Allgemeine Berichte | 03.03.2015

Konsumkritischer Stadtrundgang durch Koblenz

„Mit meinem Konsum die Welt beeinflussen“

Stadtrundgängern werden Handlungsalternativen aufgezeigt

An Station eins ging es gegenüber eines Discounters um den eigenen Konsum von Lebensmitteln und wie er sich global auswirken kann. privat

Koblenz. Was das eigene Smartphone mit dem Bürgerkrieg im Kongo zu tun hat, weshalb der „Veggie-Day“ der Grünen ein alter Hut ist und warum Bio nicht gleichbedeutend mit ökologisch sein muss: All das konnten rund 30 interessierte Teilnehmer des konsumkritischen Stadtrundgangs Koblenz erfahren. Auf Einladung des Schwerpunkts Schöpfung im Bistum Trier und mehrerer Kooperationspartner ging es ausgehend vom Zentralplatz in Koblenz zu vier Stationen, die die Auswirkungen des eigenen Konsumverhaltens auf globaler Ebene deutlich machten.

Konsumverhalten hat Auswirkungen auf globaler Ebene

„Wir wollen heute zeigen, wie relevant jede einzelne unserer Einkaufsentscheidung ist - und zwar auf ökonomischer, ökologischer und sozialer Ebene“, begrüßte Barbara Schartz vom Bistum Trier die Gruppe.

An Station eins beleuchtete sie das Thema „Ernährung und Regionalität“. Im Alltag könne man sicher nicht jedes Produkt hinterfragen, jedoch könne man vieles richtig machen unter den Stichworten „regional“, „saisonal“ und „fair“.

Es lohne sich zu wissen, welches Gemüse gerade Saison hat und damit aus der Region stammt und nicht um die halbe Welt transportiert werden muss. Auch gebe es in Koblenz ein Netzwerk von Geschäften, in denen man mit der Regiomark bezahlen könne, erklärte Walter Grambusch vom Regioverein. Unter dem ständigen Preisdruck der Discounter und der immer billiger werdenden Lebensmittel gingen viele lokale Geschäfte kaputt. „Wir sollten einfach bereit sein, für ein Produkt einen gerechten Preis zu zahlen. Wir wollen für unsere Arbeit schließlich auch einen gerechten Lohn erhalten.“

Bio-Lebensmittel zu kaufen sei ebenfalls ein Statement an die Produzenten, sagte Schartz. „Ich zeige damit: Mir ist nicht der Preis am wichtigsten, sondern die Produktionsweise.“

Bio muss nicht biologisch sein

Bio heiße aber nicht immer ökologisch. So könne ein aus Afrika importiertes Bioprodukt durch den langen Transport eine schlechte Ökobilanz haben. Die globalen Verflechtungen der eigenen Ernährung verdeutlichte Schartz am Beispiel des Fleischkonsums. Auf den Tellern der Deutschen lande sehr oft Fleisch: 58 Millionen Schweine, 630 Millionen Hühner und 3,2 Millionen Rinder werden jährlich in Deutschland geschlachtet. Es gehe nicht darum, einen Fleischverzicht zu propagieren, sondern vielleicht etwas weniger und dafür hochwertiges Fleisch, zum Beispiel vom lokalen Metzger, zu kaufen. Die Idee eines „Veggie-Day“ sei indessen für die Kirche ein alter Hut: Hier sei traditionell der Freitag Tag des Fleischverzichts.

„Wir sollten dahin kommen, den guten alten Sonntagsbraten wieder mehr wertzuschätzen“, so Schartz. Immerhin würden für ein Kilo Rindfleisch 15.000 Liter Wasser benötigt. Zwei Drittel aller Nahrungsmittel auf der Welt werden an Tiere verfüttert, obwohl weltweit Menschen hungern müssen.

An Station zwei erfuhren die Stadtrundgänger von Eva Aderjan vom BUND Koblenz, was das eigene Smartphone mit dem Bürgerkrieg im Kongo zu tun haben kann. In dem afrikanischen Land wird der Rohstoff Coltan abgebaut, der in Handys, Laptops oder PCs verbaut wird. Viele Produzenten kaufen den knappen Rohstoff auch von dubiosen Quellen, die so ihren Krieg vor Ort finanzieren. Auch schädige der Rohstoffabbau für die verarbeiteten Materialien die Umwelt – Giftstoffe schwemmen die Metalle aus, es fällt giftiger Abraum an. Alternativ könne der Verbraucher sein Handy länger nutzen, es vielleicht reparieren lassen oder auf das „Fairphone“ umsteigen.

Einblicke in den Fairen Handel

Während an Station drei im Weltladen Koblenz Susanne Schwandt einen Einblick in den fairen Handel am Beispiel Kakao und Schokolade gab, konnten die Stadtrundgänger an Station vier die Themen Energieverbrauch und Mobilität unter die Lupe nehmen. Für Studentin Anne Ruppert, 23, hat sich der Stadtrundgang gelohnt, sagt sie. „Ich finde, das ist eine prima Sache, um bewusster auf den eigenen Konsum zu schauen und neue Ideen zu bekommen, worauf man achten kann.“

Kooperationspartner des Stadtrundgangs sind der Weltladen Koblenz, das Umweltnetzwerk Kirche Rhein-Mosel, BUND Koblenz, Ökumenisches Netz Rhein-Mosel-Saar, Themenschwerpunkt Schöpfung der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Trier.

An Station eins ging es gegenüber eines Discounters um den eigenen Konsum von Lebensmitteln und wie er sich global auswirken kann. Foto: privat

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