Bürgerversammlung zum Thema Verschmutzung des Burbachs
Ablaufwerte seit zwei Wochen relativ zufriedenstellend
Thalhausen. Die Ortsgemeinde hatte darauf gedrängt, dass die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD) und die Kreisverwaltung Neuwied nochmals eine Bürgerversammlung zum Thema Verschmutzung des Burbachs einberuft. Ortsbürgermeister Volker Lemgen konnte ein volles Haus begrüßen, ein Großteil der Gäste bekam keinen Sitzplatz mehr.
Am Podium hatte der Pressesprecher des Kreises Neuwied, Jürgen Opgenoorth, der auch die Veranstaltung moderierte, Platz genommen. Neben ihm saßen Prof. Dr. Georg Wieber und Alfred Grunenberg von der SGD Nord, Rainer Jordes von der Kreisverwaltung und Dirk Gerber, der Geschäftsführer der Biogasanlage. Sie alle standen dem Publikum Rede und Antwort. Weitere Fachkräfte der Kreisverwaltung und der 1. Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach waren zugegen.
Zunächst legte die SGD Nord einmal dar, welche Maßnahmen seit der letzten Anwohnerversammlung getroffen wurden und berichtete über deren Umsetzung. Bekanntlich wurden Risse in den Fahrsilos festgestellt. Es gab die Auflage an der Rückseite der Silos und an den Seiten die Silage wegzuräumen, damit eine klarere Sicht an die Abdichtungen der Wände möglich ist. Hierbei wurde neben diversen Undichtigkeiten auch festgestellt, dass die vorgesehenen Abläufe verstopft waren und der Silagesaft in den Silos gestaut war. Von dort suchte er sich dann den Weg über die vorhandenen Risse ins Freie und durch die lockeren Gesteinsschichten den Weg in den Burbach.
Seit zwei Wochen sind die Ablaufwerte in den Burbach relativ zufriedenstellend. Über 90 Prozent der Verunreinigung kann abgebaut werden. Bislang konnte ein Durchschlagen des Pilzbefalls auf den Saynbach verhindert werden, wenn auch der Pilz schon im Unterlauf des Isarbaches aufgetaucht war, wie der Isenburger Ortsbürgermeister Werner Schüler berichtete.
Die Fragerunde läutete der Pressesprecher Opgenoorth selbst mit der Frage ein, die alle brennend interessierte: „Warum läuft die Anlage überhaupt noch?“ Dazu nahm Alfred Grunenberg Stellung. Er versuchte zu erklären, dass die Schäden zunächst vom Betreiber lange bestritten wurden und die Behörde nach gesetzlichen Vorschriften vorgehen musste. Ein juristischer Beweis konnte zunächst nicht erbracht werden, dass die Biogasanlage der Verursacher ist. Erst nach und nach kam das Ausmaß der Schäden ans Tageslicht. Man ging auch davon aus, dass die Silagesäfte versiegen, was auch normal sei, und nicht weiter in Grundwasser kommen. Dass die Silagesäfte sich gestaut hatten und so quasi bis jetzt in den Untergrund versickerten, konnte keiner ahnen.
„Wir sind den Dingen so konsequent nachgegangen, wie sie aufgetreten sind. Uns tut der Zustand des Baches weh, wir müssen aber gesetzmäßig vorgehen“, meinte Gronenberg. Eine Frage bewegte die Bewohner noch sehr: Im Laufe des Schadensverlaufs stellte sich heraus, dass in diesem Gebiet in dem die Biogasanlage errichtet wurde, Stollen vorhanden sind. Die große Frage für die Bewohner ist: „Was passiert, wenn die Erde, bedingt durch eventuelle Stollen, unter dem Fermenter nachgibt?“ Hier wurde zunächst vom Mitarbeiter des Bauamtes auf die Statiken verwiesen. Prof. Wieber führte aus, dass mit gängigen Messverfahren, kleine Hohlräume, wie Stollen von einem Meter Breite und zwei Meter Höhe in der Tiefe nicht erkannt werden können. Er habe eine Anfrage an das Geologische Institut in Potsdam deswegen gerichtet und um Hilfe gebeten. Von dort liege aber noch keine Antwort vor.
Vorerst ist die Wiederbefüllung der Fahrsilos untersagt. Erst müssen alle Schäden festgestellt, ein Sanierungskonzept und die Sanierung fachgerecht durchgeführt werden. Danach gibt es eine Abnahme und erst dann wird eine neue Befüllungsgenehmigung erteilt. Die Einwohner befürchten jetzt, dass in der Gemarkung Feldmieten aufgesetzt werden. Diese sind nicht genehmigungspflichtig.
Geschäftsführer Gerber gab sich optimistisch, dass bis zur neuen Befüllungssaison alle Schäden beseitigt sind und die Genehmigung erteilt wurde. Die Anwohner ziehen dies in Zweifel. Sie gründeten im Anschluss an die Veranstaltung eine Bürgerinitiative.
Das Interesse an der Einwohnerversammlung war sehr groß.
