Ensemble des „Bremmer Knubbetheaters“ begeisterte mit „Ä stärk Steck äm Colmätgleck“
Opa Müller-Schön hat alle im Griff
Oldie steht mit der wie ein „Hausdrache“ regierenden Schwester Oberin Sieglinde augenscheinlich auf Kriegsfuß
Bremm. Vollauf begeistert zeigten sich die Besucher des Bremmer Knubbetheaters, die auch im Jahr 2014 dem neuen Bühnenstück des hervorragenden Ensembles beiwohnen durften. Unter dem Titel „Ä stärk Steck äm Colmätgleck“ brillierten die beliebten Darsteller erwartungsgemäß in einer TV-reifen Komödie, die sich auch vor großen Spielhäusern nicht zu verstecken brauchte. Eine tolle Inszenierung im traditionellen Bremmer Platt, die von amüsanten Dialogen, aktuellem Zeitgeschehen und zum Teil auch herrlich deftigen Sprüchen geprägt war.
Gerade diese trefflich umgesetzten Punkte waren Garanten für ein neuerliches Bühnenspektakel, das keinen Besucher ungerührt ließ. So mussten die Protagonisten auch ein ums andere Mal nach einer Spielszene innehalten, um zunächst den anhaltenden Applaus und das Lachen des Publikums abzuwarten. Zum Zum Ablauf: Opa Alfred Müller-Schön steht kurz vor seinem 75. Geburtstag und ist umständehalber bereits im Altersheim „Calmontglück“ untergebracht. Hier geht er aber mit der bestehenden Heimordnung überhaupt nicht konform und steht mit der wie ein „Hausdrache“ regierenden Schwester Oberin Sieglinde augenscheinlich auf Kriegsfuß. Die hält alle Heimbewohner im eisernen Griff und lässt keine Fröhlichkeit im Anwesen aufkommen. Drastische Beschränkungen im Heim gibt es auch stets für Opa Müller-Schön, den „Hausdrache“ Sieglinde längst als aufmüpfigen Querulanten ausgemacht hat.
Dabei verordnet die ausgesprochen fiese Oberschwester eine Zwangsdiät oder einen Langzeitstubenarrest für den raffinierten Rentner, der gegen solche Strafaktionen natürlich längst fruchtende Gegenmaßnahmen ergriffen hat. Unterstützung hierfür findet er bei Enkelin Karin, die den guten Opa bei ihren regelmäßigen Besuchen mit den von ihm gewünschten flüssigen und festen Leckerbissen versorgt. Ganz anders sind da ihre geizigen Eltern Theo und Inge, die den immer noch vitalen Oldie mit nicht unbeträchtlichem Vermögen lediglich als nervigen Erblasser betrachten.
Abscheuliche Seite
Dementsprechend zeigen sie sich bei ihrem einzigen Besuch im Jahr auch von dieser abscheulichen Seite. Ganz anders tritt da Heimputzhilfe Fatima auf, die nicht nur mit Freude ihrer Arbeit nachgeht, sondern auch Opa Müller-Schön fest ins Herz geschlossen hat. Auf eine Zweisamkeit mit dem rüstigen Rentner ist auch die schwerhörige und kurzsichtige Irma Bucheler aus, eine Zuneigung, die von diesem aber nicht erwidert wird. Da wäre noch Opas Spezi Paul Schnitzer, der den an Alzheimer erkrankten Patienten vorgibt, ebenfalls aber den Durchblick hat und zusammen mit ihm versucht, Hausdrache Sieglinde Tag für Tag an der Nase herumzuführen. Das knochentrockene Frühstücksbrötchen von Opa Müller-Schön fliegt auch diesmal aus dem Fenster, denn es ist ja schließlich Genießbares vorhanden. Selbiges hält Opa Müller-Schön an den abenteuerlichsten Stellen seines Zimmers verborgen. Da gibt es den Hefe-Schnaps aus der Wärmflasche sowie Käse und Wurst aus der Bettpfanne. Der gute „Bremmer Calmontwein“ nebst Zigarren verbirgt sich im Sitzhohlraum seines Rollstuhls. Als die viel geliebte Enkelin Karin dann erneut ihre Aufwartung macht, ist es gegen 3 Uhr in der Nacht. Im Schlepptau hat sie diesmal ihren neuen Freund Alex, der zum blanken Entsetzen des Opas nicht nur voll wie eine Strand-Haubitze ist, sondern von der Enkelin auch als Rockmusiker vorgestellt wird. Da sie ihn in diesem Zustand nicht unterzubringen weiß, nächtigt besagter Alex dann für eine Nacht in Opas Seniorenbett. In der Folge tauchen dann wieder Theo und Inge auf und möchten von Opa Müller-Schön ein wasserdichtes Testament haben, in dem sie als Alleinerben aufgeführt sind.
Doch treibt der vermögende Rentner längst sein eigenes Spiel mit seinem undankbaren Nachwuchs. Dies muss auch sein zweiter Sohn Josef erfahren, der als mittelloser Möchtegern in die Beschaffungskriminalität abgerutscht ist und ebenfalls versucht, den Opa zu beeinflussen. Ende gut, alles gut - und das kurz nach einer Wohlfühlmassage von der mobilen Heim-Fußpflegerin Rosi. Natürlich stand auch bei „Ä stärk Steck äm Colmätgleck“ ein Happy-End ins Haus, bei dem die guten Menschen siegen.
Die Darsteller: Hauptdarsteller Joachim Mons haucht Opa Alfred Müller-Schön wirkliches Leben ein und beherrscht mit stoischer Gelassenheit jedes Szenario.
Eine absolute Augenweide auch der Auftritt von Anette Heib, die als Teilzeitkraft Fatima mit türkischem Akzent und Unterwürfigkeit glänzt. Wortgewandte Geizhälse in Perfektion zeigen Wolfgang Inden als Sohn Theo Müller-Schön und Gerti Pellenz als Schwiegertochter Inge. Herzensgut, liebreizend aber dennoch pfiffig, präsentiert sich Sophie Dreis in der Rolle von Enkelin Karin, während Patrick Burg überzeugend den Sohnemann Josef spielt.
Verliebte Heimbewohnerin
Dramatisch hinterlistig und glaubhaft bösartig, verkörpert Marlies Scherrer die Schwester Oberin Sieglinde, der keiner im wirklichen Leben begegnen will, während Hubert Theusch als gut gelaunter Putzwagenschieber im Kaufrausch den Spezi Paul Schnitzer gibt. Herrlich verstaubt und dümmlich weiß sich Ruth Hillesheim als heftig verliebte Heimbewohnerin Irma Bucheler in Szene zu setzen. Simon Schmitz erfreut als feiernder Rockmusiker des 21. Jahrhunderts. Und zuletzt Helene Schmitz als mobile Fußpflegerin Rosi, die charmant und naiv zum potenziellen Opfer wird.
Bei einer Wohlfühlmassage von Rosi und einer Mosel-Havanna lassen es sich Opa Müller-Schön und Spezi Paul Schnitzer gut gehen.
Drastische Strafmaßnahme für Opa Müller-Schön: Hausdrache Oberin Sieglinde verordnet ihm wegen Aufmüpfigkeit eine Zwangsdiät.
