Allgemeine Berichte | 10.03.2017

Verkehrsbericht der PI Remagen für 2016

Zwiespältige Bilanz: Mehr Unfälle, aber deutlich weniger Verletzte

Zwiespältige Bilanz: Mehr Unfälle, aber deutlich weniger Verletzte

Region. Die Beamten der Polizeiinspektion Remagen betreuen ein Dienstgebiet von mehr als 250 Quadratkilometern. Dieses Gebiet ist von gut 220 Kilometern klassifiziertem Straßennetz (Bundes-, Land-, Kreisstraßen) sowie einer Vielzahl an innerörtlichen Nebenstraßen und -plätzen durchzogen. Im Jahr 2016 haben die Beamten auf diesem Streckennetz insgesamt 1.885 Unfälle registriert und aufgenommen. Bei 225 Unfällen wurden insgesamt 283 Menschen verletzt, einer davon tödlich. In 428 Fällen, also bei fast jedem vierten Unfall, beging der Verursacher Unfallflucht und konnte in lediglich 37,6 Prozent der Fälle nachträglich ermittelt werden. Soweit die komprimierten beziehungsweise nüchternen (Kern-)Daten. Damit diese Daten zu einer Information werden, muss man sie in Relation zu anderen vorliegenden Daten setzen.

Mehr Sachschäden aber wesentlich weniger Personenschäden

In 2015 erfassten die Beamten der PI Remagen 1.809 Unfälle, mithin 4,3 Prozent weniger. In der mittelfristigen Betrachtung (2011-2015) lag der Durchschnitt bei 1.751 Unfällen pro Jahr. Unter diesem Aspekt war 2016 also kein gutes Jahr für die Menschen aus der Region und deren Gäste und Besucher. Erfreulicherweise geht der Anstieg der Unfallzahlen in 2016 aber ausschließlich zu Lasten der Sachschadensunfälle. Unfälle mit Personenschäden sind - auch entgegen dem Landestrend - sogar überproportional deutlich rückläufig. Für 2015 schlugen hier noch 247 Unfälle mit 309 Verletzten zu Buche und auch gegenüber dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre (234 Unfälle beziehungsweise 310 Verletzte) hebt sich 2016 positiv ab. Prozentual betrachtet liegen die Personenunfälle im abgelaufenen Jahr mithin um 3,8 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt und sogar um 8,7 Prozent darunter, wenn man die Zahl der dabei verletzten Personen als Vergleichskriterium heranzieht. Prima, denn verbeultes Blech ist leichter zu ersetzen und zu verkraften als menschliches Leid! Ebenfalls kann auf der Aktiva-Seite der Verkehrsbilanz verbucht werden, dass sich der rückläufige Trend bei den Unfällen mit Kinderbeteiligung fortgesetzt und auf sehr niedrigem Niveau gefestigt hat. Lediglich 22-mal wurden in 2016 auf den Straßen der Region Kinder unter 14 Jahren bei Verkehrsunfällen in Mitleidenschaft gezogen. 2015 waren es noch 25 gewesen und im Durchschnitt der Jahre 2011-15 wurden 27 Kinder verletzt. Hier dürften sich die über viele Jahre hinweg bewährten Schulungsmaßnahmen und umfangreichen Initiativen vieler Mitwirkender auf dem Gebiet der Verkehrserziehung im weitesten Sinne auszahlen.

