Allgemeine Berichte | 14.12.2015

„Von den Quellen und Bädern der Region“ - Petra Lötschert begrüßte Wasserexperten im Koblenzer Schloss

Kultursalon holt bei Wasser tüchtig aus

(V.l.) Andrea Meurer-Wiedmayer, Editha Pröbstle, Petra Lötschert, Dr. Judith Schilling, Soledad Sichert und Windfried Sander. U. Stanzlawski

Koblenz. Wer sagt, dass ein Kultursalon nur die schönen Dinge des Lebens in den Mittelpunkt stellen muss – Musik, Literatur, Malerei? Dieses Klischee möchte der Kultursalon Koblenz einfach nicht bedienen. Die einen machten am Samstag „Midnight Shopping“, andere fanden sich im Schloß zu einem aufschlussreichen Diskurs ein. „Von den Quellen und Bädern der Region“ war das Thema. Eingeladen hatte Petra Lötschert, Leiterin und Moderatorin des Salons vier diverse Wasserexperten der Region.

Überraschender Weise war dies die erste frauendominierte Runde des Kultursalons, der an diesem Wochenende die 17. Veranstaltung zählte. Und wieder mal traf sich an diesem Abend ein Publikum im Kurfürstlichen Schloß, das geschäftliche wie private Kontakte knüpfte.

Als Talkgäste erschienen: Winfried Sander - Vater der Bachpaten aus Adenau in Rheinlandpfalz - mehrfach ausgezeichnet. Andrea Meurer-Wiedmayer – die Betriebsleiterin der Emser Therme, Soledad Sichert – die diplomierte Wasser- und Weinsommeliere aus Bonn sowie Dr. Judith Schilling - Gesellschafterin aus dem Haus Brohler Mineral- und Heilbrunnen. Sondergast war Editha Pröbstle - Soroptimistin und Künstlerin aus Ehrenbreitstein, die das Spiel „Wasser-Würfel-Welt“ vorstellte.

„Trink Brohler und dir geht`s wohler“

Der alte Slogan wirkt. Immer noch. Dr. Judith Schilling, die Chefin des Mineralbrunnenunternehmens kam mit vielen Brohler-Flaschen ins Schloß. Schließlich hat sie für ihre flüssigen Schätze den berühmten Taste-Award aus Belgien erhalten. Das Geheimnis - so verrät sie mit Petra Lötschert - ist die bestimmte Mischung aus Magnesium, Calcium und Hydrogencarbonat des Säuerlings, der aus einer Bohrtiefe von 600 m ans Tageslicht findet. Sie führt das Familienunternehmen, einst von ihrem Ur-Urgroßvater einem Reeder aus Duisburg gegründet, in 4. Generation. Sohn David, Stellvertreter für die 5. Generation sitzt im Publikum. Neben diesem geschmacklich angenehmen Mineralwasser besitzt das Unternehmen noch eine Heilquelle. „Steinsiecker“ ist besonders kalziumreich und steht in orthopädischen Kliniken hoch im Kurs. Heilwässer unterliegen besonders strengen Regularien, bei der Abfüllung muss sogar ein Sachverständiger, meist ein Apotheker anwesend sein.

Sie verrät Küchentricks wie Süßspeisen, Kartoffelpuffer und vieles mehr mit Mineralwasser noch besser gelingen. Lötschert hält eine Broschüre hoch, die das Publikum umsonst anfordern kann. Nachdem die Moderatorin über die Wichtigkeit des Wassers referierte, dass der Mensch aus 80% Wasser besteht und daher viel Wasser zum Spülen braucht, weist Dr. Schilling auf die tägliche Trinkportion von 2 Liter Wasser hin. Unter anderem soll diese Portion vor Konzentrationsmangel wie vorzeitige Faltenbildung schützen.

