Allgemeine Berichte | 19.11.2014

Herbstpressekonferenz des Moselwein e.V.

Winzerernte übertrifft Vorjahre

Gut gefüllte Keller dank durchschnittlicher Erntemenge

Cochem. Moselwein e.V. stellt in Herbstpressekonferenz die Erntebilanz für das Weinanbaugebiet Mosel vor: Durchschnittliche Erntemenge sorgt für gut gefüllte Keller.

Gute Nerven und Fingerspitzengefühl wurden den Winzern an Mosel, Saar und Ruwer bei der Weinlese 2014 abverlangt. Die Wetterkapriolen im Sommer und Frühherbst sorgten für ständig wechselnde Vorzeichen. Die Lese begann auch beim Riesling früher als erwartet und wurde zügig durchgezogen. Das berichteten Vorstand und Geschäftsführung des Moselwein e.V. in der Herbstpressekonferenz im Hotel Nitteler Hof in Nittel an der Obermosel. Bereits Mitte Oktober waren in vielen Teilen des Mosellandes die meisten Trauben gekeltert. Mit den geernteten Mengen sind die Winzer im Gebiet insgesamt zufrieden. Nach den kleinen Erntemengen der Vorjahre füllt eine durchschnittliche Erntemenge die Keller.

Die gesamte Erntemenge an Mosel, Saar und Ruwer wird auf rund 900.000 Hektoliter geschätzt, wie Rolf Haxel, Vorsitzender des Moselwein e.V., in der Herbstpressekonferenz in Nittel berichtete. Das sind 270.000 Hektoliter mehr als im Jahr 2013. Auch 2012 war mit 690.000 Hektoliter eine kleine Ernte zu verzeichnen. „Der 2014er liegt von der Menge her im langjährigen Durchschnitt. Das bringt unseren Winzern nach zwei kleinen Ernten Entlastung“, sagte Haxel. Mancher Betrieb habe im laufenden Jahr nicht alle Kunden im gewünschten Umfang bedienen können.

Allerdings sei die 2014er Erntemenge im Gebiet sehr unterschiedlich ausgefallen, so der Weinbaupräsident. Während vor allem an der Terrassenmosel wesentlich weniger geerntet wurde als erwartet, konnten die Winzer in Teilen der Mittelmosel und im Raum Trier höhere Erträge einbringen.

Massiver Einfluss der Witterung

Nach einem milden Winter und einem sehr warmen Frühjahr mit frühem Austrieb und gutem Blüteverlauf standen die Zeichen für den 2014er sehr gut. Bereits Anfang April begannen die Reben auszutreiben, und die Blüte verlief von Anfang bis Mitte Juni bei trockenem Wetter weitgehend problemlos. Lediglich zwei Frostnächste am 17. April und 4. Mai sowie Hagel an Ostermontag trübten das Bild etwas. Die Schäden fielen aber insgesamt kaum ins Gewicht.

Der nach dem trockenen Frühling dringend erwartete Regen kam ab Juli im Überfluss, häufig mit Starkregen und heftigen Gewittern. Auch der August brachte große Niederschlagsmengen - je weiter nördlich im Gebiet, desto mehr. Während in Winningen im Juli und August insgesamt rund 333 Liter je Quadratmeter gemessen wurden, waren es in Bernkastel noch 295 Liter und in Trier „nur“ 240 Liter. Im September ging die Niederschlagsmenge deutlich zurück: Winningen 46,6 Liter, Bernkastel 26 Liter und Trier 17,6 Liter. An der Terrassenmosel löste Starkregen am 20./21. September Schlammlawinen aus.

