Allgemeine Berichte | 05.02.2015

Hochschule Koblenz

Ein Cem-Haus für Koblenz

v.l. Cemal Büyük (Alevitische Gemeinde Deutschland e.V.), Nazanin Esfandiyari, Thomas Wagner, Sezgin Isik, Prof. Henner Herrmanns und Julian Walterprivat

Koblenz. Kürzlich wurden in der Hochschule Koblenz die Entwürfe von vier Architektur-Studenten/innen für ein Cem-Haus in Koblenz vorgestellt. Sie haben als Masterthesis unter der Betreuung von Prof. Henner Herrmanns ein Cem-Haus entworfen, das der Alevitischen Gemeinde als Muster-Cem-Haus dienen soll. Dies geschah auf Anregung von Cemal Büyük, Vorstandsmitglied der Alevitischen Gemeinde Deutschland e.V.

Die alevitische Gemeinschaft ist die zweitgrößte muslimische Konfession in der Türkei, die sich in ihrem Religionsverständnis und ihren religiösen Praktiken stark von den Sunniten unterscheidet. So tragen die Frauen zum Beispiel kein religiöses Kopftuch, sie beten nicht in Moscheen, dafür in ihren eigenen Gebetsstätten (Cemevi). Von den 4,5 Millionen in Deutschland lebenden Muslimen gehören ungefähr 700.000 dem Alevitentum an. Diese stammen zu 95 Prozent aus der Türkei. Da die meisten muslimische Einwanderer in Deutschland bleiben und eingebürgert sind, haben sie das Recht, Bauten zur Ausübung ihrer Religion zu errichten.

So benötigen die Aleviten in Deutschland Cem-Häuser (Cemevi). In den nächsten Jahren sollen in der gesamten Bundesrepublik 150 solcher Cem-Häuser entstehen. Als Cem-Haus bezeichnet man das alevitische Versammlungs- und Gotteshaus. Einer Moschee oder auch einer Synagoge nicht unähnlich ist ein Cem-Haus ein multifunktionales Gebäude, das neben einem Betsaal auch einen großen Versammlungsraum sowie Unterrichtsräume etc. aufweist. Eine spezifisch „alevitische Baugestalt“ für ein Cem-Haus hat sich in der Geschichte dieser Religionsgemeinschaft, anders als im Kirchenbau, nicht entwickelt. Als fiktives Areal in Innenstadtlage von Koblenz hat Prof. Herrmanns den Reichensperger Platz in Koblenz ausgewählt. Der Entwurf von Sezgin Isik akzentuiert das Areal durch eine einfache, klare Geometrie. Die Linearität des gegenüberliegenden Gebäudes der ehemaligen Bezirksregierung wird aufgenommen und die Achse vom Deinhard-Platz zum Rhein durch die lang gezogene Wand unterstützt. Nach außen stellt sich das Gebäude mit kubisch geschlossenem Baukörper und Flachdach dar, wenn auch das Dach eigentlich dynamisch geschwungen ist. Der Grundriss des Cem-Saales lässt eine starke sakrale Anmutung erwarten. Die sakralen und profanen Nutzungen sind separiert. Der Betraum ist durch seine Höhe und zwölf Basaltpfeiler, die neben der statischen auch eine symbolische Funktion haben, besonders betont. Die Architektur ist durch Raumformen geprägt, deren spirituell-atmosphärische Wirkung sicherlich zum Tragen kommt und der Wertigkeit seiner Bestimmung gerecht wird. Julian Walter schlägt einen Baukomplex aus drei Bauteilen vor, vor dem vier Stelen stehen, die die vier Torwege, die der Besucher durchschreiten soll, symbolisieren. Der spirituelle Charakter des Cem-Saales wird durch die geschickte Perforierung von Dach und Wand unterstützt. Er wird durch zwölf Oberlichter belichtet, die sinnbildlich für die zwölf Imame stehen. Der Anspruch auf Zeichenhaftigkeit eines sakralen Gebäudes ist damit erfüllt. In dem Entwurf von Thomas Wagner wird der Cem-Saal in einem monolithischen Bau platziert. Ein orthogonales U umfängt diesen dreieckigen Baukörper, in dem die profanen Raumnutzungen untergebracht sind. Der Cem-Saal ist bestimmt räumlich interessant, so dass der Besucher wie in einer Kathedrale ergriffen werden könnte. Von Nazanin Esfandiyari werden die verschiedenen sakralen und profanen Nutzungen in vier einzelne Bauten untergebracht, die sich zum Cem-Haus ergänzen. Sie umschließen einen begrünten Hof, wohin sich die von außen scheinbar hermetisch geschlossene Anlage hin öffnet. Klarheit und Mystik zeichnen den reduktionistischen Cemsaal aus. Trotz der unprätentiösen Zurückhaltung strahlt der Komplex eine physiognomische Kraft aus.

Die Arbeiten (Pläne und Modelle) sollen demnächst einer größeren Öffentlichkeit präsentiert werden.

v.l. Cemal Büyük (Alevitische Gemeinde Deutschland e.V.), Nazanin Esfandiyari, Thomas Wagner, Sezgin Isik, Prof. Henner Herrmanns und Julian WalterFoto: privat

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