Ortsumgehung Straßenhaus
Tunnel als einzig annehmbare Lösung für Straßenhaus?
Straßenhaus. Die durch den Ort Straßenhaus verlaufende B 256 ist eine der Hauptverkehrsadern im Kreis Neuwied. Sie verbindet das Rheintal mit der Autobahn A 3. Nachdem die Ortsumgehung Rengsdorf nun fertiggestellt ist, sind die Fahrzeiten deutlich reduziert worden. Fernziel ist es, vom Rheintal ohne Ortsdurchfahrten auf die Autobahn zu gelangen. Nach Rengsdorf und dem Kreisel in Bonefeld ist nun die Ortsumgehung Straßenhaus auf der Agenda. Die Vorplanungen laufen schon seit dem letzten Jahrhundert.
Nachdem nun die Pläne vorgestellt wurden, regt sich Widerstand in der Gemeinde. Es hat sich eine Bürgerinitiative (BI) „Zukunft für Straßenhaus“ gegründet, die die Umgehung nicht positiv sieht, da sie neben Umweltgesichtspunkten, viel zu nah an die Wohngebiete des Ortes herangebaut werden soll. Die BI brachte nun eine Tunnellösung ist Spiel, die jedoch nicht neu ist. Bereits 1996 gab es eine Machbarkeitsstudie der damaligen Bezirksregierung. Seinerzeit ging man bei der kürzesten Variante von einer Tunnellänge von 550 Metern aus. Die Baukosten für den Tunnel wurden damals auf 27,5 Millionen D-Mark veranschlagt.
Tunnel-Lösung bietet einige Vorteile
Die Tunnel-Lösung ist attraktiv und die BI zählt die Vorteile auf: „Anders als bei der überirdischen Ortsumgehung ist der Flächenbedarf für den Neubau gering. Natur und landwirtschaftliche Nutzflächen bleiben intakt, komplizierte Enteignungsverfahren werden vermieden. Lediglich an den Ein- und Ausfahrten des Tunnels werden die bisherigen Fahrbahnen nach außen verlegt. Von der entstehenden „Mittelinsel“ aus gräbt sich ein moderner Tunnelbohrer unter dem Ort hindurch – während ein paar Meter darüber der Verkehr ungehindert weiter fließt. Anstelle von weit geschwungenen Auf- und Abfahrten genügt für die Anbindung an die Raiffeisenstraße eine kurze Zusatzspur zum Einfädeln. Nach Abschluss der Bauarbeiten verschwindet der Fernverkehr in der Röhre. Wer in Straßenhaus einkaufen will, erreicht die Geschäfte wie gewohnt ohne Umwege. Das dürfte die Gewerbetreibenden aufatmen lassen, die um ihre Existenz bangen, weil die umstrittene Umgehungsstraße auch ihre Kunden umleiten würde.
Selbst der finanzielle Aufwand für die Tunnel-Lösung ist überschaubar. Experten rechnen mit etwa 18.000 Euro pro Meter, bei einer Tunnel-Länge von 1.000 Metern also rund 18 Millionen Euro. Etwa so viel soll auch die Umgehungsstraße kosten. Die ist dreimal so lang und führt über ein gewaltiges Brückenbauwerk. Die längere Fahrtstrecke sowie eine über sechs prozentige Steigung würden unterm Strich die Belastung durch Lärm und Abgase für die Straßenhäuser Bürger sogar noch steigern. Das Verkehrsproblem wäre nicht gelöst, nur aus der Ortsmitte zwischen die Ortsteile abgeschoben. Dort verläuft die neue Straße an einem Wohngebiet vorbei, ohne den vorgeschriebenen Mindestabstand einzuhalten. Zudem schneidet sie die Ortsteile Ellingen und Niederhonnefeld vom Ortskern ab, weshalb sie auch „Trenn-Trasse“ genannt wird. „
Der LBM hat eine Machbarkeitsstudie durchgeführt und die Ergebnisse am 23. Juni präsentiert. Die Gesamtkosten für die Tunnellösung sollen sich auf 60 Millionen Euro belaufen. Die Umgehungsstraße dagegen soll aus heutiger Sicht 17,3 Millionen Euro kosten. Somit ist die Tunnellösung sehr weit von den bisher angenommenen Zahlen der BI entfernt.
Die BI hat die Studie genau unter die Lupe genommen und es haben sich eine ganze Reihe von Fragen ergeben. Diese haben sie nun aktuell zusammengestellt und an Minister Roger Lewentz nach Mainz gesandt. Als erstes will die BI wissen, warum das beauftragte Planungsbüro die Studie gemacht hat. Das Büro soll nach Informationen der BI noch nie einen Tunnelbau realisiert haben. Die aktuelle Studie geht von einer Tunnellänge von 1.200 Meter aus. Ab 1.000 Meter gibt es sehr hohe Sicherheitsauflagen, die entsprechend teuer sind. Die Bi fragt sich, warum das Büro nicht die in 1996 längste Variante von 870 Meter zugrunde gelegt hat? Die Zu- und Abfahrten zum Tunnel hat das Büro mit 16,8 Millionen Euro kalkuliert. Die BI fragt sich, warum dieses Bauteil genauso teuer wie die gesamte Umgehung von drei Kilometer inclusive einer großen Talbrücke ist. Auch soll der Flächenverbrauch bei der Tunnelvariante laut BI höher sein. Daneben drehen sich die Fragen um unterschiedliche Gefälle zwischen Umgehung und Tunnel. Bei der Tunnelvariante wurden deutlich niedrigere Werte angesetzt.
Die Fragen sind durchaus berechtigt und so ist man in Straßenhaus bereits auf die Antwort aus Mainz gespannt, die allerdings bedingt durch die Kürze der Zeit bislang noch nicht vorliegen kann. Die Meinung der BI wurde in dem Brief wie folgt zusammengefasst: „Den Tunnel sehen wir weiterhin als die einzige annehmbare Lösung für Straßenhaus. Daher bitten wir Sie, die Voruntersuchung zur Machbarkeitsstudie Tunnelvariante B256 Straßenhaus zu überprüfen, im besten Fall durch die Beauftragung eines im Tunnelbau erfahrenen Planungsbüros.“
