Melsbacher Laienspielgruppe begeisterte mit der Komödie „Ein fast perfekter Ehemann“
Bei „Kappesköpp“ bog sich das Publikum vor Lachen
Melsbach. Schon als der rote Vorhang aufgezogen wurde und bevor das erste Wort auf der Bühne fiel, hallte bereits schallendes Gelächter durch die Melsbacher Sporthalle: Der faule Ehemann Peter Maurer (Joachim Heim) schnarcht auf dem Sofa, die Wohnung sieht aus wie eine Müllhalde und die Ehefrau? Die ist weg, zu ihrer Freundin nach Mallorca geflogen. Die Melsbacher Theatergruppe „Die Kappesköpp“ präsentierte ihr neuestes Lustspiel „Der fast perfekte Ehemann“, über das sich in drei Aufführungen hunderte Zuschauer bogen vor Lachen. Apropos fast perfekt: So waren auch die Vorstellungen, denn so ganz perfekt sollten sie laut Regisseurin Waltraud Geißler (Regieassistenz Annemarie Flohr) auch nicht sein: „Die Schauspieler leben ihre Rolle und machen viele Sachen von sich aus, die regiemäßig gar nicht vorgegeben waren. Sie improvisieren sehr viel und dadurch kommt auch das Lustige.“ Und richtig lustig war der Dreiakter, geschrieben von Jennifer Hülser, wirklich und so wurde das rund zweieinhalb-stündige Spiel zu einer Tortour für die Lachmuskeln der Zuschauer: Nachdem Ehemann Peter Maurer erklärte, dass seine Frau Gaby (Miroslawa Huber) ihm ein Ultimatum gestellt hatte, damit er lernt, wie es im Haushalt funktioniert, soll sein bester Freund Olaf Kaiser (Matthias Tittelbach) die Situation retten und dem unbeholfenen Peter zur Seite stehen. Das Problem: Die Tipps vom etwas einfältigen Olaf sind eher schlecht als recht. So realisiert die Männerriege dann ein Rezept aus dem Kochbuch mit Stielen vom Blumenstrauß und Wasser aus der Vase („kann das eigentlich anbrennen?“). Die Idylle wird vor allem von der Nachbarin Ella Ehrlich (Marianne Seuser) gestört, die mit ihrer nervtötenden Stimme von dem geplagten Peter fordert, er solle mit ihrem Hund Gassi gehen und ihr Essen kochen, schließlich täte seine Frau das auch immer. Dann taucht die leicht bekleidete Nachbarin Diana Blaukorn (Jessica Kutscher) auf, die sich angeblich ausgesperrt hatte und deshalb bei Peter einziehen muss, was diesen aber im Laufe der Zeit ganz schön in die Bredouille bringt. Als sich noch die lästige Schwiegermutter Elfriede Vierkant (Claudia Loose) ebenfalls im Hause des Maurers einnistet, wird Diana kurzerhand zur polnischen Putzfrau Dascha. Der mittlerweile völlig gestresste Hausherr findet das „Schwiegermonster schlimmer als Ungeziefer“, was die Nachbarin Ella Ehrlich in ihrer Unwissenheit gleich wörtlich nimmt und einen Kammerjäger bestellt. Als Dieter Rieselkäfer (Klaus Tittelbach) auf der Matte steht, um das Ungeziefer zu bändigen, konnte auch der letzte Zuschauer in der Sporthalle nicht mehr innehalten. Der Werbesong des Kammerjägers avanciert von da an zum Running Gag des Abends und vom Publikum jedes Mal mit begeistertem Klatschen begleitet. Und der Herr „Riesenkäfer“ hatte auch die Ungezieferursache schnell entdeckt: Die Kittelschürze, die Ella Ehrlich zwecks Hausarbeit an Peter ausgeliehen hatte. Mit seinen Tinkturen machte er den kleinen Tierchen schnell den Garaus. Und als dann Schwiegermutter Elfriede sich mit der Nachbarin ein Likörchen nach dem anderen gönnte, geriet sie an die Ungeziefertinktur, die Halluzinationen auslöst. So glaubte Frau Vierkant dann in ihrem Urlaubsoutfit mit Badeanzug, Schnorchel und Flossen an einem mediterranen Badestrand zu sein. Die Zuschauer waren einfach begeistert. Viel zu früh kommt auf einmal die Hausherrin Gaby zurück, die in ihrem trauten Heim das reinste Chaos vorfindet. Wie es sich für ein solches Stück aber gehört, wartete auf die Zuschauer natürlich ein glückliches Ende, so dass Peter - „es ist nicht so, wie du denkst“ - seine Gaby am Ende trotzdem in die Arme schließen konnte. Die Charaktere, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, wurden von den verschiedenen Schauspielern so authentisch verkörpert, dass „Die Kappesköpp“ am Ende der Aufführung minutenlangen Beifall erhielten. Kein Wunder, hatte die zwölfköpfige Gruppe doch schon im Frühjahr Drehbücher gelesen, selbst entschieden, welches Stück gespielt wird und auf wen welche Rolle passt. Seit Sommer proben die Laienschauspieler das Stück, erst jede Woche einmal, im September zweimal wöchentlich, im Oktober dreimal und seit einer Woche täglich dann endlich auf der selbst mit Unterstützung von Partnern und Freunden aufgebauten Sporthallenbühne. Diese Helfer sorgten im Hintergrund auch dafür, dass die Aufführungen problemlos über die Bühne gingen, dazu gehörten auch Bodo und Florian Polifka, die für die Technik verantwortlich waren, Claudia Loose für die Maske und Christine Lanzendörfer gestaltete Flyer und Plakat.
Großen Spaß hatte das Premierenpublikum bei der Komödie „Der fast perfekte Ehemann“. Fotos: HEP
Nachbarin Diana Blaukorn (Jessica Kutscher) hat sich ausgesperrt und will deshalb bei Peter Maurer (Joachim Heim) einziehen.
