Jürgen B. Hausmann präsentiert umjubeltes Frühlingsspecial im Kurtheater
Zwischen Jägerzaun und Baumarkt
Begeisterte Zuschauer erkannten sich in vielen Situationen wieder
Bad Neuenahr. Jürgen B. Hausmann, der eigentlich Jürgen Beckers heißt, sich aber so nennt, um Verwechslungen mit dem Kabarettkollegen Jürgen Becker aus dem Weg zu gehen, ist ein Phänomen. Der ehemalige Lehrer für Latein, Griechisch und Geschichte hat vor vielen Jahren zunächst als Karnevalist in der heimatlichen Aachener Region begonnen. Seit Langem ist der Redner mittlerweile auch im Kölner Karneval aktiv. Später erweiterte er sein Repertoire, um auch außerhalb der jecken Zeit auftreten zu können, 1999 entstand sein erstes Soloprogramm „Hausmannskost“, dem etliche Weitere folgten.
Am vergangenen Donnerstag war er mit seinem neuesten Produkt „Frühling, Flanzen, Feiertare“ im Barocksaal des Steigenberger zu Gast. Und Veranstalter Michael Neißen hätte noch deutlich mehr Karten verkaufen können, denn das Frühlingsspecial lockte die Besucher in Scharen. So war das Haus bis unters Dach – also die Empore – mit erwartungsfrohen Zuschauern voll besetzt.
Pünktlichkeit kann man bei Beamten ja erwarten, also begann das Programm auf der als Kleingartenanlage hübsch dekorierten Bühne genau um halb acht. Zunächst trat Harald Claßen auf, der als musikalischer Partner agierte und den Kabarettisten stimmlich und instrumental, meist am Keyboard, begleitete. Er bat um Applaus für Jürgen Hausmann, der passenderweise mit grüner Schürze und Strohhütchen ausgestattet sehr herzlich empfangen wurde.
Gärtner mit Panikattacken
Er legte gleich munter los und widmete sich im ersten Teil dem Thema Frühling und Pflanzen. Denn nach dem langen Winter plagen den Gärtner Panikattacken, die Wiese hat 18 Löcher. Doch nicht, weil es sich um eine Golfanlage handelt, sondern weil der Maulwurf da war. Und mag man auch lange zögern, irgendwann ist das Gras zu hoch gewachsen und der Mäher muss raus. Alles kein Problem, solange man sich nicht über das Stromkabel fährt.
Gekonnt erzählt entstand ein Panoptikum zwischen Jägerzaun, wo jenseits die hübsche Nachbarin liegt, und Besuchen in einem Baumarkt mit drei großen Buchstaben, wo man alles kriegt, nur keine Fachberatung. Die Zuschauer gingen begeistert mit, sicher auch, weil sie sich in vielen Situationen wiedererkannten und der humoristische Nerv punktgenau getroffen wurde. Nach einer Stunde war auch die letzte Hecke geschnitten und die Besucher wurden zum Luftholen in die verdiente Pause geschickt.
Amüsantes zum Thema Feiertage
Im zweiten Teil kümmerte sich der Humorist, nun im schönen Anzug, um die Feiertage. Da hatte der Wortjongleur und Menschenfänger Hausmann zahlreiche Anekdötchen aus dem Familienkreise zu bieten. Über Ostern, Muttertag, Vatertag arbeitete er sich chronologisch durch bis Fronleichnam, immer wieder unterbrochen durch witzige Gesangseinlagen.
Zusammen mit Harald Claßen, dem nach Hausmanns Ansicht besten Musiker der Welt (nicht weil er so gut spielt, sondern weil er so gut küssen kann, wie er auch bewies), hatte er auf bekannte Melodien neue Texte geschrieben. So wurde zum Beispiel aus „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ eine Allergie-Hymne, zum Schieflachen.
Dank seiner scharfen Beobachtungsgabe und seinem untrüglichen Gespür für Komik gelingt es Hausmann, aus alltäglichen Situationen die amüsantesten Geschichten zu machen. Diese große Gabe macht ihn bei seinem Publikum so beliebt. Wenn die Familie etwa sonntags wandern geht und der kleine Jürgen mit muss, natürlich mit seinen neuen, frisch erworbenen Salamander-Schuhen, um sie bei dieser Gelegenheit einzulaufen, während die Erwachsenen sich lieber voll laufen lassen, sind das Kindheitserinnerungen, die er mit vielen teilt. Da tröstet nur die Aussicht auf das Lurchi-Heftchen, das es damals beim Einkauf dazu gab.
In Anlehnung daran kann man als Resümee des gut zweistündigen Comedy-Abends nur bilanzieren: „Am Abend klang es lange noch, Jürgen Hausmann lebe hoch!“ Stehende Ovationen für den beliebten Künstler, eine vorab schon zugesagte Zugabe. SCHÜ
