Bei der Koblenzer Stadtratssitzung als Videokonferenz waren Radwege ein Hauptthema
Casinostraße als Paradies für Radfahrer
Charlotte Keul stellte die Initiative Radentscheid vor und zeigte desolate Zweiradwege
Koblenz. „Ja, mer san mi’m Radl do“ sang in den 70er Jahren der Mainzer Karnevalist Ernst Neger und den Liedtext beherzigten jetzt etwa 25 Besucher der Koblenzer Stadtratssitzung. Denn in der Videoschalte, die in den großen Saal der Rhein-Mosel-Halle übertragen wurde, waren Radwege ein Hauptthema.
So stellte sich dem Stadtrat mit einer Powerpoint-Projektion die im Juli 2020 gegründete Initiative Bürgerbegehren Radentscheid Koblenz vor. Deren Sprecherin Charlotte Keul informierte das Gremium u.a. über Aktionen und Ziele von Radentscheid. So gibt es fast 8600 Unterschriften von Bürgern, die eine gleichberechtigte Mobilität für alle fordern.
Die 93 Aktiven des Radentscheids wollen als kurzfristige Maßnahmen, also bis 2022, dass schadhafte Rad- und Fußwege in einem Sofortprogramm saniert, repariert, befestigt, verbreitert, ggf. abgesenkt, markiert, vernetzt und neu ausgeschildert werden. „In der gesamten Innenstadt gilt Tempo 30, wo dies rechtlich zulässig ist nach dem Vorbild von Mainz“, führte Charlotte Keul aus. In den nächsten sieben Jahren muss Koblenz ein sicheres, durchgängiges Netz an Fahrradstraßen und Radwegen erhalten, fordert die Initiative. Charlotte Keul unterstrich dies mit eindrucksvollen Fotos von desolaten Radwegen mit Schlaglöchern, Unkraut und parkenden Autos.
Die Ratsmitglieder waren angetan von dem Einsatz der Radentscheid-Aktiven und lobten die Initiative. Ihr versprach Oberbürgermeister David Langner umfangreiche Verhandlungen über Maßnahmenpakete für einen besseren Radverkehr in Koblenz. Darüber soll der Stadtrat in seiner Sitzung am 15. Juli abstimmen.
Nach diesem ersten Tagesordnungspunkt verschwanden die Bürger, die meisten trugen ein gelbes Trikot mit dem Emblem des Radentscheids, so dass nur noch drei Medienvertreter den großen Saal „bevölkerten“. Dabei ging es im Punkt 13 bei einer Unterrichtung durch die Verwaltung um die Umwandlung der Casinostraße in eine Radfahrstraße. Obwohl dies keine Beschlussvorlage war, gab es Diskussionen der Ratsmitglieder.
In der Casinostraße sollen Radfahrer zwischen Friedrich-Ebert-Ring und Clemensstraße auf der Fahrbahn fahren, so dass den Fußgängern der gesamte Seitenraum zur Verfügung steht. Autos sind dann untergeordnet und dürfen Radfahrende auf der Fahrbahn nicht überholen oder behindern. Ausgenommen von dieser Regelung bleibt die Querung der Schlossstraße, da die verkehrsberuhigter Bereich bleibt.
In der Unterrichtungsvorlage heißt es: „Die Casinostraße stellt bereits heute eine zentrale und stark befahrene Radverkehrsachse im Koblenzer Radverkehrsnetz dar. In Teilabschnitten überwiegt der Radverkehrsanteil gegenüber dem Kfz-Verkehrsanteil und erfüllt damit ein wesentliches verkehrsrechtliches Kriterium für die Anordnung von Fahrradstraßen. Zudem zeichnet sich die Casinostraße durch eine hohe Dichte an zentralen innerstädtischen Pendler-Zielen aus (z.B. Eichendorff-Gymnasium, LBM Zentrale, Forum Mittelrhein). Die Befahrbarkeit der Fahrradstraße mit Kfz soll Anliegern mit Zielen in der Casinostraße weiterhin ermöglicht bleiben.“ Wenn aber der Durchgangsverkehr unterbunden wird, gibt es Probleme: Parkhäuser sind nur noch schwer zu erreichen.
In der Diskussion sprachen Ratsmitglieder sich für und gegen die geplante Regelung aus. Positiv sei, dass hier eine Forderung aus dem Verkehrsentwicklungsplan 2030 für die Ausweisung von Fahrradstraßen in Koblenz realisiert wird. Negativ sei evtl. eine große Staubildung in der Clemensstraße und dass Innenstadtbesucher von der rechten Rheinseite abgeschreckt würden, da sie diese dann nur noch über zig Ampeln erreichten
Weitere Stadtratsberichte werden folgen.
HEP

Habe selten so gelacht.
Casinostraße als "Paradies" für Radfahrer.
Ein kurzes Stück Straße stilisiert man zu einem Paradies hoch. Erreicht man deren Ende, begreift man den Schwachsinn einer solchen Bezeichnung, auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Kfz-Verkehr, wenn auch minimalisiert, der Casinostraße ja dennoch erhalten bleibt.
Man lässt auch nichts aus, um sich immer wieder selbst hochzuloben. Fragt sich nur für WAS.
Ratsmitglieder waren angetan vom Einsatz der Ratentscheid-Aktiven.
Kann man auch, denn von denen können diese wirklich etwas lernen. Nur, zwischen positiv angetan sein und kalter Realität klafft eine Lücke, die man so schnell, auch nicht bis 2030, wird schließen können.
OB Langner hat mal wieder etwas versprochen.
Man erinnere sich an seinen wahlkampforientierten Punkte-Katalog vor seiner Wahl zum OB, wo der Radverkehr (umwelt- und klimaorientiert) eine bedeutende Rolle spielte.
Was ist bisher daraus geworden? Flickschusterei, also NIX.