Politik | 22.01.2019

Birgit Hoernchen und Torsten Schupp sind nicht mehr auf der FDP-Kandidatenliste

Langjährige Ratsmitglieder nicht mehr aufgestellt

Koblenzer FDP-Vorsitzender beklagt Zusammenarbeit – Fraktion kritisiert Absprachen

Seit vielen Jahren sind Torsten Schupp und Birgit Hörnchen für die FDP im Koblenzer Stadtrat, nun stehen sie nicht mehr auf der Liste.Torsten Schupp

Koblenz. Eklat beim FDP-Kreisverband Koblenz: Die beiden langjährigen Stadtratsmitglieder Torsten Schupp und Birgit Hoernchen wurden abserviert. Denn sie sind für die Kommunalwahl am 26. Mai nicht mehr auf der FDP-Kandidatenliste. Hörnchen und Schupp werden deshalb wohl in der nächsten Legislaturperiode für die FDP nicht mehr im Koblenzer Stadtrat sein.

Rückhalt verloren

„Die beiden haben seit Jahren wenig Rückhalt bei den FDP-Mitgliedern, aus den verschiedensten Gründen heraus“, teilt dazu der neue FDP-Kreisvorsitzende Sven Schillings mit und weiter: „Es gibt auch kein angeborenes Grundrecht auf Platz 1, sondern man muss sich immer wieder dem Votum der Mitglieder neu stellen.“

Dieses Votum bestand laut Torsten Schupp am 7. Januar aus 32 FDP-Mitgliedern, von denen 18 Dr. Friedhelm Pieper, er ist auch stellvertretender Kreisvorsitzender, wählten. 12 Stimmen (2 Enthaltungen) bekam Torsten Schupp: „Die Mitglieder waren vom Vorstand geimpft, denn man will mich einfach nicht mehr“, mutmaßt das Ratsmitglied, das wie Birgit Hoernchen auch, noch bis zur konstituierenden Sitzung für die FDP in dem Gremium bleibt.

„Im Vorfeld der sehr gut besuchten Mitgliederversammlung habe ich persönlich Gespräche mit Torsten Schupp gesucht und geführt, um ein gemeinsames Vorgehen auszuloten“, schreibt Sven Schillings.

Schupp kontert: „Da war nichts auszuloten. Denn schon am 8. August hatten angehende Mitglieder des neuen Vorstands beschlossen, dass man den Vorsitzenden David Hennchen auf Listenplatz 1 wählt.“ Denn in der Gesprächsnotiz von Vorstands- und Mitgliedern (insgesamt 7) heißt es: „Um dies gegenüber der bisherigen Fraktion besser begründen zu können, wird David Hennchen zunächst bei dem kommenden Kreisparteitag weiterhin als 1. Vorsitzender gewählt, um dann, wenn er im Stadtrat ist, den Vorsitz an Sven Schillings abzugeben.“ Da einige Mitglieder damit nicht einverstanden waren, wurde der Plan geändert, indem man Sven Schillings zum Kreisvorsitzenden wählte und David Hennchen sollte Spitzenkandidat werden.

Torsten Schupp glaubt, dass man davon abrückte, weil David Hennchen in der Bevölkerung nicht ausreichend bekannt wäre. Da aber Dr. Friedrich Pieper, er wird am 17. Februar 80 Jahre alt und war 41 Jahre bei der IHK Koblenz sowie u.a. beim Altherrencorps und im Seniorenbeirat – aus Altersgründen wollte er hier nicht mehr mitmachen – und Institutionen wirkte, kam er auf den Spitzenplatz.

Zu der Kandidatenwahl Anfang Januar erläuterte Torsten Schupp: „Obwohl ich im Dezember gesagt habe, dass Birgit Hoernchen und ich weiter im Stadtrat für die Bürger arbeiten wollen, nannte der Vorsitzende unsere Namen nicht. Als ich mich um Platz 2 bewarb, wollte Birgit Hoernchen nicht gegen mich kandidieren. David Hennchen bekam 21 und ich 9 Stimmen.

