Brand- und Katastrophenschutz wird aus dem Distelfeld koordiniert
Kreis Neuwied ist mit neuem BKS-Zentrum besser gerüstet
Kreis Neuwied. Gefahrenlagen für die Bevölkerung häuften sich zuletzt: Erst die Coronakrise und danach die Energiekrise. Zur Erinnerung: In der Überlegung war die Einrichtung öffentlicher „Wärmeinseln“. Und die Flutkatastrophe im benachbarten Ahrtal war auch keine Sternstunde des Katastrophenschutz. Zuletzt gab es also jede Menge Anlässe, über die Struktur des Brand- und Katastrophenschutz im Landkreis Neuwied nachzudenken und zu verbessern. Hinzu kommt, dass die Kreisverwaltung in Heddesdorf bei einem nicht auszuschließenden Rekord Hochwasser (HQextrem) über den Deich hinausgehend, im Rhein stünde. Bei der Einweihung des Brand- und Katastrophenzentrums Landkreis Neuwied (BKS) im Neuwieder Industriegebiet Distelfeld zählte Landrat Achim Hallerbach noch weitere Gründe auf: Es bedurfte professionell ausgestatteter Räumlichkeiten, die sofort zur Verfügung stehen und nicht erst mit großem Aufwand und Zeitverlust hergerichtet werden müssen. Es mangelte an geeigneten Lagermöglichkeiten für die Ausrüstung und das Material des Brand- und Katastrophenschutz. In der Rudolf-Diesel-Straße 10 ist nun alles zentral untergebracht. Die 900 Quadratmeter große Halle beherbergt Sandsäcke, Feldbetten, Trinkwasserbeutel, Transportfahrzeuge, Wasser- und Kraftstofftanks sowie vieles mehr. Aber was, wenn der Strom ausfällt? „Das Gebäude verfügt über eine Notstromeinspeisung und perspektivisch eine eigene Netzersatzanlage. Die Halle verfügt über eine zusätzliche Heizungsanlage, die über einen Flüssigkeitsgastank gespeist wird. Die Fernmeldezentrale ist mit verschiedensten redundanten Kommunikationsmitteln ausgestattet, um den Kontakt zu unseren Kommunen und den übergeordneten Einrichtungen und Behörden zu halten“, erläuterte der Landrat. Als Glücksfall bezeichnete er die Suche nach einem Standort für das BKS. Denn mit dem geplanten Neubau des Verwaltungsgebäudes der Kreisabfallwirtschaft gab es plötzlich reichlich Raum. Der ein oder andere Neuwieder kennt das Gebäude aus der Corona-Zeit. Bereits ab März 2020 bewies es seine Krisentauglichkeit. Etwa als Fieberambulanz, für das Gesundheitsamt zur Kontaktnachverfolgung und als Corona Testzentrum. Im Auto sitzenbleibend, wurden PCR-Tests von Personen in Ganzkörperschutzanzügen durchgeführt. Durch Corona verzögert, zogen die Mitarbeiter des Referates Brand- und Katastrophenschutz Anfang 2022 in das 2. Obergeschoss ein. Zwar wurde die Halle schon als Materiallager verwendet. Der eigentliche Umbau des Gebäudes begann aber erst im Sommer 2022. Maßgeblichen Anteil an der Konzeption hatten die Brand- und Katastrophenschutz-Inspekteure (BKI) Holger Kurz und dessen Vorgänger Werner Böcking. „Am besten war die Investition umsonst. Aber besser haben als brauchen“, begrüßte Holger Kurz die Gäste. Zweifel, dass das BKS tatsächlich einmal gebraucht wird, hegt er keine. Zur Eröffnung waren Vertreter der Blaulichtfamilie zugegen sowie hochrangige Vertreter aus Verwaltung und Politik. Immerhin hatte der Kreistag die notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen müssen. Holger Kurz erläuterte die Vorteile des BKS-Zentrums. Innerhalb von 15 Minuten sei man nun betriebsbereit. Bis zu zwei Stunden hätte es zuvor über den Einsatzleitwagen und dem Aufbau gedauert. Ausbildungen und Schulungen können gleich vor Ort durchgeführt werden. Fremde Immobilien anmieten müsse man nun nicht mehr. Mittels Wechselladerkonzept werden die Logistikfähigkeiten gestärkt. Das Gebäude biete ein abgesichertes Internet und bis zu 20 Arbeitsplätze im Stabsraum, dazu moderne Video- und Metatechnik. „Technisch sind wir einsatz- und betriebsbereit“, unterstrich Holger Kurz. Gleichzeitig gab er zu bedenken, dass der Katastrophenschutz ein Ehrenamt ist. Hauptamtliche könnten nur unterstützen. Diesen wichtigen Punkt griff auch Achim Hallerbach auf. „Ankommen wird es im Krisen- und Einsatzfall auf Sie“, appellierte er an die anwesenden Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehren. Gleichzeitig dankte der Landrat den Ehrenamtlichen für die deren große Einmütigkeit und Geschlossenheit. „Wir hoffen, dass die moderne Ausstattung zu ihrer Motivation beiträgt“, wandte sich der Brand- und Katastrophenschutz-Inspekteur Holger Kurz an die Kameraden. Nach den Festreden waren alle Besucher eingeladen, sich die neuen Räumlichkeiten im Detail anzusehen und sich die technischen Finessen erklären zu lassen. Bei Speis und Trank gab es zum Ausklang noch jede Menge Zeit und Gelegenheit, sich untereinander sowie mit den Kollegen der Polizei, dem THW, von DRK und Malteser, auszutauschen.
FF
Die 900 Quadratmeter große Halle beherbergt Sandsäcke, Feldbetten, Trinkwasserbeutel, Transportfahrzeuge, Wasser- und Kraftstofftanks und vieles mehr.
Landrat Achim Hallerbach und BKI Holger Kurz nehmen die Glückwünsche von Polizeipräsident Karlheinz Maron und Polizeivizepräsident Jürgen Süs entgegen.
