Die Zukunft der ärztlichen Versorgung in Landkreis Cochem-Zell
„Die starren Grenzen überwinden“
Benedikt Oster diskutiert in Bad Bertrich mit Minister Alexander Schweitzer und weiteren hochkarätigen Gästen
Bad Bertrich. Die Palette der Gesundheitsthemen im Kreis Cochem-Zell ist lang - und sie brennt allen Akteuren unter den Nägeln: Ärzten, Klinikbetreibern, Kommunalpolitikern, Bürgern. Der Landtagsabgeordnete Benedikt Oster hatte ins vollbesetzte kurfürstliche Schlösschen in Bad Bertrich ein hochkarätig besetztes Podium eingeladen, das die Thematik aus allen Blickwinkeln diskutierte.
Rheinland-Pfalz „demografiefest“ gestalten
In seinem Eingangsstatement wies Alexander Schweitzer, Staatsminister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, auf die allgemeine Lage auf dem „Arbeitsmarkt“ der Ärzte hin: Fast jeder zweite berufstätige Arzt ist bereits heute über 50 Jahre alt. „Dies bedeutet aber nicht, dass wir uns mit einem Abbau unserer Möglichkeiten abfinden sollen“, betonte Schweitzer. Die Herausforderung bestehe darin, gemeinsam innovative Wege zu finden, Rheinland-Pfalz „demografiefest“ zu gestalten. Heute die Strukturen auf die neuen Rahmenbedingungen einzustellen, sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Die Landesregierung arbeitet deshalb schon seit langem mit vielen Partnerinnen und Partnern intensiv daran, das Land auf den Wandel vorzubereiten.“ Der Gesundheitsminister wies insbesondere auf sein Zukunftsprogramm „Gesundheit und Pflege 2020“ hin, das unter anderem vorsieht, Hausärzte im ländlichen Raum durch den Einsatz von Versorgungsassistentinnen zu entlasten. „Unser Ziel ist es, im Dialog mit den Anbietern von Pflegeleistungen, den Krankenhäusern, den Kommunen, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten Kooperationen zu erproben und Strukturen zu entwickeln, die eine medizinische und pflegerische Versorgung auf hohem Niveau auch in ländlichen Regionen sicherstellt“, erklärte Schweitzer.
Die anschließende Diskussion zeigte, dass alle Beteiligten das Problem erkannt haben. Dr. Sigrid Ultes-Kaiser, Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz erklärte: „Wir können keine Ärzte backen, aber wir versuchen, dünn besiedelte Regionen mit Ärzten zu versorgen.“ So zahlt die Kassenärztliche Vereinigung angehenden Ärzten zu einer Famulatur - einer Hospitanz - einen Zuschuss dafür, dass sie in eine Landarztpraxis gehen.
Über die täglichen Belastungen, die ein Hausarzt bewältigen muss, sprach Dr. Gabriele Müller de Cornejio aus Bruttig. Sie zeigte Verständnis dafür, dass sich angehende Ärzte lieber für eine Anstellung in einem Krankenhaus entscheiden und die hohen Kosten für eine eigene Praxis auf dem Land scheuen.
Wie wichtig aber eine gute ärztliche Versorgung vor Ort ist, das machte Karl Heinz Simon, Verbandsgemeindebürgermeister von Zell, deutlich. Er beteiligt sich zusammen mit den Verbandsgemeinden Traben-Trarbach und Kröv-Bausendorf in einem Modellprojekt, das zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern nach Lösungen sucht.
Einen Aspekt dabei - die gute Organisation der Bereitschaftsdienste - brachte Dr. Achim Betzenberger mit in die Diskussion ein. Der Bereitschaftsdienstleiter des Kreises stellte fest, dass die aktuelle Umsetzung zu einer Halbierung der Belastung bei den niedergelassenen Ärzten geführt habe.
Bessere Verzahnung der Bereitschaftsplanung
Doch auch hier gibt es noch Spielräume: Bürgermeister Simon beklagte, dass es vorkomme, dass Patienten den Bereitschaftsarzt in Treis aufsuchen und dann für die Beschaffung der notwendigen Medikamente die Bereitschaftsapotheke in Zell erreichen müssten: „Gerade für ältere Mitbürger eine unmögliche Odyssee.“ Hier könne durch bessere Verzahnung der Bereitschaftsplanungen, eine deutliche Verbesserung herbeigeführt werden.
Unterschiedliche Zuständigkeiten und rechtliche Vorschriften, die einfache Lösungen verhindern, führen in Bad Bertrich zu einer grotesken Situation: Trotz der vielen Ärzte, die in den dortigen Kliniken eingewiesene Patienten behandeln, dürfen die Kliniken zum Beispiel keine mitgereisten Familienangehörigen versorgen. Der von einem Zuhörer beklagte Umstand führe dazu, dass die Bürger von Bad Bertrich, das keinen niedergelassenen Hausarzt mehr hat, trotz der höchsten Ärztedichte im Kreis unter Umständen weit reisen müssten, um behandelt werden zu können. Der geschäftsführende Gesellschafter der Meduna-Klinik, Jörg Schömer, machte deutlich, dass die Bad Bertricher Kliniken gern bereit seien, Abhilfe zu schaffen. Er forderte „grüne Wiesen“, auf denen man unbürokratisch neue Organisationsformen oder regionale Teillösungen entwickeln dürfte.
Damit rannte er bei Minister Schweitzer offene Türen ein. Dieser verwies auf ein Hausarzt-Förderprogramm mit einem Volumen von 400.000 Euro jährlich, durch das schon im Kreis die Ansiedlung von Ärzten gefördert worden sei. „Wir müssen raus aus den Schützengräben“, sagte Schweitzer plakativ und zielte auf die starren Grenzen der stationären und ambulanten Welt ab. Er könne sich gut vorstellen, dass auch Kliniken in Versorgungszentren umgewandelt werden.
Landtagsabgeordneter Benedikt Oster freute sich über die zahlreichen Ansatzpunkte: „Ich hatte zu dieser Veranstaltung eingeladen, weil wir bereits heute die Auswirkungen des demografischen Wandels in Cochem-Zell spüren. Mir ist es ein besonderes Anliegen, dass die Menschen der Region hier auch in Zukunft die medizinische Versorgung bekommen, die sie brauchen.“ Oster will nun die Umsetzung der gemachten Vorschläge begleiten.
Pressemitteilung Büro des
MdL Benedikt Oster (SPD)
Diskutierten im kurfürstlichen Schlösschen in Bad Bertrich zum Thema „Ärztliche Versorgung im Kreis Cochem-Zell (v. l.): Karl Heinz Simon, Bürgermeister Verbandsgemeinde Zell, Dr. Sigrid Ultes-Kaiser, Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer, Staatsminister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, Moderator Benedikt Oster, MdL, Dr. Gabriele Müller de Cornejio, Jörg Schömer, geschäftsführender Gesellschafter der Meduna-Klinik, und Dr. Achim Betzenberger, Bereitschaftsdienstleiter des Kreises. Foto: privat
