Expertenanhörung soll Ideen für Koblenzer Innenstadt liefern
FREIE WÄHLER erwarten mit Spannung die Impulse der Experten in kommender Ratssitzung
KOBLENZ. Nicht erst seit der Hiobsbotschaft über die Zukunft der Koblenzer GALERIA-Filiale in der Löhrstraße stellen sich viele Einzelhändler und Bürger die Frage, wie es mit der Einkaufsstadt Koblenz weitergehen wird. Um hier Impulse von Experten zu erhalten, hatten FREIE WÄHLER im Koblenzer Stadtrat eine Expertenanhörung beantragt, die nunmehr in der kommenden Ratssitzung abgehalten werden wird.
„Der Koblenzer Einzelhandel steht mächtig unter Druck: Der Onlinehandel hat enormen Zuspruch, die Landespolitik genehmigt die Erweiterung des Factory-Outlet in Montabaur, zudem schwächen steigende Mieten und Lohnkosten die Margen für inhabergeführte Geschäfte“, führen der FREIE WÄHLER-Fraktionsvorsitzende Stephan Wefelscheid und sein Stellverteter Christian Altmaier zur Begründung ihrer politischen Initiative zunächst an.
„Uns fehlt auch die Bereitschaft der Stadtverwaltung, innovativen Ansätzen der Koblenzer Kaufmannschaft engagiert zur Seite zu stehen. Allein die Debatte um ein paar Stühle vor das Geschäft stellen zu können, verlangte einen langen Atem und Langmut der Einzelhändler,“ beklagt Altmaier. Mit der Novelle der Gestaltungssatzung wurden hier kürzlich neue Möglichkeiten geschaffen: „Allerdings lief das Verfahren über Jahre und so stelle ich mir keine kooperative Stadtverwaltung vor, die nur verbietet und nichts möglich macht.“ Glasklar übt das langjährige Ratsmitglied seine Kritik: „Einen „First Friday“ wie in Andernach hätte es in Koblenz mutmaßlich nie geben können, da fehlt mir sämtliche Phantasie für.“
Er habe daher die Initiative einer Expertenanhörung seines Ratskollegen Altmaier gerne unterstützt, informiert Fraktionschef Wefelscheid: „Wir müssen endlich Veränderungen vornehmen im Management unserer Innenstadt. Die Bürger nehmen eine Verwahrlosung wahr, Leerstände führen nicht zu mehr Attraktivität und insofern braucht es nun Impulse von Experten. Wir versprechen uns diese, auch um konkret besser zu werden.“
Zwar habe es derzeit drei Beschäftigte, die sich mehr oder weniger um Stadtmarketing und die Entwicklung der Innenstadt kümmern sollen. „Allerdings habe ich den Eindruck, dass sich die drei Damen vor allem in ihrer Blase bewegen und eher etwas rat- und konzeptlos vor sich hinwerkeln,“ versucht sich Christian Altmaier vorsichtig zu äußern.
Stephan Wefelscheid freut sich darauf, eine erfolgreiche Unternehmerin aus der Altstadt als Expertin zu hören: „Mit Jenny Krause, Inhaberin der Frl. Diehl Karamellmanufaktur an der Liebfrauenkirche, konnten wir eine Unternehmerin aus der Altstadt dazu gewinnen, über ihre Eindrücke und Erfahrungen zu berichten. Frl. Diehl vertreibt ihre Waren sowohl im Ladengeschäft, als auch über einen Onlineshop. Vor dem Hintergrund der steigenden Digitalisierung sind wir daher sehr gespannt drauf, welche Empfehlungen sie uns mitgeben wird“.
„Wir wollen auf die Stimme der erfolgreichen Einzelhändler und Macher hören, denn oftmals gilt der Prophet im eigenen Land nichts“, begründet Wefelscheid weiter. „Wir haben daher auch den Chef eines mittelständigen Herrenausstatters gebeten, der schon in jungen Jahren eine enorme Erfahrung in unterschiedlichen Funktionen inne hatte, als Experte anzureisen.“ Tim Kaelberer verantwortet die strategische Entwicklung bei „Ansons“: „Es hat mich gefreut, dass Tim uns zugesagt hat und seine Expertise mit dem Stadtrat teilen wird,“ informiert Altmaier.
Letztlich zeige sich in der aktuellen Entwicklung rund um den Kaufhof, dass der Blick von außen auch unangenehm sein könne: „Die Geschäftsleitung legt den Finger in die Wunde. Das Stadtbild hat sich gewandelt, die Löhrstraße wird zwar noch als 1A-Lage gelistet, aber entspricht dies der Realität? Hier ist die Stadtspitze gefordert“, verstärken Wefelscheid und Altmaier die jüngst bekannt gewordenen Aussagen der GALERIA-Führung. Man stehe als einzige Ratsfraktion im engen Austausch mit dem örtlichen Betriebsrat und begrüße es, dass auch der politische Mitbewerber nun wach geworden sei. „Allein einen Brief schreiben wird aber nicht ausreichen.“ Man habe sich ohnehin gewundert, dass die CDU-Ratsfraktion den Antrag der Expertenanhörung nicht unterstützt hat. „Es braucht einen Schulterschluss aller Kräfte, auch den Status Quo kritisch zu beleuchten und Problemlagen anzusprechen. Insofern ist Anfangs September Gelegenheit sich im Stadtrat konstruktiv und kritisch auszutauschen und mit neuen Impulsen einen Neustart für den Koblenzer Einzelhandel und die Alt- und Innenstadt zu finden.“ Der Koblenzer Einzelhandel solle sich nicht über die Quantität an Döner-Buden, Shisha-Bars und Handy-Shops definieren, sondern über die Qualität der angebotenen Waren in inhabergeführten Geschäften, die den Weg für Einkäufer nach Koblenz lohnend machen.
Christian Altmaier, stellv. Fraktionsvorsitzender Foto: Julia Berlin
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Stephan Wefelscheid, Fraktionsvorsitzender Foto: Fotostudio Reuther