Unfälle bei jungen Fahrern deutlich angestiegen

Ist die Unfallentwicklung bei den Kindern erfreulich positiv, so schlägt das ein paar Lebensjahre später ins genaue Gegenteil um. Die Gruppe der sogenannten „Jungen Fahrer“ (= 18 bis 24-ährige) war in 2016 in 396 Unfälle verwickelt. Der Referenzwert aus 2015 beträgt 305 und das längerfristige Mittel 262. Das entspricht Anstiegen um rund 30 beziehungsweise mehr als 50 Prozent. Eine belastbare Antwort für diese rasant-ungünstige Entwicklung muss die Polizei einstweilen schuldig bleiben. Hier ist zunächst eine tiefergehende Analyse der Daten und intensive Ursachenforschung erforderlich. Bei Einbeziehung spekulativer Erklärungsansätze könnte allerdings das Handy-Verhalten hinter dem Steuer bzw. die Ablenkung durch unzulässige Smartphone-Nutzung eine Rolle spielen. Ein Indiz hierfür könnte die hohe Zahl an Auffahrunfällen (643 in 2016) sein. Im Rahmen der polizeilichen Unfallaufnahme justiziabel belegbar ist das allerdings so gut wie nie. Ähnlich ungünstig ist die Entwicklung bei Verkehrsteilnehmern, die 65 Jahre und älter sind. Die Zahl der Seniorenunfälle stieg binnen Jahresfrist um fast 50 Prozent von 263 auf 385; das langjährige Mittel liegt mit 241 sogar noch einmal deutlich niedriger. Hier schlägt sich sicherlich eine zunehmend aktivere Lebensweise heutiger Senioren und eine Gesellschaftsstruktur mit einer gesteigerten Mobilität bis ins hohe Alter nieder. Die vorstehend aufgezeigte sehr kurzfristige Dynamik in der Unfallbilanz erklärt das allerdings bestenfalls zum Teil.

Senioren und junge Fahrer stärker in den Fokus der Verkehrsprävention nehmen

In der Verkehrsprävention müssen junge Fahrer und Senioren noch stärker als bisher erreicht und in den Fokus genommen werden - zweifellos eine Herausforderung für die Polizei, aber auch ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag. Nicht verschwiegen werden darf auch eine andere wenig erfreuliche Entwicklung: Die Zahl der Unfälle mit „Fahrerflucht“ hat in 2016 mit 428 einen neuen und unrühmlichen Rekordwert erreicht. Die Vergleichszahlen aus den Vorjahren lauten 409 für 2015 und 370 im Mehrjahresschnitt. Daraus errechnet sich innerhalb weniger Jahre ein Anstieg um mehr als 15 Prozent bei diesen Delikten. Da kann es auch nur wenig trösten, dass es sich vielfach um Bagatellschäden handelt, häufig an zum Parken abgestellten Fahrzeugen. Verstärkt wird dieser negative Eindruck durch eine ebenfalls historisch niedrige Aufklärungsquote (AQ) von 37,6 Prozent. Zum Vergleich: Zwischen 2011 und 2015 bewegte sich die AQ jeweils in einem engen Kanal zwischen 41 und 42 Prozent. Blickt man noch 10 oder 15 Jahre weiter zurück, lag die AQ regelmäßig um die 45, in guten Jahren sogar bei 48 Prozent. Neben nachlassender Verkehrsmoral könnte hier auch die angespannte Personalsituation beziehungsweise Verschiebung bei den Prioritäten der polizeilichen Aufgabenstellungen negative Auswirkungen zeigen. Weniger Beamten bleibt einfach weniger Zeit und Raum für die Ermittlung bei Werkstätten, aufwendige Abarbeitung von Kennzeichenlisten, Nachbarschaftsbefragungen oder anderen Formen aktiver Recherche. Die Zahl der Unfälle unter Alkohol und/oder Drogen lag in 2016 bei 38. Die Vergleichsdaten in den Vorjahren pendelten zwischen 30 und 39. Hier ist eine Bewertung, ob das ein eher gutes oder eher schlechtes Ergebnis ist, besonders schwierig. Nicht zwangsläufig kann man aus diesen Daten ableiten, dass in dem einen oder dem anderen Jahr mehr beziehungsweise weniger beeinflusste Fahrer auf den Straßen der Region unterwegs waren. Hier spielt auch der menschliche Faktor eine wichtige Rolle, sprich: Fiel den aufnehmenden Polizeibeamten oder den Unfallbeteiligten überhaupt auf, dass der andere Fahrer alkoholisiert war? Selbst wenn man die folgenlosen Trunkenheits- oder Drogenfahrten (Verkehrsteilnehmer wurde ohne Unfallzusammenhang im Rahmen einer polizeilichen Kontrolle als fahruntüchtig erkannt) in die Betrachtung einbezieht, bleibt es im Grunde bei „Kaffeesatzleserei“. Diese Delikte pendelten in den zurückliegenden Jahren zwischen etwa 100 und 150. Hier gilt es zu bedenken, dass es sich dabei um klassische Kontrolldelikte handelt, dass heißt, wenn die Polizei häufig und umfassend kontrolliert, werden mutmaßlich mehr Fahrer erwischt und wird damit ein Dunkelfeld aufgehellt. Umgekehrt würde das Ausbleiben jeglicher polizeilicher Kontrolltätigkeit ein trügerisch-positives Bild zeichnen.

