Künstlerpaar Margit und Rolf Hillen stellen im Neuwieder Roentgen-Museum aus
Seltener Armlehnsessel von 1805 bereichert Museumssammlung
Wolfgang Thillmann stellte sein Buch Thonet Nr 14 vor
Neuwied. Zwei interessante Veranstaltungen fanden kürzlich im Neuwieder Roentgen-Museum in Neuwied statt. Zunächst eröffnete der 1. Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach gemeinsam mit Museumsdirektor Bernd Willscheid die Kunstausstellung „Margit und Rolf Hillen – gemalt, gedruckt, geformt“.
Das Künstlerehepaar Margit und Rolf Hillen hat lange Zeit in Neuwied gelebt. Vor 15 Jahren hat es seine Heimat in Ostfriesland nördlich von Emden gefunden. Im Roentgen-Museum stellen sie rund 70 Gemälde, Grafiken und Skulpturen aus.
Wie Achim Hallerbach in der Begrüßung erwähnte, widmet sich die in Rheinbrohl geborene Margit Hillen, nach vielen Jahren im Schuldienst, sich ganz der Kunst. Der in Neuwied geborene Rolf Hillen arbeitete als Werbegrafiker in einem Neuwieder Industrieunternehmen und als Dozent für künstlerische Druckgrafik an der städtischen Volkshochschule. Im Bereich der Denkmalpflege erstellte er Fotoausstellungen für das Kreishaus, einen Kunstkalender für die Sparkasse Neuwied und bebilderte neben dem Dierdorfer Künstler Uwe Langnickel mit seinen Fotos den von Sparkasse und der Kreisverwaltung Neuwied herausgegebenen Bildband „Achitekt(o)uren im Landkreis Neuwied“.
Zur Einführung in die Ausstellung sprach kenntnisreich Charlotte Fichtl-Hilgers aus Neuwied, die mit dem Werk der beiden Künstler sehr vertraut ist. Die Landschaft, vor allem in Ostfriesland, aber auch Menschen und Architektur sei das Thema in Margit Hillens Bildern, die überwiegend in Acrylfarben gefertigt sind. Bilderserien seien entstanden, so auch zu dem Liederzyklus „Winterreise“ und „Die schöne Müllerin“ von dem Komponisten Franz Schubert und dem Dichter Wilhelm Müller.
Rolf Hillen widme sich eher der Druckkunst (Radierungen, Linol-, Hoch- und Mischdruck), gestalte Bücher, stelle Papier her und gestalte dies, auch fertige er Installationen.
Seit 1984 führen Margit und Rolf Hillen Einzelausstellungen durch und beteiligen sich an Gemeinschaftsausstellungen in Museen und Galerien im Rheinland und in Ostfriesland sowie in den Niederlanden, in Polen und in Lettland. Auch sind sie Gründungsmitglieder verschiedener Kunstvereine in Ostfriesland.
Die musikalische Umrahmung übernahmen Konstantin Paganetti und Bernd Kämpf, die ausdrucksstark und beeindruckend mehrere Lieder aus Schuberts „Winterreise“ mit Gesang und Klavierbegleitung vortrugen.
Die Ausstellung im Roentgen-Museum dauert bis 28. Februar 2016.
„Perfektes Design Thonet Nr. 14“
Weiter gab es dann noch die Vorstellung von Wolfgang Thillmanns neuem Buch „Perfektes Design – Thonet Nr. 14“ sowie die Präsentation eines Armlehnsessel aus der Zeit um 1805 von Jean-Joseph Chapuis, Brüssel, präsentiert von Museumsdirektor Bernd Willscheid.
Michael Thonets Stuhl Nr. 14 ist das erste massenhaft, industriell hergestellte Möbel, dessen Form vollkommen seiner Herstellungstechnik entspricht: Perfektes Design im Jahr 1859. Dieses Buch, das jetzt schon als das Standardwerk zu Thonet bezeichnet werden kann, beschreibt die Vorgeschichte dieser Design-Ikone, zeigt die alten und neuen Modelle und erläutert die verschiedenen Techniken des Biegens von Holz. Eine Vielzahl auch von Detailabbildungen stellt die unterschiedlichen Ausführungen der Thonetschen Sitzmöbel vor. Als praktisches Resultat findet sich am Ende eine Übersicht: Wie alt ist mein Thonet-Stuhl?, mit deren Hilfe es erstmals möglich ist, das Alter eines jeden Thonet-Stuhls exakt zu bestimmen.
Das Buch ist erschienen im Kerber Verlag. Es ist auch im Roentgen Museum erhältlich.
Jean-Joseph Chapuis (1765-1864)
Der aus Brüssel stammende Kunsttischler Jean-Joseph Chapuis (1765-1864) war der erste, der Möbel in der Technik der Schichtverleimung herstellte. Er hat diese bisher meist Michael Thonet zugeschriebene „Erfindung“ damit um einige Jahrzehnte vorweggenommen. 2015 konnte ein so gefertigter Armlehnsessel von der Museums-Stiftung Krüger für die Sammlung des Roentgen-Museums erworben werden.
Stilistisch ist dieser Fauteuil ein Möbel, das an die Antikenbegeisterung, ausgelöst durch Ausgrabungen beispielsweise in Pompeji und Herculaneum, Ende des 18. Jahrhunderts, erinnert. Nur durch das neue Herstellungsverfahren, die Schichtverleimung, war es Chapuis möglich, römische Metallmöbel in Holz zu imitieren: Die neue Technik garantierte trotzdem Stabilität und Haltbarkeit, wovon dieser Fauteuil nach über 200 Jahren immer noch Zeugnis gibt. Solche Sessel zählten auch zu der von Napoleon I. in Auftrag gegebenen Empire-Einrichtung des Schlosses Laeken bei Brüssel, dem Wohnsitz der belgischen Königsfamilie.
