Theateraufführung in Treis - Flotter Dreiakter mit exzellent agierenden Darstellern
„Tante Tillys Testament“ sorgt für Chaos
Treis-Karden. Ein flottes Bühnenspektakel allererster Güte präsentiert aktuell das Ensemble der engagierten Treiser Theatergruppe, das auch wieder mit einem höchst amüsanten Schwank aus der Feder von Jupp Holstein aufwartet. „Tante Tillys Testament“ wird hier als humoristische Vorlage nach allen Regeln der Theaterkunst in trefflicher Mundart gegart und als heilsame Massage für das Zwerchfell kredenzt. Ein Fest für jeden Freund des rustikalen Bauerntheaters, der auch aufgrund einer idealen Besetzung schnell ins Schwärmen gerät.
Echte Lacher von der ersten bis zur letzten Spielminute ziehen sich als willkommener roter Faden durch die eher nebensächliche Handlung, denn das Stück lebt von den köstlichen Dialogen und der Situationskomik. Da fahren die erfolgsverwöhnten Treiser in Sachen Darsteller auch wieder „schweres Kaliber“ auf, für das Pastor Lothar Caspar, alias Christoph Führ, beispielgebend Pate steht. Er gibt auf grobschlächtige und dennoch gottesfürchtige Art den Hausherrn des Schauplatzes, bei dem es sich selbstredend um das örtliche Pfarrhaus handelt. Kaum zu glauben, dass einem Geistlichen ein solches Sprachorgan gewachsen ist, wie es Führ überzeugend einzusetzen und damit seine Schäfchen nachhaltig zu beeindrucken weiß. Gleichermaßen begeistert Timo Müller in der Rolle des tütteligen Onkel Carlo Mops. Ihm scheint dieser Part förmlich auf den Leib geschrieben zu sein, denn er erfüllt diese Figur mit wahrem Leben. Elke Gräf gibt als Amelie Fromm gekonnt den herben Küchendrachen des Pfarrers, der mit eisernem Besen die Regie im Hause führt und mit angeborener Schnauze den Alkoholgenuss in jeglicher Form verdammt. Dies sehr zum Leidwesen vom durstigen Pfarrer Lothar, der überdies drei charmanten Untermieterinnen Obdach im Pfarrhaus gewährt.
Von diesen Dreien entpuppt sich Carolin Pellio als goldiger Wonneproppen und bekennende Schnapsdrossel Kleopatra Schäfer, die speziell im Pfarrbüro überall ein Depot mit Hochprozentigem für ihre Durstphasen anlegt. Von diesem abbringen will sie Kommilitonin Bianca Kiefer, alias Julia Keller, die in jeder Spielszene als unbedarfter und charmanter Sonnenschein erfreut. Hervorragend auch Ramona Sturm als Untermieterin und Erbnehmerin Adelheid Brauer. Sie strahlt nicht nur Persönlichkeit aus, sondern begeistert auch durch exzellentes Minenspiel und Wortgewandtheit. Nicole Kettmann ist der „flotte Feger“ Dorothee Käfer. Dies in Form einer liebreizenden Landpomeranze mit deftigem Feingefühl. Als angehende Pfarrbürokraft und „orgelnde“ Küsterin ist sie immer für einen Lacher gut. Newcomer Philipp Sturm überrascht und überzeugt als Daniel Finder „Düsentrieb“ auf ganzer Linie. Mit viel spielerischem Geschick und verbaler Spontanität reißt er Auditorium und Bühnenakteure mit und avanciert im Stück schnell zum Liebling des Abends. Dabei jongliert er mit Situationskomik außerhalb der Buchvorlage und sorgt damit immer wieder für belebende Lachtränen beim Publikum.
Es wird turbulent ...
Zum Inhalt sei wegen aktuell noch anstehender Aufführungen nicht allzu viel verraten. Nur so viel, dass Tante Ottilie „Tilly“ Mops das Zeitliche gesegnet hat. Nichte Adelheid Brauer, derzeit Untermieterin bei Pfarrer Lothar Caspar, soll als Alleinerbin eingesetzt werden, wenn sie denn den scheinbar demenzkranken Onkel Carlo bei sich aufnimmt und pflegt. Auf dieses schöne Erbe sind aber auch ihre Mitmieterinnen Bianca Kiefer und Kleopatra Schäfer scharf, während sich Onkel Carlo in die herbe Pfarrhaushälterin Amelie Fromm verguckt, die sich keinesfalls als fromm enttarnt. Ein verliebtes Auge hat auch Daniel Finder auf den flotten Käfer Dorothee geworfen ... TE
Magen-Darm-Grippe oder Giftattentat? Onkel Carlo Mops vermutet Letzteres. Die Mädels stützen den betagten Herrn.
