Kardener Kreuz in Müden
Verschwunden geglaubtes Kreuz wieder aufgestellt
Müden. Bei der Recherche für sein Buch „Wegekreuze im Weindorf Müden“ entdeckte Rudolf Bertgen mehr zufällig das lange Zeit verschwunden geglaubte „Kardener Kreuz“. Bereits zu diesem Zeitpunkt war es sein Herzenswunsch, dieses Kreuz wieder in der Nähe seines alten Standortes aufzustellen. Durch die tatkräftige Unterstützung von Helmut Alt und Ortsbürgermeister Franz-Josef Thönnes, aber auch durch Materiallieferungen und Bereitstellung von Baumaschinen durch die in Müden ansässigen Firmen Bertgen Energiehandel, Dehen-Bau und Tiefbauunternehmen Emmerich konnte jetzt der Wunsch in die Tat umgesetzt werden. Am westlichen Ortsausgang von Müden steht es jetzt auf einem mit einer Basaltplatte abgedeckten moseltypischen Bruchsteinsockel. Schon im Mittelalter stand es am Leinpfad nach Karden. Es war in der Bevölkerung als „dat Koada Kräitsje“ (das Kardener Kreuzchen) bekannt.
Das kleine Schaftkreuz ohne Jahreszahl und Inschrift, jedoch mit Christuskorpus, wurde wahrscheinlich im 15. oder 16. Jahrhundert als Bitt- und Dankkreuz geschaffen. Da die Müdener zu dieser Zeit noch keinen eigenen Taufstein hatten und die nur wenige Tage alten Kinder durch Wind und Wetter nach Karden zur Taufe gebracht wurden, lässt sich die Errichtung des Kreuzes auch hiermit in Zusammenhang bringen, da die Eltern sicher für eine glückliche Hin- und Rückreise dankbar waren. Noch heute ist im vom Betrachter gesehenen rechten Kreuzbalken ein Einschuss, verursacht durch einen deutschen Soldaten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, zu sehen.
Durch den Bau der Eisenbahn musste das Kreuz 1876 von seinem damaligen Standort entfernt werden. Dabei ist der untere Teil des Kreuzes abgebrochen. Man hat den oberen Teil auf einem Pyramidenstumpf befestigt und beides in eine Mauernische der Bahndamm-Stützmauer eingesetzt. Aber auch von diesem Standort musste das Kreuz beim Ausbau der Mosel zur Großschifffahrtsstraße entfernt werden und galt Jahrzehnte lang als verschwunden.
