Dierdorf gedenkt der Opfer der Reichspogromnacht
Für Frieden und Menschenwürde
Dierdorf. Pfarrer Thomas Corsten eröffnete die Ökumenische Andacht an der Dierdorfer Stadtmauer, dort wo einst die Synagoge stand, die in der Reichspogromnacht niedergebrannt wurde. Mit dem Klagepsalm 77, den Liedern „Bewahre uns Gott“ und „Sonne der Gerechtigkeit“ Fürbitten und dem Vaterunser trugen die Kirchen zur Gedenkfeier bei. Verbandsbürgermeister Horst Rasbach erinnerte in seiner Rede an die Reichspogromnacht und den Aufruf der Nazis, der in der Realität auch in Dierdorf viel schlimmer war. „Leider hat sich auch viel Unrühmliches in unserer Stadt zugetragen. Auch hier ging man über den Pogrom hinaus. Es wurden nicht nur die Synagoge und die jüdischen Geschäfte demoliert, sondern auch in Privathäusern gewütet und gegen die dort lebenden Menschen Gewalt ausgeübt. Auch in Dierdorf hetzten die Horden von einer jüdischen Heimstatt zur nächsten, Äxte und sonstiges Werkzeug schwingend und am Ort furchtbar einsetzend. Manch lieb gewordener Gegenstand zerbarst und es setzte Schläge und Beulen, die zu blutigen Verletzungen führten. Beteiligt daran: Auswärtige, die sich hier vorübergehend aufhielten, Zugezogene aber auch Urdierdorfer“, führte Horst Rasbach in seiner Rede aus. Gut 100 Bürgerinnen und Bürger waren zugegen. unter ihnen auch viele Kinder und Jugendliche. Abschließend meinte Rasbach: „Deshalb gedenken wir des Leids dieser Nacht und des viel größeren Elends bis hin zum 6-millionenfachen Mord, was nachfolgen sollte. Wir gedenken mit der steten Bereitschaft, allen Anfeindungen gegen Toleranz, Recht, Menschlichkeit und Menschenwürde schon im Keim zu begegnen.“ Im Anschluss an die Feier stellten die Besucher ihre Kerzen vor dem Mahnmal an der Stadtmauer auf.
WT
Pfarrer Thomas Corsten (am Mikrofon) führt in die Gedenkfeier ein.