Wasser-Sensorik

Sommelierè – den meisten ist diese Wortschöpfung nicht bekannt. Hierunter verbirgt sich ein Wasserkenner, in diesem Falle Soledad Sichert. Seit 1812 existiert die Bezeichnung der Gastronomie für Spezialisten, die den Markt und seine Angebote kennen, die das Restaurant und auch seine Gäste bei der Speise- wie Getränkeauswahl beraten. Ein Sommlier muss sich aber auch in Lagerhaltung, Rechtsgrundlagen, Mineralstoffkunde, Tasting wie Tests und auch bei der Präsentation der Wasser-Waren auskennen. Nicht jedes Restaurant kann sich eine solche Frau leisten. Soledad Sichert hat Beispiele für die Wasservermarktung mitgebracht. Die teuerste Flasche trägt Swarowskisteine, birgt Quellwasser, ist mit einem echten Korken verschlossen und kostet schlappe 120 Euro. „Bing“o - man gönnt sich ja sonst nichts in New Yorker-Kreisen. Auch über die anderen Beispiele kann das Publikum nur staunen. Die älteste Flasche ist über 100 Jahre alt und aus Keramik.

Wie sie das Wasser schmecken kann, möchte Petra Lötschert wissen. Frau Sichert spricht über die Mineralienzusammensetzungen von Wasser, Mineralien sind mit nervalen Geschmacksebenen verbunden. Hoher Magnesiuminhalte stärkt die Nerven findet Lötschert aus einer der Wassertypen-Drehscheiben von Frau Sichert heraus. Frau Sichert erhält darauf von Windfried Sander eine Bachwasserkostprobe. Sie nimmt die Herausforderung an. Sie riecht Natur …

Vater der Bachpaten

Hier macht sich jemand verdammt viel Arbeit Bäche reinzuhalten. Der seit 1996 aktive Erdkundelehrer Sander brachte eine ganze Schule dazu, in vielen Bächen wieder okökologisches Gleichgewicht herzustellen. Dafür heimste er mit dem Erich Klausener Gymnasium in Adenau so manche Preise ein - vom Land Rheinlandpfalz den Bachpatenschafts- wie den Umweltpreis. Windried Sander selbst ist Fachberater für Umwelt- und Nachhaltigkeitserziehung und der Koordinator für Bachpatenschaften in Rheinlandpfalz. Der pensionierte Lehrer hat sogar Arbeitsgeräte für Bachpaten ins Schloß mitgebracht: Harken, Schlaghammer. Was Lötschert für einen Zyklopen-Zahnstocher hält, entpuppt sich als farbenfrohe Messlatte.

Winfried Sander hat einen Beamer dabei. Er zeigt dem Publikum wie Bachpaten arbeiten – sie Pflanzen Bäume im Auenbereich, entfernen den Boden von säuernden Fichten. Entnehmen Wasserproben. Der Vater der Bachpaten lehrt uns, dass Köcherfliegen ein Indiz für beste Bachqualität sind. Von daher wird ihr Lebensraum gehütet. Sander hat 2012 den Gewässerschutzpreis und 2014 die Verdienstmedaille des Landes Rheinlandpfalz erhalten. Er muss es wissen, was zu tun ist. Renaturierungen können Bachpaten nicht leisten, hier fehlen die finanziellen Mittel.

Mit Frau Dr. Schilling aus dem Vorstand des Verbandes deutscher Mineralbrunnenbesitzer hat eine gute Ansprechpartnerin für seine Erfahrungen vor Ort. Die Idee des Kultursalons ist es, Experten zu einem Thema an einen Tisch zu bringen. Hier schaut Petra Lötschert, ob und wie sie sich untereinander verbinden können. Das macht ihr Spaß!

