Kapuzinerkloster: Lesung im Rahmen der Eifel-Kulturtage
Wladimir Kaminer bot Neues vom Garten
Cochem. Der zweite Gewinner der Goldenen Berta 2013 im Rahmen der Eifel-Kulturtage, Wladimir Kaminer, sucht das Grüne: Schrebergarten war gestern - nun lockt das Leben auf dem Land. Schnell wurde das klar, als der viel beschäftigte Schriftsteller im Cochemer Kapuzinerkloster im Rahmen der Eifel-Kulturtage aus seinen Werken vorlas. Vor voll besetztem Haus erzählte, flachste und unterhielt der gebürtige Russe sein Publikum vortrefflich.
Ihren Schrebergarten mussten Wladimir Kaminer - gebürtiger Moskauer - und seine Familie wegen „spontaner Vegetation“ aufgeben. Nun versuchen sie erneut, das Paradies in kleinem Maßstab nachzubauen: in Glücklitz, einem kleinen Dorf vor den Toren Berlins. Keine Straßenkarte kennt diesen Ort mit dem kleinen Haus direkt am See und dem angeblich nördlichsten Weinberg der Welt. Dabei hat Glücklitz viel zu bieten - nicht zuletzt seine unverwechselbaren Einwohner, darunter Wladimirs Nachbar Herr Köpke, Matthias, der Schlüsselwart vom Haus des Gastes, Landbaron Heiner sowie der mollige Wirt der Dorfkneipe.
Für Wladimir Kaminer ist das Dorfleben jedenfalls ein Abenteuer samt Torpedokäfern und Rettichbeeten, der Organisation einer „Russendisco“ in der Dorfscheune, verschwiegenen Fischen, einem Wetter wie im Bermudadreieck - und natürlich jeder Menge Geschichten ...
„In seinen Episoden können wir vom Alltag Gebeutelte uns alle wiederfinden. Nur könnten die meisten ihre Beobachtungen nicht in so pointierte, witzige und liebevolle Worte kleiden“, schrieb ein Kritiker. In Cochem sparte der agile Künstler nicht mit Kritik an Namensvetter Wladimir Putin, den Lebensumständen in Russland und den aktuellen Geschehnissen in der Ukraine. Der Autor wurde 1967 in Moskau geboren und kennt als ehemaliger Soldat einer Raketenabwehrstation alle Facetten des politischen und militärischen Denkens in seinem Heimatland. Er absolvierte eine Ausbildung zum Toningenieur für Theater und Rundfunk und studierte anschließend Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut. Seit 1990 lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin. Er veröffentlicht regelmäßig Texte in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften und organisiert Veranstaltungen wie seine mittlerweile international berühmte „Russendisco“. Mit der gleichnamigen Erzählsammlung sowie zahlreichen weiteren Büchern avancierte er zu einem der beliebtesten und gefragtesten Autoren Deutschlands.
In Cochem unterhielt Wladimir Kaminer seine Fangemeinde aufs beste, über zwei Stunden zog der 47-jährige Autor alle Register und hatte auch beim anschließenden Signieren für jeden Besucher noch ein nettes Wort.
Wladimier Kaminer ist ein gefragter und begnadeter Autor. In Cochem las er unter anderem aus seinem Werk „Mein Leben im Schrebergarten“.
