Es ging ganz tief nach unten...
Kolping-Mitglieder wurden zu „Kellerkindern“
aus Lahnstein
Lahnstein. Es ging dahin, wo die meisten noch nie waren: In die ehemalige kurfürstliche Salkellerei unter der Hochstraße in Oberlahnstein. Die Salkellerei unter der ehemaligen Druckerei Schickel gehört zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Die Exkursion war fast geheim, grundsätzlich nur Kolping-Mitgliedern vorbehalten, „denn wir wollten nicht, dass halb Lahnstein im Untergrund verschwindet“, so Benedikt Hanke aus dem Kolping-Sprecherteam mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Recht beschwerlich ging es die Treppenstufen hinunter im Eingang gegenüber dem Salhofplatz. Die ältesten Teile des beleuchteten Kellers stammen aus dem 14. Jahrhundert, vielleicht sogar aus dem 13. Jahrhundert. Bis 1845 wurde tief unter Lahnstein die Zehntabgabe eingelagert, darunter Wein und Getreide. Diese bildeten die sogenannte Naturalsteuer, die vom Landesherrn gefordert wurde. Der Zehnt war im Mittelalter eine Pflichtabgabe, welche jeder Bauer zu leisten hatte und hat schon biblische Ursprünge.
Der Backsteinkeller hat eine stattliche Höhe von 4,50 Meter, eine Mittelsäule trägt das Kreuzgewölbe im etwa 8 x 8 Meter großen Keller. Der Oberlahnsteiner Winzerverein nutzte die Kellerräume bis 1972. Dort lagen die Weinfässer in zwei Reihen übereinander. Die meisten Fässer waren Stückfässer mit einem Volumen bis 4200 Liter. Bis zu 43.000 Liter Wein konnten in dem Winzerkeller gelagert werden. Gekeltert wurde in einer großen Doppelkelter und einer weiteren Kelter. Als Zeitzeuge berichtete Karl-Josef Peil, der Ende der 1960er Jahre in diesem Keller gearbeitet hat. Er steuerte auch eine lustige Anekdote aus dem Arbeitsleben der Winzer bei und stellte anschaulich die Abläufe unter einer der Hauptverkehrsschlagadern der Stadt dar.
Da der Weinanbau in Lahnstein zu Beginn der 1970er Jahre rückläufig war, vereinbarte der Winzerverein mit dem Braubacher Winzerverein, dass die Trauben in Braubach gekeltert, gelagert und abgefüllt wurden. Der Salkeller wurde 1972 geschlossen und geräumt. Das Ende des Oberlahnsteiner Winzervereins war nach 75 Jahren im September 1972 gekommen. Auch Michael Eisenbarth aus dem Vorstand des Altertumsvereins Lahnstein ging auf die Geschichte der Kellerräume ein. Keine Angst, die Kellerkinder kamen wieder zu Tage und stiegen die Stufen an diesem Samstagmittag im Oktober wieder hinauf. Grundsätzlich ist der eindrucksvolle Salkeller „down under“ für die Besucher übrigens nicht zugänglich, was diese Erwachsenenbildungsveranstaltung wirklich zu etwas Besonderem machte. Im benachbarten Pfarrhaus saß man abschließend in gemütlicher Runde zusammen und genoss – natürlich – ein Glässchen Wein.
Viele Treppenstufen ging es bergab. „Lahnstein von unten“. Foto: Claudia Schild
Hier wurden einst Weinfässer eingelagert. Foto: Claudia Schild
Da, wo man noch nie war. Foto: Claudia Schild
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Man traf sich vor der Kirche, um „unter Tage“ zu gehen. Foto: Claudia Schild