer halben Milliarde Euro dürfte sich das Projekt bewegen, so wird kolportiert. Bezahlt wird das Ganze dem Vernehmen nach aus eigenen Mitteln, denn Rüsges hat angeblich während seiner Laufbahn bei Haribo noch nie mit einer Bank gesprochen – zumindest nicht mit der Kreditabteilung.
Auf die Produktion im alten Firmensitz in Bonn-Kessenich habe der Neubau übrigens keine Auswirkungen, verspricht Rüsges. „Wir bekennen uns weiterhin zum Produktionsstandort Bonn, der als autarke Einheit bestehen bleiben soll.“ 800 Mitarbeiter in der Produktion und die dazugehörige Betriebsverwaltung blieben weiterhin vor Ort. Die Produktion werde sogar modernisiert und besser nutzbar gemacht sowie weiter ausgebaut. Was nach dem Umzug mit den Räumen der Hauptverwaltung geschehe, sei allerdings noch offen. „Wir haben damit keine Eile und werden uns alle Optionen offenhalten. Im Moment sieht es aus, als wäre eine Vermietung eine sinnvolle Möglichkeit“, resümiert Rüsges. JOST
Hinter dem Produktionsgebäude sind die Nebengebäude wie Kantine, Aufenthaltsräume und ähnliches angeordnet. Foto: Volker Jost
Die Decke der Produktionshalle wird von massiven Pfeilern getragen, denn darüber befinden sich künftig zwei weitere Stockwerke mit Produktionsanlagen. Foto: Volker Jost
In der Logistik-Abteilung ist alles hoch technisiert. Foto: Volker Jost
An 48 Verladerampen werden künftig bis zu 700 Lastwagen pro Tag abgefertigt. Foto: Volker Jost
