Ehrenamtliche und Behördenvertreter sprachen darüber im Kapuzinerkloster
Ein Willkommens-Netzwerk für Flüchtlinge
Cochem. Beeindruckt zeigten sich Bürgermeister Helmut Probst und Stadtbürgermeister Wolfgang Lambertz vom Interesse der rund 60 Zuhörer, die auf Einladung der VG Cochem und des Dekanats Cochem Anfang der Woche ins Kapuzinerkloster gekommen waren. Alle Beteiligten haben ein Ziel: Man will möglichst schnell ein Willkommens-Netzwerk für Flüchtlinge und Asylanten im Landkreis knüpfen, um diesen Menschen einen möglichst schnellen und schonenden Einstieg in die Gesellschaft zu ermöglichen.
„Ich freue mich mit meinen Mitstreitern, eine so hohe Teilnehmerzahl im Kapuzinerkloster begrüßen zu können“, sagte dann auch Helmut Probst zum Beginn der Infoveranstaltung. Zusammen mit Fachleuten von Kreis- und Verbandsgemeindeverwaltung sowie flankiert von Dekanatsreferentin Dietlinde Schmidt und Pastoralreferentin Veronika Raß vom Dekanat Cochem gaben die Experten zunächst einen kurzen Überblick über die Flüchtlingssituation im Landkreis.
„Die Arbeit für und mit Flüchtlingen bietet neue Chancen für den fortschreitenden demographischen Wandel“, erläuterte Helmut Probst ein Ziel des geplanten Netzwerks. „Das ist eine besondere Herausforderung, der wir uns möglichst rasch stellen müssen, denn die Zahl der Flüchtlingsfamilien steigt rasant“, so Probst.
Dietlinde Schmidt und Veronika Raß bestärkten den Bürgermeister und boten ehrenamtlichen Bürgern, die sich als künftige Paten für Asylanten oder Flüchtlingsschicksale zur Verfügung stellen jede Hilfe auch von kirchlicher Seite in Aussicht. „Wir sind für jede Idee dankbar, die hilft, diese Menschen im alltäglichen Leben zu unterstützen“, sagte Dietlinde Schmidt. Auch Linda Valerius und H. Möbius von der Koordinierungsstelle der Kreisverwaltung werden helfen, indem zunächst zum Beispiel ein Dolmetscherpool für Menschen aus arabischen Staaten, aus Mazedonien, Kosovo, Eritrea, Serbien, Bosnien und Albanien geschaffen wird. „Die Sprachprobleme sind zunächst ein großes Manko“, erläuterte Andrea Scheuren die gegenwärtige Situation. Zahlen belegen den rasanten Anstieg der Flüchtlinge im Kreis Cochem-Zell: Waren es noch 2011 insgesamt 24 Personen, kletterte die Zahl 2012 schon auf 73, 2013 waren 125 Menschen zu betreuen und 2014 erreichte man mit 170 Männern, Frauen und Kindern einen ersten Höhepunkt, der 2015 wahrscheinlich noch einmal steigen wird, denn man erwartet rund 240 Hilfesuchende.
„Das können die staatlichen Stellen nicht alleine stemmen, deshalb unser Appell an die Ehrenamtlichen, die Asylfamilien bei der Eingewöhnung, bei Arztbesuchen, bei der Wohnungssuche, dem täglichen Einkaufen, bei Kindergarten- und Schulbesuchen helfen wollen“, sagte Helmut Probst.
Sehr beeindruckend war dann der Bericht einer jungen Syrerin, die unter Tränen das Schicksal ihrer Familie schilderte, die über die Türkei floh und über Italien nach Deutschland in den Kreis gekommen ist.
Das Netzwerk des Willkommens, das mit Infoveranstaltungen demnächst startet, wie Veronika Raß per Powerpoint erläuterte, zielt auf alle Bildungs- und Gesellschaftsschichten ab. „Jeder, der helfen will und kann, ist bei uns herzlich willkommen“, sagte die Pastoralreferentin. „Alle sechs bis acht Wochen wird es eine Schulungsveranstaltung beziehungsweise Erfahrungsaustausch für diesen Personenkreis geben.“
Schon bei der Veranstaltung im Kapuzinerkloster Cochem meldeten sich Freiwillige, die zum Beispiel Ideen für ein zentrales Möbellager sammelten, für oder ganz konkret durch Fremdsprachen künftig helfen wollen.
Diese junge Syrerin schilderte bewegt das Schicksal ihrer Flucht und das Leben als Flüchtling in Deutschland.