Ungenügender Abstand und falsches Wenden oder Rückwärtsfahren als häufigste Unfallursachen

Noch ein kurzer Blick auf die Hauptunfallursachen. Hier liegen ungenügender Abstand (643 VU) und falsches Wenden oder Rückwärtsfahren (454) deutlich vor Geschwindigkeit (144) und Vorfahrtsmissachtung (102). Das mag auf den ersten Blick erstaunen, hängt aber mit der eher dichten Besiedlung und vielen Parkplätzen zusammen. Daneben ist die Zunahme bei den Abstandsunfällen mit einer zum Teil geänderten statistischen Erfassung sowie dem Umstand zu erklären, dass nur die Hauptursache in die statistische Zählung einfließt. Auch bei einem Abstandsunfall ist häufig eine (zuvor) nicht angepasste Geschwindigkeit zumindest mitursächlich, aber schwer nachweisbar. Zumindest mittelbar im Kontext zu sehen sind auch die ergänzenden Daten zu Strafanzeigen und Kontrollmaßnahmen der Polizei auf dem Verkehrssektor.

Strafanzeigen mit Verkehrszusammenhang

Neben den bereits erwähnten Alkohol- und Drogenfahrten wurden bei der Polizei Remagen in 2016 weitere 456 Strafanzeigen mit Verkehrszusammenhang erfasst. In erster Linie handelt es sich dabei um Delikte wie Nötigung und Beleidigung, Fahren ohne Fahrerlaubnis oder Versicherungsschutz oder Gefährdungen im Straßenverkehr. Im Vergleich zu den Vorjahren ist das ein Wert eher am unteren Ende der Schwankungsbreite von 450 bis 550. Rund 400 eingeleitete Bußgeldverfahren und 1.000 Verwarnungsgelder sowie 700 Mängelberichte runden das Bild der Verfehlungen im Straßenverkehr nach unten ab. Insgesamt fügen sich die Daten aus 2016 also zu einer Verkehrsbilanz mit Höhen und Tiefen zusammen, zu der sich jeder seine eigene Meinung bilden mag. Noch nicht fertiggestellt und möglicherweise von größerem Interesse für die Menschen in der Region ist die Auswertung der Unfallhäufungsstellen und -linien. Hier müssen noch umfangreiche Daten des LBM und der Polizei zusammengeführt beziehungsweise abgeglichen werden, so dass die Polizei hier noch um etwas Geduld bitten muss. Dem ersten Eindruck nach sind allerdings keine großen Überraschungen beziehungsweise nur geringfügige Veränderungen gegenüber den Vorjahren zu erwarten. Es bleibt im Wesentlichen bei den „üblichen Verdächtigen“…

Pressemitteilung

PI Remagen

Die Zahl der Unfälle im Jahr 2016 ist gestiegen. Glücklicherweise gab es trotzdem weniger Verletzte.privat

Die Zahl der Unfälle im Jahr 2016 ist gestiegen. Glücklicherweise gab es trotzdem weniger Verletzte.Foto: privat

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