Gloria und Alleluja bei Kerzenschein
Soroptimist International - Club Koblenz veranstaltete ein Benefiz-Lichterkonzert in der Basilika St. Kastor
Koblenz. „Ja, ist denn schon wieder Weihnachten?“, mochte sich mancher vielleicht in Anbetracht des mit traditionellen Advents- und Weihnachtsliedern bestückten Lichterkonzert-Programms fragen. Auch wenn das Jahr 2013 schon ein paar Tage alt ist, waren „Kommet, ihr Hirten“, „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ oder „Vom Himmel hoch“ doch eine vortrefflich passende Musik für die in festliches Kerzenlicht getauchte Basilika St. Kastor. Allein 16 große Kerzenleuchter standen im vorderen Bereich des Altarraumes, vor dem zahlreiche, mit kleinen Lichtern bestückte Tannenbäume und die Krippe aufgestellt waren.
Der große Andrang auf Sitzplätze, deren Anzahl vor Konzertbeginn durch Hinzustellen weiterer Stühle mehrfach erhöht wurde, zeigt, wie stark der Wunsch nach Besinnlichkeit bei Chor- und Orgelmusik in der neu beginnenden Alltags-Hektik ist. Weit mehr als 400 Zuhörer ließen die Basilika nahezu aus allen Nähten platzen. Natürlich waren auch die Ausführenden ein starker Publikumsmagnet. Allen voran die Koloratur-Sopranistin Hana Lee, die durch ihr Engagement als Solistin am Theater Koblenz bereits gut bekannt und sehr beliebt ist. Aber ganz klar ist es auch der St. Martins-Chor aus Bad Ems unter Leitung von Bezirkskantor Lutz Brenner, der schon traditionell das Lichterkonzert bestreitet, der immer wieder und immer mehr Menschen mit seinen Darbietungen begeistert.
Über die große Resonanz freute sich besonders der Koblenzer Club von „Soroptimist International“, eine Service-Organisation berufstätiger Frauen. Seine Präsidentin, Editha Pröbstle, gab an, dass mithilfe des Konzert-Erlöses die mit 8000 Euro angedachte Unterstützung des Sozial-Projektes des Koblenzer Frauenhauses „Nemo – gemeinsam stark“ realisiert werden könne. In ihrer Begrüßungsansprache, die sich um das Licht, das Leuchten und um die vier Kerzen Frieden, Glaube, Liebe und Hoffnung rankte, sagte sie, alle gemeinsam könnten durch das Licht, das jeder in sich trage, zusammen mit den in der Basilika leuchtenden Kerzen eine große Strahlkraft erreichen zugunsten der Nächsten.
Den Worten folgend verbreiteten die zahlreichen kleinen und großen Chormitglieder, die hinter dem Altar Aufstellung genommen hatten, gleich mit ihrem ersten Lied „Übers Gebirg Maria geht“ einen warmen Klang in der Kirche. Für jedes Lied summte Chorleiter Brenner die Melodie kurz an, um den Chor auf den richtigen Weg der Töne zu führen. Mal ganz getragen und oft anrührend, mal beinahe schmetternd, vielstimmig jubilierend, zeigten die Sänger und Sängerinnen aller Altersklassen, wie beeindruckend und groß ihr Lied-Repertoire und stimmliches Vermögen ist. Das wurde besonders deutlich bei Stücken, die die Mehrstimmigkeit betonten. Den Chor einmal zusammen mit der Solistin zu hören, wäre sicherlich ein ganz besonderes Erlebnis gewesen, doch Hana Lee wurde lediglich von der Orgel begleitet, die von Johannes Scharfenberger gespielt wurde. Die helle, leichte Stimme der Sopranistin konnte sich bei den drei von ihr gesungenen Liedern „Rejoice greatly“, „Exsultate, jubilate“ und „Et incarnatus est“ gut entfalten. Besonders bewundernswert war die große Koloratur-Fähigkeit der Sängerin und das klare charakteristische Timbre ihrer Stimme. Wie eine Lerche schien sie sich mit diesen melodiösen Salti geradezu die Himmelsleiter hinauf zu singen. Und das ohne sichtbare Anstrengung, immer mit einem engelsgleichen Lächeln auf den Lippen und nur einem gelegentlichen Blick in das auf ihren Händen ruhende Notenbuch. Ein vielfaches „Alleluja“ in dem Stück „Tollite hostias“ war das feierliche aus vollem Herzen gesungene Abschiedsgeschenk des Chores für das Lichterkonzert 2013. Das Publikum erklatschte sich noch eine Zugabe, eine weitere erbat sich Editha Pröbstle, bevor sie die Zuhörer mit den besten Wünschen für ein gutes neues Jahr auf den Nachhauseweg schickte.
BSB