Nach dem Ergebnis zur Wahl um Platz zwei wurde mir deutlich, dass der Vorstand im Vorfeld seine Arbeit gemacht hatte und ich auch auf Platz drei keine Mehrheit bekommen hätte. Ich wollte einfach nicht weiter nach hinten durchgereicht werden und habe deshalb die Handbremse gezogen und habe die Versammlung verlassen. Dass auch Platz drei für mich vom Vorstand nicht vorgesehen war, erkennt man an der Tatsache, dass vor der Versammlung Michael Bordelle von einem Vorstandsmitglied angesprochen wurde mit der Bitte, auf Platz drei zu kandidieren.“

Das sieht Sven Schillings völlig anders: „Wäre Torsten Schupp im 3. Durchgang angetreten, hätte er sich vermutlich durchsetzen können. Es kann also nicht im Entferntesten davon gesprochen werden, dass Herr Schupp kaltgestellt worden sei. Er hat sich höchstens selbst kaltgestellt.“

„Vorsitzender Schillings trug fünf Namen vor, die der Vorstand sich für die Plätze 1 bis 5 ausgedacht hatte, es fehlten Hoernchen und Schupp“, monierte die Ratsfrau, zieht aber noch einen anderen Schluss: „Spitzenkandidat Pieper berichtete am Rande der Mitgliederversammlung, man habe Hennchen gedrängt, nicht mehr zur Wiederwahl als Vorsitzender der Kreispartei anzutreten und ihm dafür einen vorderen Platz auf der Kommunalwahlliste versprochen. Der Mann, der es nicht schaffte, die Kreispartei mit der Stadtratsfraktion Mertin-Schupp-Hoernchen zu vereinen, will nun selbst in den Stadtrat.“

Sven Schillings betont: „Der Wunsch des Vorstandes war ein gemischtes Team aus bisherigen und neuen frischen Gesichtern für die Partei zu entwickeln. Dieses sollte insbesondere auch breiter aufgestellt sein, damit größere Kreise der Mitglieder sich wieder besser im Stadtrat vertreten fühlen.“

Torsten Schupp ist überzeugt, dass die Vorstandsmeinung oft konträr zum Abstimmverhalten der FDP-Stadtratsfraktion steht. So beispielsweise beim Burkiniverbot, das die liberale Ratsfraktion ablehnte, der Kreisvorstand hätte dem Verbot wohl zugestimmt. In Artikel 38 des Grundgesetztes steht, Abgeordnete sind: „...an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.“ Und darauf beruft sich Torsten Schupp, der 2017 für die FDP bei der Koblenzer Oberbürgermeisterwahl 8047 Stimmen (13,3 Prozent) erhielt.

Birgit Hoernchen prophezeit: „Durch diese vom Koblenzer Kreis gestützten Listenaufstellung wird die FDP viele Personenstimmen verlieren. Und auch zahlreiche Liberale werden sich überlegen, ein solches Vorgehen mit einem Kreuz bei der Listenstimme zu unterstützen.“

Was Hoernchen und Schupp jetzt machen wollen sie noch nicht verraten, Ziel sei aber weiterhin im Stadtrat zu sein. HEP

Seit vielen Jahren sind Torsten Schupp und Birgit Hörnchen für die FDP im Koblenzer Stadtrat, nun stehen sie nicht mehr auf der Liste.Foto: Torsten Schupp

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Kommentare
23.01.201913:14 Uhr
juergen mueller

Nachtigall - ick hör dir trapsen.
die FBG bekommt wieder ungeahnten Zuwachs?
Es soll ja Parteien geben die sich selbst eine personelle Diät verpassen (was auch der CDU/SPD guttun würde), die offensichtlich lieber an ihren "Altertümchen" festhalten möchte,die an ihrem Ratsstuhl kleben,bis man sie von dort forttragen muss.Auch einer Partei tut es nicht immer gut,wenn sie auf altbewährtes und damit eingefahrenes setzt. Wer nun einmal sein Alter erreicht hat, wo er loslassen sollte,anstatt für eine Verjüngung den Platz frei zu machen, der hat m.E. auch in der Politik nichts zu suchen, auch wenn ihm ausser seiner Geltungs- u.Profilierungssucht keine weiteren "Hobby`s" zur Verfügung stehen.

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