Diese Witterungsbedingungen beeinflussten den Verlauf der Ernte massiv. Die Winzer beobachteten angespannt die häufig wechselnden Wetterlagen im September: von idealen Bedingungen mit sonnigen Tagen und kühlen Nächten bis zu den ungünstigen feucht-warmen Phasen reichte das Spektrum. Der Gesundheitszustand der Trauben war das ausschlaggebende Kriterium für den Beginn der Lese. Frühsorten wurden bereits in der ersten Septemberhälfte eingebracht, mit den Rebsorten Müller-Thurgau und Dornfelder begann um den 20. September die Hauptlese. Die Elblingernte startete am 24. September deutlich früher als 2013. Auch bei der Hauptrebsorte Riesling wurden die Erntetrupps früher aktiv als in den Vorjahren, um Fäulnis und Mengenverlusten vorzubeugen. Bereits Ende September wurde an der Terrassenmosel mit der Rieslinglese begonnen.

Unterschiede im Gesundheitszustand der Trauben

Im Raum Trier und an der Saar begann die Rieslingernte etwa eine Woche später, um den 5. Oktober. Der Gesundheitszustand der Trauben war aber nicht nur in den Teilregionen unterschiedlich. Selbst im gleichen Weinberg gab es von Rebstock zu Rebstock erhebliche Unterschiede. Für die Winzer bedeutete dies, ihre Rebanlagen permanent zu kontrollieren, um schnell auf die Entwicklung reagieren zu können. Die Erträge in den Weinbergen schwankten je nach Witterungsverlauf erheblich. Während in den Spitzenlagen der Terrassen- und Mittelmosel teils nur zwei Fuder je Hektar geerntet wurden, erreichten Winzer in anderen Teilregionen die Kontingentsgrenzen. Der Riesling war größtenteils bis etwa 20. Oktober eingebracht, vor allem größere Weingüter waren aber bis Ende Oktober in der Ernte.

Hoher Arbeitsaufwand und Fingerspitzengefühl bei der Lese zahlten sich letztlich aus. So konnten die Betriebe Moste vom Qualitätswein bis zu hohen Prädikaten in die Keller bringen. Das Gros der geernteten Weine liegt im Bereich von Qualitätswein bis Spätlese, das durchschnittliche Mostgewicht beim Riesling war 75 Grad Oechsle. Aber auch Auslesen, Beeren- und Trockenbeerenauslesen wurden geerntet. „In allen marktrelevanten Qualitätsstufen sind ausreichend Weine verfügbar“, lautete beispielsweise das Fazit bei den Bischöflichen Weingütern in Trier, dem größten Weingutsbetrieb des Anbaugebietes mit Weinbergen von der Mittelmosel über die Ruwer bis an die Saar.

Zusätzliche Herausforderung durch Kirschessigfliege

Eine zusätzliche Herausforderung brachte das Auftreten der Kirschessigfliege mit sich, die auch an der Mosel erstmals verstärkt auftrat. Vor allem Dornfelder-Anlagen sowie Frühburgunder waren betroffen. Da die Weinberge an Mosel, Saar und Ruwer aber größtenteils mit Weißweinsorten bestockt sind, ist der Einfluss dieses neuen Schädlings im Moselgebiet wesentlich geringer als in den Rotweingebieten.

Mehr als 90 Prozent der Produktion des 2014er Jahrgangs sind Weißweine. 61 Prozent (550.000 Hektoliter) der Ernte entfallen auf die Rebsorte Riesling, 13 Prozent (rund 120.000 Hektoliter) auf Müller-Thurgau, 6,7 Prozent (61.250 Hektoliter) auf Elbling und knapp 3 Prozent (26.500 Hektoliter) auf Weißburgunder. Rotweine und Rosé bzw. Blanc de Noir machen knapp 9 Prozent der Produktion an der Mosel aus. Davon sind vor allem die Rebsorten Spätburgunder mit einem Produktionsanteil von 3,3 Prozent (rund 30.000 Hektoliter) und Dornfelder mit 4,2 Prozent (37.900 Hektoliter) bedeutend.

Mit der Entwicklung des 2014ers im Keller sind die meisten Winzer zufrieden. Die Moste und Jungweine zeichnen sich durch gute Extraktwerte, ausgewogene und gut eingebettete Säure und klare Frucht aus.

