Jugendliche der Landesschule für Gehörlose testen „Audiowatcher“ im Museum Monrepos
Unterwegs auf den Spuren der Menschheitsgeschichte
Segendorf. In jedem Jahr - und dies mittlerweile seit 23 Jahren - veranstalten Verbände und Organisationen der Behindertenhilfe und -selbsthilfe rund um den „Aktionstag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ überall in Deutschland und in Europa Aktionen; auch Neuwied ist immer wieder dabei. Mit Podiumsdiskussionen, Informationsgesprächen, Demonstrationen und anderen Aktionen machen sie auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen aufmerksam, um dem Ziel einer inklusiven Gesellschaft ein Stück näher zu kommen. Es soll die Kluft zwischen dem im Grundgesetz verankerten Anspruch der Gleichberechtigung für alle Menschen und der Lebenswirklichkeit Stück für Stück überwinden. „Der Beirat zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen hatte dabei eine besondere, und wie wir alle finden, tolle Idee,“ betonte Landrat Rainer Kaul bei seiner Begrüßung und wies auf den experimentellen Charakter des Besuches hin, von dem am Ende sowohl Museum als auch künftige Besucher profitieren würden. Eine Gruppe von Jugendlichen mit Hörbeeinträchtigung aus verschiedenen Altersstufen und Klassen der Landesschule für Gehörlose wurde nach Monrepos, Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution eingeladen, die von Schulleiterin Ute Jung und Bernd Günter, Abteilungsleiter Inklusive Bildung an Regelschulen sowie den Klassenlehrern Ilka Nebendahl und Oliver Will begleitet wurden. Die Technik, wie zum Beispiel eine FM-Hörlanlage wurde dabei von der Schule mitgebracht. „Museen sind ein hervorragendes Forschungsfeld, um Fortschritt und Hemmnisse bei der Inklusion einzuschätzen und Verbesserungen herbeizuführen,“ so die Einschätzung und die Motivation von Prof. Dr. Sabine Gaudzinski-Windheuser und ihrem Museumsteam, sich als „Versuchskaninchen“ zur Verfügung zu stellen. Sie wies bei ihrer Begrüßung darauf hin, dass Monrepos weltweit bekannt sei als ein Ort der Spitzenforschung für Archäologen aus aller Welt. Anhand der neuesten Forschungsergebnisse und wichtigsten Fundstücke erzählt die Ausstellung im Museum weltweit erstmals die Entwicklung unseres heutigen Verhaltens in der frühen Menschheitsgeschichte. Mit dem umfangreichen Angebot an Führungen und Veranstaltungen wird eine lebendige und sachgerechte Kommunikation mit den verschiedenen Besuchergruppen erreicht.
Es gab Anregungen, Verbesserungsvorschläge, aber auch Lob
Als „Museumstester“ sollten die Jugendlichen aufspüren, was speziell für Menschen mit Hörschädigung wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Museumsbesuch sein kann, was gut umgesetzt wurde oder was weniger gut ankam. „Als Beirat zur Teilhabe von Menschen mit Behinderung möchten wir Kontakte zwischen den Experten in eigener Sache vermitteln, sensibilisieren und Verbesserungen erreichen,“ so Behindertenbeauftragte Andrea Oosterdyk, die mit der Vorsitzenden des Beirates, Petra Grabis und dem Museum dieses „Experiment“ vorbereitet hatte. „Denn es sollte getestet werden, ob und was getan werden muss, um Menschen mit Beeinträchtigungen kulturelle Angebote ohne Hürden zugänglich zu machen und Planer dafür zu sensibilisieren, ergänzten Hans-Werner Kayser und Herbert Woidtke vom Vorstand des Beirates. Sie wollen sich dafür einsetzen, dass im Rahmen von Führungen mobile Hörempfänger zur Verfügung gestellt werden können. Zunächst wurden die Jugendlichen etwa eine Stunde unter der fachkundigen Leitung von Frank Moseler in die Welt der Vorfahren entführt und konnten viel Interessantes aus der Menschheitsentwicklung erfahren. Dann war ihre Expertise gefragt und davon gab es reichlich, so viele Eindrücke konnten sie im Verlauf der etwa einstündigen Führung gewinnen. In entspannter Runde im gemütlichen Museumscafé, unter der Moderation von Schulleiterin Jung, wurde es konkret und der Museums-Check ergab zahlreiche Rückmeldungen mit vielen positiven Bewertungen und Anregungen für Verbesserungen. Großes Lob erhielt der wissenschaftliche Vermittler des Museums, Frank Moseler, für seine Kommunikation und Artikulation, die es den Jugendlichen leicht machte, ihn zu verstehen und die auch gut von seinen Lippen ablesen konnten. Hinweise zur Verbesserung in der Raumakustik einzelner Ausstellungsräume, beispielsweise mit Nachhalleffekten, die die Sprachverständlichkeit erheblich beeinträchtigen, wurden ebenfalls gegeben. Die Jugendlichen waren mit einer mobilen Höranlage ausgestattet, die es erlaubte, auch ohne unmittelbaren Gesichtskontakt und ohne Nebengeräusche den Ausführungen der Führung zu folgen.
Pressemitteilung der
Kreisverwaltung Neuwied
