Bürgerinitiative bricht auf in den Kampf mit Max Op den Camp
Protest gegen den Bahnlärm im Moseltal
Winningen. Schon seit vielen Jahren machen sich die Menschen im Mittelrheintal stark gegen den Lärm, der vom Schienenverkehr verursacht wird. Jetzt haben auch die Menschen im Moseltal genug von dieser, sie sehr beeinträchtigenden Situation. Um gemeinsam etwas zu bewirken, hatten sich Betroffene zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen und trafen sich in Winningen im Restaurant „Fronhofstuben“, um einen Verein zu gründen. Deren Besitzer, die Familie Klein, sind selbst betroffen vom Bahnlärm. So „opferten“ sie ihren Ruhetag und stellten die Räumlichkeiten zur Verfügung. Günter Chrubasik (Freie Bürgerliste) eröffnete die Veranstaltung und dankte für das zahlreiche Erscheinen. Zum Tagesprogramm sagte er: „Wir wollen etwas gegen den Bahnlärm tun“ und betonte: „Bahnlärm hat kein Parteibuch!“ Die weitere Moderation übernahm Max Op den Camp, der fünfunddreißig Meter entfernt von der Bahnstrecke wohnt: „Seit fünfundzwanzig Jahren schlafe ich keine Nacht ohne Ohrstöpsel.“ Sein Haus zeigt Risse, der Schienenverkehr bewirkt, dass die Gläser im Schrank wackeln. „Die heutige Veranstaltung soll uns zusammenführen“ appellierte er und fügte hinzu: „Für den Erhalt des Moseltals, damit es lebenswert bleibt.“ Die Anwesenden bekamen eine vorläufige Vereinssatzung, die Punkt für Punkt besprochen wurde. Eine Frage lautete: „Warum wird ein eingetragener Verein gegründet?“ Die Antwort darauf: Mitgliedsbeiträge und Spenden werden benötigt, um besser agieren zu können, zum Beispiel um Messungen vornehmen zu lassen. Und als e.V. können Spendenquittungen ausgestellt werden. Daraus resultierte die Frage nach der Höhe der Mitgliedsbeiträge. Man einigte sich auf zwei Euro monatlichen Beitrag.
„Die Bahn ist aus dem Moseltal nicht wegzudenken, aber der Lärm muss reduziert werden“
Thomas Naunheim, der in Kobern-Gondorf wohnt, erläuterte ausführlich Details zu Lärmimmission und Netzauslastung der Bahnstrecke. Zunächst betonte er: „Wir sind nicht gegen die Bahn, diese ist im Moseltal allein wegen des Personennahverkehres nicht mehr wegzudenken!“ Er hatte sich die Mühe gemacht, die Pläne der Bahn aus den Jahren 2006 und 2015 gegenüberzu stellen und kam zu folgendem Ergebnis: „Es ergeben sich vehemente Erhöhungen der Zugzahlen. Im Einzelnen sind dies FGZ mit einer größeren Länge von 700 m von 17 Stück tagsüber mit Tempo 90 und 100 km/h, auf 30 Stück mit Tempo 120 km/h und weiteren 15 Stück mit Tempo 100 km/h. Das heißt, wir haben eine Zunahme um 265 Prozent am Tage bei zusätzlicher Erhöhung der Geschwindigkeit längerer Züge, was eine weitere Lärmsteigerung mit sich zieht. Nächtliche Züge von 22 bis 6 Uhr werden von drei Stück mit 100 km/h und drei Stück mit 90 km/h erhöht auf 50 Stück – hiervon 10 mit 120 km/h und 40 mit 100km/h - also eine Zugfolgenerhöhung dieser Klasse um 833 Prozent (Zahlen aus dem Betriebsprogramm der DB Netz AG). Ziel ist, weniger Güterzüge und weniger Bahnlärm und Erschütterungen im Moseltal.“ Anschließend erläuterte Max Op den Camp den Zweck des Vereines. Paragraph 2 Absatz 1 der Vereinssatzung lautet: Zweck des Vereines ist die Förderung des Umweltschutzes. Hierzu sollen die umweltschädigenden Immissionen des Schienenverkehrs wie Lärm und Erschütterungen auf ein umweltverträgliches Maß reduziert werden. Absatz 2: Der Verein wirkt bei Behörden, Institutionen, Verbänden und politischen Parteien darauf hin, die durch Schienenverkehr hervorgerufenen störenden, gesundheitsgefährdenden oder gesundheitsschädigenden Immissionen sowie die den Hausbestand gefährdenden Erschütterungsimmissionen zu reduzieren. Betont wird in Absatz 4, dass der Verein in seinem Wirken unabhängig und frei von politischer und konfessioneller Einflussnahme ist. Diskutiert wurde von den Anwesenden über einige Formulierungen und Änderungen der Satzung. Mit 38 Stimmen nahm dann die Versammlung die Satzung einstimmig an. Nach Diskussion über den Vereinsnamen einigte man sich auf: „Bürgerinitiative gegen Bahnlärm im Moseltal“. Zu einer Vereinsgründung gehört auch die Wahl des Vorstandes. Die Mitgliederversammlung schlug Max Op den Camp als ersten Vorsitzenden vor. „Ich nehme die Wahl an und danke für euer Vertrauen“, waren seine Worte, nachdem er die Stimmen aller erhielt. Günter Chrubasik übernahm die weitere Moderation, in deren Verlauf Thomas Naunheim zum zweiten Vorsitzenden, Andreas von Canal zum Kassierer und Dorothee Holsten zur Protokollführerin gewählt wurde. Als Beisitzer fungieren künftig: Theo Ganser, Peter Querbach, Hans-Joachim Schultz, Walter Stein und Ferdinand Müller, die Kasse prüfen werden Ulrich Haupt und Werner Wolber. An diesem Abend unterzeichneten 33 Moselaner ihre Mitgliedschaft.
Weitere Mitstreiter gesucht
Die Bürgerinitiative sucht Mitstreiter/innen. Diese können sich melden bei Max Op den Camp, Telefon 02606-200011. Während der gesamten Veranstaltung drang immer wieder Bahnlärm in den Raum, machte das Erheben der Stimme erforderlich. Bleibt zu wünschen, dass der Protest der Moselaner von Erfolg gekrönt sein wird, für ein besseres, ruhigeres Leben im Moseltal.
Max Op den Camp wurde bei der Bürgerversammlung einstimmig zum 1. Vorsitzenden des Vereines gewählt.