Aufgrund der höheren Erntemenge notieren die Preise für Most gegenüber dem Vorjahr niedriger. Müller-Thurgau und Elblingmost wurden für 90 Cent je Liter gehandelt, Rieslingmost für einen Euro je Liter. Für die Verbraucher ist daher von stabilen Endverbraucherpreisen auszugehen. Die Kellereien decken inzwischen größtenteils über die Kelterstationen ihren Bedarf. Voraussichtlich werden selbstvermarktende Weingüter, die durch die stark selektive Lese weniger als erwartet geerntet haben, auf dem Fassweinmarkt gute Qualitäten zu höheren Preisen einkaufen. Die weitere Preisentwicklung auf dem Fassweinmarkt bleibt daher abzuwarten.

Sinkender Marktanteil für Moselweine

Der Markt im Inland hat sich für Moselweine im Jahr 2014 rückläufig entwickelt. Gegenüber dem Vorjahr ging der Marktanteil der Mosel am Weinabsatz im deutschen Lebensmittelhandel im ersten Halbjahr von sechs auf fünf Prozent zurück. Grund dafür ist die niedrige Erntemenge in den Jahren 2012 und 2013.

Auch im Export ging die Menge aus dem gleichen Grunde zurück, der durchschnittliche Wert der Weine stieg wie in den Vorjahren weiter an. Von Januar bis Juni 2014 wurden nach Angaben des Verbandes Deutscher Weinexporteure 108.421 Hektoliter Moselwein ausgeführt. Das waren 11,9 Prozent weniger als von Januar bis Juni 2013. Der durchschnittliche Wert der Exportweine stieg in diesem Zeitraum auf 3,83 Euro je Liter. 2013 lag der Durchschnittswert bei 3,75 Euro je Liter.

Nordamerika wichtigste Exportmarkt

Wichtigster Exportmarkt für Moselweine ist nach wie vor Nordamerika. Fast die Hälfte des Weinexports von Mosel, Saar und Ruwer geht in die Vereinigten Staaten (49.505 Hektoliter von Januar bis Juni 2014). Kanada steht auf Platz 2 der Exportstatistik, rund 7.317 Hektoliter wurden bis Ende Juni dorthin geliefert. Norwegen importierte fast gleich viel, rund 7.273 Hektoliter. In der Statistik folgen die Niederlande, Großbritannien, Japan und Schweden. Großbritannien war einer der wenigen Märkte, der Zuwächse verzeichnete: ein Plus von 8,2 Prozent in der Menge (auf rund 6.800 Hektoliter) und 12 Prozent im Wert (durchschnittlich 2,69 Euro je Liter). Exportsteigerungen gab es auch nach Dänemark und Finnland, in mehreren osteuropäischen Staaten wie Tschechien, Slowakei, Estland, Belarus, Ukraine, Russland und Bulgarien, in die Türkei, nach Griechenland und Spanien sowie in die südostasiatischen Staaten Singapur, Vietnam und Philippinen.

Nach China ging im ersten Halbjahr deutlich weniger Menge (1.700 Hektoliter, minus 34 Prozent), aber der Durchschnittspreis stieg stark an. Im ersten Halbjahr 2014 zahlten chinesische Importeure mit 5,21 Euro je Liter Moselwein über einen Euro mehr als 2013 (4,17 Euro). In die chinesischen Satelliten Hongkong und Macau gehen die teuersten Exportweine von der Mosel: Während die Importeure in Hongkong im ersten Halbjahr 2014 durchschnittlich 12,47 Euro für einen Liter zahlten, waren es in der ehemaligen portugiesischen Kolonie Macau stattliche 515 Euro je Liter. Das entspricht rund 386 Euro für eine 0,75-Liter-Flasche. Macau ist ein wichtiger Markt für edelsüße Raritäten.

Aufgrund der wieder durchschnittlichen Erntemenge im Jahr 2014 geht der Moselwein e.V. davon aus, dass sowohl der Marktanteil in Deutschland als auch im Export für die Weine von Mosel, Saar und Ruwer wieder steigen wird.

Pressemeldung

Moselwein e.V.

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