Dramatik in der Eifel: Schubert-Triumph im Fotofinish und Falken-Sieg bei Regen-Chaos
Nürburgring. Das mit Spannung erwartete Double-Header-Wochenende der ADAC RAVENOL Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS) bot den Zuschauern in der „Grünen Hölle“ ein Wechselbad der Gefühle. Bei den Saisonläufen 8 und 9 erlebten Teams und Fans packenden Motorsport, der am Samstag in einem historischen Wimpernschlag-Finale gipfelte und am Sonntag von extremen Wetterkapriolen überschattet wurde. Während am Samstag die Piloten von drei verschiedenen Herstellern das Podium bevölkerten, wurde der Sonntag zu den Festspielen einer einzigen Marke.
Schubert siegt nachHerzschlagfinale
Der Samstag stand ganz im Zeichen des 65. ADAC Reinoldus-Langstreckenrennens (NLS8). Nach vier Stunden Renndistanz bebte die Haupttribüne, als der BMW M4 GT3 von Schubert Motorsport fast im Parallelflug mit dem Falken-Porsche 911 GT3 R die Ziellinie überquerte. Letztlich sicherten sich die BMW-Piloten Jens Klingmann, Jordan Pepper und Ugo de Wilde mit einem hauchdünnen Vorsprung von gerade einmal 0,308 Sekunden den Gesamtsieg. Damit feierte Schubert Motorsport einen der knappsten Gesamtsiege in der Geschichte der NLS.
Schlussfahrer Klingmann lieferte sich am Ende, Stoßstange an Stoßstange, ein nervenaufreibendes Duell mit dem Falken-Porsche 911 GT3 R, pilotiert von Tim Heinemann und Morris Schuring. Trotz dichten Überrundungsverkehrs auf der Döttinger Höhe behielt Klingmann die Nerven und rettete den Sieg ins Ziel.
Eine sensationelle Leistung zeigten auch Benjamin Leuchter sowie Dominik und Marcel Fugel in dem mit eFuels betriebenen Audi R8 LMS GT3 von Max Kruse Racing: Das Trio komplettierte das Gesamtpodium auf Rang 3.
Porsche dominiertdie Regenschlacht
Gänzlich andere Bedingungen erwarteten die nach dem Lauf am Samstag noch verbliebenen 107 gestarteten Fahrzeuge am Sonntag beim 66. ADAC ACAS Cup (NLS9). Das Rennen begann noch auf trockener Strecke, doch bereits in der sechsten Runde setzte Regen ein. Zur Rennhalbzeit öffneten sich dann die himmlischen Schleusen endgültig. Heftiger Regen und Aquaplaning verwandelten die Nordschleife phasenweise in eine kaum berechenbare Rutschbahn.
Die Porsche-Piloten kamen mit den schwierigen Verhältnissen am besten zurecht und machten das gesamte Podium unter sich aus.
Den Sieg sicherte sich Falken Motorsports. Morris Schuring und Tim Heinemann schlugen nach dem hauchdünnen Pech vom Vortag eindrucksvoll zurück und bescherten der Mannschaft den ersten NLS-Saisonsieg 2026.
Hinter den Siegern sorgte Flynt Schuring gemeinsam mit Nico Menzel für den zweiten Platz. Für Flynt Schuring war es dabei der erste GT3-Einsatz auf der Nordschleife. Im Dunlop-Porsche machte das Duo damit den „familieninternen Schuring-Doppelsieg“ perfekt.
Für den totalen Triumph der Zuffenhausener Marke sorgten letztlich Patrick Assenheimer, Tobias Müller und Dylan Pereira mit dem Black-Falcon-Porsche auf Rang 3.
Lokale Teams feiernstarke Klassenerfolge
Auch abseits des Gesamtpodiums präsentierte sich Black Falcon beim Double-Header-Wochenende gewohnt stark und breit aufgestellt.
Neben dem Podiumsplatz in der Gesamtwertung feierte die Mannschaft in beiden Läufen Erfolge in den Klassen. So überzeugten die schwarzen Falken auch in der Porsche Endurance Trophy mit einem Porsche 911 GT3 Cup: Am Samstag sprang Rang eins heraus, am Sonntag folgte Platz zwei.