Herrin der Flußtherme

Wellness in Thermalbädern hat den alten Kurbetrieb von Bad Ems abgelöst. Seit der Gesundheitsreform von 1997 gibt es kaum noch Verschreibungskuren, Wannenbadrezepturen. Jod-, Schwefel-, Fichtennadel- und Stangenbäder sind von den Angebotstafeln der Krankenkassen verschwunden. Die Emser Therme ist seit 2012 in Privathand - auf 6000qm arbeiten derzeit über 100 Angestellte 365 Tage im Jahre von 9-22 Uhr. Das Caracalla von Bad Ems verfügt über eine große Saunen- und Massagelandschaft. Deutschlands erste Flusssauna ist das Aushängeschild der Emser Therme, aber auch eine Garten-, Kräuter-, Panorama- und Klangsauna gehören dazu. Der kurzweilige Entspannungstrend hat die aufwendige Balneotherapie entlassen. Mit der „Robert-Kampe-Quelle“ ist die Emser Therme weiterhin bestens bedient – hier handelt es sich nicht um Trinkwasser, sondern um bestes Badewasser vor Ort. Der heißeste Sprudel von Bad Ems kommt aus 73m Tiefe. Die Wärme wird zur Erwärmung der Raumtemperatur und für die Wand- und Fußbodenheizungsrohre der Emser Therme genutzt – ganz nach römischem Vorbild. Die Heißquelle von 57 Grad spuckt täglich 400 Kubikliter Mineralwasser aus. Aus diesem Wasser werden ebenfalls die „Emser Pastillen“ hergestellt. In dieser gesunden, basischen Flüssigkeit auch noch baden zu können hat etwas.

Edithas Wasser-Spiel

Die Erde besteht zu 72% aus Wasser, doch nur 3% sind trinkbar. 2010 erklärte die UN Wasser zum Menschenrecht und trotzdem kauft ein Konzern Wassernutzungsrechte beispielsweise in Algerien, Pakistan ein, ummauert, umzäunt und bewacht mit Waffen diese Betriebe, um in Flaschen abgepacktes Wasser teuer verkaufen zu können. Trend ist: der Aktienmarkt setzt auf Wasser – 14 % Verzinsung. Wo führt das hin? Eine von 8 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, darunter 425 Millionen Kinder, von denen schätzungsweise 1,5 Millionen pro Jahr sterben, weil ihr Wasser verschmutzt ist. Auch Eisbären sterben vermehrt. Was ist los? Zu diesem kritischen Wasserkulturaspekt passt das Spiel „Wasser-Würfel-Welt“ von Künstlerin Editha Pröbstle mit dem sich Soroptimist Koblenz engagiert. Das Lernspiel soll mit seinem Erlös den Kindern in Afrika helfen an gesundes Wasser heranzukommen. Es wird für Brunnenentwicklung und nachhaltige Wasserpflege afrikanischer Schulen zur Verfügung gestellt und über die Soroptimist International vertrieben. Das Wissen um Wasser wird in diesem Bildungsspiel spielerisch und gewissenhaft erlernt: „… Deine Region zeigt einen Wasserhärtegrad zwischen 8 bis 10. Richtig, Du verwendest den Zusatz von Aktivkohle im Filter, damit das Wasser auch entkalkt wird“. Editha geht mit Mensch und Wassernutzung nachhaltig um. Nichts wird verschwendet. Selbst der tropfende Wasserhahn wird vorbildlich genutzt, in dem man die Tropfen per Behälter auffängt und das Nass für andere Dinge nutzt. Bis 2035 soll der weltweite Wasserverbrauch um weitere 40% ansteigen. Auf einer der Spielkarten steht: „Die Kriege der Zukunft werden wahrscheinlich um Wasser geführt. Hoffentlich musst Du das nicht erleben“ …

Zu einem aufschlussreichen Diskurs hatte Moderatorin Petra Lötschert hochkarätige Wasserexperten eingeladen.

Zu einem aufschlussreichen Diskurs hatte Moderatorin Petra Lötschert hochkarätige Wasserexperten eingeladen.

(V.l.) Andrea Meurer-Wiedmayer, Editha Pröbstle, Petra Lötschert, Dr. Judith Schilling, Soledad Sichert und Windfried Sander. Fotos: U. Stanzlawski

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