Allgemeine Berichte | 05.11.2013

Bei den „Kappesköpp“ ging´s um die Wechseljahre

Die Melsbacher Theatergruppe begeisterte die Zuschauer mit drei Aufführungen einer verwirrenden Komödie

Mit Entsetzen vernahmen Olga von Sophie (l.) und Anton die Nachricht des Entführers.

Melsbach. Gut gefüllt war die Sporthalle Melsbach bei der Premiere der Theatergruppe „Kappesköpp“ mit ihrem Stück „Meine Frau, die Wechseljahre und ich“. Heiß her ging es auf der Bühne, als die sechs Laienschauspieler so richtig loslegten. Das war vor allem im ersten Akt von dreien der Fall, denn hier wechselten sich interessante und lustige Dialoge temporeich ab. Schließlich hatten die insgesamt zwölf Protagonisten die Komödie von Betti und Karl-Heinz Lind, die waren bei der letzten der drei „Kappesköpp“-Aufführungen sogar anwesend, seit Juli 25 Mal geprobt. „Mann, oh Mann! Waren das aufregende Tage“, stöhnte Anton Knopf (Joachim Heim) auf der Bühne und wandte sich dem Publikum in der vollen Sporthalle zu: „Oh, ihr seid ja auch schon da. Ihr seid bestimmt alle gekommen um eine Komödie zu sehen, ja? Aber da muss ich euch leider enttäuschen, es wird ein Drama. Und was für ein Drama. Und der Leidtragende, der Leidtragende bin natürlich ich.“ Er ahnte wohl schon, dass sein bald beginnendes Rentnerleben mit auf dem Sofa liegen, Fernsehen gucken, Bier trinken, Chips essen und die Faulheit genießen nicht realisierbar ist. Denn Ehefrau Olga (Miroslawa Huber) hatte mit Anton andere Pläne. Apropos Olga: Bei den Autoren heißt sie eigentlich Helga, aber wegen des leichten polnischen Akzents von Miroslawa durfte Regisseurin Waltraud Geißler sie mit Genehmigung umbenennen. „Meine Frau ist um einige Jahre jünger als ich und kommt jetzt explosionsartig in die Wechseljahre.

Das schlimme daran ist, sie versucht sich auch noch selbst zu verwirklichen und ich kriege das alles ab“, klärt Anton die Zuschauer auf. Olga steht vor dem Spiegel und schreit: „Ich bin viel zu dick, sieh mal hier meine Pölsterchen.“ Und das will sie ändern, mit Grünfutter, das Anton unbemerkt in die Blumenvase kippt (grün zu grün) und einem Fitnessprogramm wie Nordic-Walking beim „Krampfader-Geschwader“ oder einem Marsch mit den „Wandervögeln“. „Die haben sich in zwei Gruppen geteilt“, weiß Anton, „die eine geht wandern und die andere…nein, die geht schwimmen“. Schallendes Gelächter in der Sporthalle, aber nicht nur hier, sondern auch bei vielen anderen Szenen. Dann sorgt noch Olgas Freundin Berta Breit (Doris Reinhard-Krämer) für Chaos, als sie in einem Internet-Bekanntschaftsportal durch Tochter Sophie Knopf (Rebecca Reinhard) nach einem Mann suchen lässt. Das funktioniert auch, doch auf das vereinbarte Treffen im Café um die Ecke mit dem „Musikliebhaber“ wartete Berta vergebens. Das war nämlich Anton Knopf, der dann ganz schnell verschwunden war. Sein Nickname „Musikliebhaber“ setzte Anton in die Tat um: Er erwarb eine Trompete, die er Klara nannte, und sein Freund, weltbester Tubaspieler, sollte ihm Unterricht geben. Nach einigen lustigen Dialogen schließlich der Schock: Die Trompete war weg. Bei der Polizei meldete Anton: „Klara“ wurde entführt. Schnell war Kommissar Alois Blond (Claudia Loose) mit seinem stotternden Assistenten Harry Hirsch (Matthias Tittelbach) zur Stelle. Die waren überzeugt, dass es sich bei Klara Trompete um eine Frau handelt und wollten in einem langen Verhör auch die kleinsten Details wie „Klara liegt im Bett immer zwischen uns“ wissen. Schließlich erkannte Olga, dass sie einen fast 65-jährigen nicht mehr ändern kann und wechselte zu Antons Freude auf Burger und Schnitzel. Dann kam das „Happy End“, denn die entführte „Klara“ war plötzlich wieder da. Und der anfangs schusselige Kommissar hatte alles ermittelt: Anton hatte seinen Freund beauftragt, die Trompete zu entwenden, da er die wohl niemals richtig spielen wird. Und zum Schluss fanden Berta Breit in Kommissar Alois sowie Tochter Sophie in Assistent Harry ihre große Liebe und auch das Ehepaar Knopf hatte die Querelen und Verwirrungen vergessen. Unvergessen werden die eindrucksvollen „Kappesköpp“-Aufführungen aber für viele Zuschauer bleiben, denn diese dankten der Gruppe, zu der auch Regieassistentin Annemarie Flohr, die Techniker Bodo und Florian Polifka sowie Plakatgestalterin Christina Lanzendörfer zählen, begeistert mit frenetischem Beifall.

Mit Entsetzen vernahmen Olga von Sophie (l.) und Anton die Nachricht des Entführers.

Mit Entsetzen vernahmen Olga von Sophie (l.) und Anton die Nachricht des Entführers.

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