Genau das gleiche Ergebnis gelang dem Team auch in der SP10 Wertung mit einem BMW M4 GT4.
Gewohnt erfolgreich auch das Traditions- und Kultteam Schmickler Performance, das zusammen mit dem Mayener Nordschleifen-Ass Carsten Knechtges ein perfektes Rennwochenende erlebte.
Der erfahrene Mayener Lokalmatador und VLN-Gesamtsieger von 2011, Carsten Knechtges, griff in dieser Saison erstmals wieder ins Lenkrad eines Rennboliden. Zusammen mit seinen langjährigen Teamkollegen Achim Wawer und Claudius Karch steuerte er den Porsche 982 Turbo (Cayman GTS) an beiden Tagen zu unangefochtenen Klassensiegen. Knechtges bewies eindrucksvoll, dass er trotz der Rennpause nichts von seiner Schnelligkeit auf seiner fahrerischen Heimat, der „Grünen Hölle“, eingebüßt hatte.
In der hart umkämpften Klasse V6 steuerten am Sonntag die Piloten von Schmickler Performance einen Porsche 911 zum Klassensieg.In der seriennahen BMW-M240i-Klasse unterstrich eine international besetzte Fahrerpaarung ebenfalls die Vielseitigkeit der Mannschaft. Mit den Positionen zwei und eins an den beiden Renntagen komplettierte das Team aus dem Landkreis Ahrweiler sein hervorragendes Double-Header-Ergebnis.
Zwei Siege und einJubiläum für Jürgen Nett
Für die einheimischen Fans entlang der Nordschleife gab es auch in der hart umkämpften Tourenwagenklasse VT2-F+4WD an beiden Renntagen Grund zum Feiern.
Die Brüder Jürgen und Achim Nett, die für den AC Mayen an den Start gingen, bildeten gemeinsam mit Teamchef und Routinier Christoph Dupré eine starke Einheit. Im Audi S3 von Dupré Motorsport sicherte sich das Trio sowohl am Samstag bei trockenen Bedingungen als auch am Sonntag unter schwierigsten Wetterverhältnissen den Klassensieg.
Dabei schrieb Jürgen Nett am Sonntag ein weiteres Kapitel seiner ohnehin beeindruckenden Nordschleifen-Karriere. Mit dem Klassensieg in Lauf neun feierte der Routinier aus Mayen seinen 100. Klassensieg in der Langstreckenserie.
Damit zog Nett in den exklusiven „Club der Hunderter“ ein und festigte gleichzeitig seinen Platz unter den fünf erfolgreichsten Fahrern in der ewigen Bestenliste der Rennserie.
Zwei vollkomme unterschiedliche Renntage, spektakuläre Zweikämpfe, Wetterextreme und zahlreiche Klassensiege machten den Double-Header am Nürburgring damit zu einem Wochenende, das Teams, Fahrer und Fans so schnell nicht vergessen werden. Die Meisterschaftsentscheidung steht allerdings noch aus, diese fällt erst beim großen Finale am 10. Oktober 2026. BURG
Mit gleich zwei Klassensiegen konnten Carsten Knechtges (links) und seine beiden Teamkollegen Achim Wawer (rechts) und Claudius Karch mit dem Schmickler Porsche feiern.
Gemeinsam mit seinem Bruder Achim Nett und Christoph Dupré (re.) konnte Jürgen Nett (li.) seinen 100. Klassensieg feiern.
Nach seinem Sieg beim Double-Header im vergangenen Jahr sahen die Piloten des Ford Mustang GT3 des Meuspather HRT-Teams in diesem Jahr nur am Sonntag auf der 6. Positionen die Zielflagge..
Im Feld der 131 gestarteten Fahrzeuge konnte am Samstag (NLS 8) der Schubert BMW den Sieg mit einem hauchdünnen Vorsprung vor dem Faken-Porsche ins Ziel retten.Fotos: BURG