Isenburg vor dem Verfall gerettet
Der Freundeskreis der Isenburg blickt auf acht Jahre intensiver und erfolgreicher Arbeit zurück
Isenburg. Die Isenburg, Wahrzeichen des gleichnamigen Ortes, gilt als die zweitälteste Burg im Kreis Neuwied. Sie wurde vermutlich um das Jahr 1100 herum errichtet: Das Geschlecht der Isenburger wird im Jahre 1103 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Als 1664 der letzte Bewohner verstarb, wurde die Burg einem über Jahrhunderte hinweg fortschreitenden Verfall überlassen.
Erst die in 2003 begangene Isenburger 900-Jahrfeier führte schließlich zur Gründung des Fördervereins „Freundeskreis der Isenburg e.V.“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Isenburg als kulturhistorisches Baudenkmal zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Gleich nach der Gründungsversammlung am 18. Januar 2005 wurde die unter dichtem Bewuchs liegende Burg frei geschnitten. Dabei kamen nicht nur unerwartete Gebäudeteile zum Vorschein. Es wurde auch deutlich, wie brüchig das Fundament war, auf dem die Reste der Burg standen. Es wurde also höchste Zeit, mit der Sicherung der Bausubstanz zu beginnen.
Heute blickt der Verein auf 8 Jahre intensiver Arbeit zurück, die es wert ist, Revue passieren zu lassen. Unter Aufsicht der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) und mit finanzieller Unterstützung der Vereinsmitglieder und Sponsoren sowie öffentlichen Zuschüssen und weit über 10.000 Arbeitsstunden ehrenamtlicher Helfer ist es heute gelungen, die wichtigsten Teile der Burganlage gegen den weiteren Verfall zu sichern und für die Nachwelt zu erhalten.
Den Anfang machte 2005 das „Alte Haus“, das vermutlich älteste und größte der vier urkundlich bekannten Wohnhäuser der Burganlage. Wie die Untersuchung eines noch vorhandenen Eichenbalkens ergab, wurde dieses Haus um 1175 erbaut.
Die noch erhalten gebliebenen Restmauern ließen Ansätze von Rundbogenöffnungen erkennen und wiesen Reste von Innenputzflächen auf, die aufwendig restauriert wurden. Bis Ende 2007 konnte das „Alte Haus“ samt einem Abortturm vom Fundament bis zur Mauerkrone vollständig saniert werden.
In den Jahren 2008 und 2009 stand der prominente, circa 20 Meter hohe Hauptturm der Burg, der „Bergfried“, im Mittelpunkt der Arbeiten. Loses Gestein der alten Mauerkrone wurde abgetragen und neu aufgemauert, Abrisskanten gesichert, Fugarbeiten durchgeführt, Ring- und Zuganker gesetzt. Am Ende konnte etwas realisiert werden, woran niemand vorher zu träumen wagte: Grabungsarbeiten haben einen vorhandenen Torbogen zutage gefördert. So konnte der Bergfried nach Jahrhunderten wieder begehbar gemacht werden. Im Innern des Bergfrieds sind Reste eines Kreuzgewölbes und Balkenlöcher sichtbar.
Mit dem Voranschreiten der Sanierungsarbeiten war es bald möglich, die Isenburg der Öffentlichkeit zu präsentieren. Schon in 2008 hat sich der Verein am bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz beteiligt und Besuchern fachkundige Führungen angeboten. In 2008 und 2009 waren Exponate der Isenburg bei Sonderausstellungen der GDKE zur Bauforschung in Rheinland-Pfalz zu bewundern. Seit 2007 haben weit über 1.000 Besucher die Gelegenheit genutzt, die Isenburg anlässlich der Burgfeste des Vereins zu erkunden.
Das Gebäude der Burganlage mit der weithin sichtbaren großen Fensterfront stand im Zentrum der Arbeiten seit 2010. Nach einer aufwendigen Torkretierung des tragenden Felsens wurden umfangreiche Vermauerungen sowie Injektions- und Verankerungsarbeiten durchgeführt. Die Laibungen der oberen Fensterreihe wurden bis auf festes Material abgetragen und anschließend teilweise wieder auf Originalhöhe rekonstruiert. Die Sanierung und Sicherung des Gebäudes konnte Ende 2012 abgeschlossen werden. Dieser Gebäudeteil war die kostenintensivste und umfangreichste Maßnahme.
Parallel dazu wurden in 2011 die im Bereich des ursprünglichen Zugangs zur Burg vorhandenen Reste einer Brückenrampe saniert. Die seitlichen Begrenzungsmauern konnten weitestgehend bis auf das ursprüngliche Niveau aufgebaut, der Original-Plattenbelag artgleich ergänzt und der Brückenbogen gegen eindringendes Wasser geschützt werden. Dabei wurde im März 2011 ein besonderes Fundstück ausgegraben: Ein Doppelkapitell, das einmal den oberen Abschluss einer Säule oder eines Pfeilers gebildet hat.
In einer spektakulären Kranaktion wurde im November 2012 ein mehrere Tonnen schweres Stahlrahmen-Gerüst vom Burgberg aus direkt auf einen LKW verladen. Dazu war es erforderlich, einen Spezialkran einzusetzen, welcher trotz einer Auslegerlänge von 40 m noch auf einem Standard-LKW-Chassis montiert war und somit den schmalen Zuweg nehmen konnte. Die Burg ist seitdem in der talseitigen Ansicht wieder gerüstfrei und bietet jetzt einen imposanten Anblick.
An Arbeit wird es so schnell nicht mangeln: In 2013 soll das Pfortenhaus saniert und Maurerarbeiten im Innenbereich der Burg fortgeführt werden. Auch in Zukunft ist der Freundeskreis der Isenburg e.V. auf tatkräftige Unterstützung angewiesen, um die notwendigen Arbeiten an der Burgruine verrichten zu können (weitere Informationen unter www.freundeskreis-isenburg.de).
Die gesicherte Burganlage heute: (V.l.) Altes Haus, Bergfried und Gebäude mit Fensterfront.Foto: Matthias Herzog
