Allgemeine Berichte | 16.12.2013, 11:55 Uhr

Diplom-Restauratorin Katrin Etringer war den Geheimnissen der Pieta auf der Spur

Neue Entdeckungen an der Skulptur aus Mendig

Diplom-Restauratorin Katrin Etringer und Daniel Gaasch haben die einzelnen Fassungen (Farbanstriche) genauestens nachgezeichnet. US
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Koblenz/Mendig. Die Pietà, auch Vesperbild genannt, ist in der bildenden Kunst die Darstellung Marias als Mater Dolorosa (Schmerzensmutter) mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus. Im Gegensatz zur Beweinung Christi liegt der Leichnam Jesu immer auf Marias Knien. Und genau solch eine interessante Skulptur hat jetzt Diplom-Restauratorin Katrin Etringer aus Koblenz-Bubenheim zur genaueren Untersuchung in ihr Restaurierungs-Atelier bekommen.

Die Skulptur stammt aus einer Basaltstein-Kapelle aus Mendig an der Ecke Pellenzstraße. Die Kapellennachbarschaft unter der Leitung von Fred Geilen war an einer Untersuchung und Restaurierung der Pietà interessiert. Gesagt, getan und so machten sich jetzt Katrin Etringer zusammen mit Daniel Gaasch, bewaffnet mit Skalpell und einem Operationsmikroskop zwei Wochen lang an das gute Stück.

Eine fast unglaubliche Geschichte

Immerhin handelt es sich um eine ganz besondere Holzskulptur, denn diese gotische Pietà umrankt eine fast unglaubliche Geschichte aus der Zeit des 30-jährigen Krieges (1618 - 1648). In dieser Zeit soll ein schwedischer Soldat auf die farbige gefasste Skulptur geschossen haben. Er hat dabei die Muttergottes an der rechten Schläfe getroffen und auch den linken Unterarm Jesu. Der Legende nach ist die Kugel zurück geprallt und traf den Schänder selbst mitten ins Herz. Aus Dankbarkeit ließ die Nachbarschaft über der Pietà eine Kapelle errichten.

Zahn der Zeit hat Spuren hinterlassen

Doch der Zahn der Zeit hat deutliche Spuren an dem mittelalterlichen Kunstwerk hinterlassen. Die Farbe ist stark am Blättern, der Holzwurm hat genagt und der Kerzenruß hat die einstige Farbenpracht der Gewänder geschwärzt. Nun konnte aber ein Restaurierungskonzept erstellt werden und es bleibt abzuwarten, wie die Nachbarschaft sich entscheidet. Die Skulptur müsste gereinigt, gefestigt und konserviert werden. Teilweise würde wieder Blattgold aufgetragen werden. Auch sind Retuschierungen nötig, bis die Pietà dann wieder zu Fronleichnam 2014 zum Einsatz kommen kann. Denn die ganzen Restaurierungen werden doch einige Monate in Anspruch nehmen. Die Restauratorin konnte so mindestens drei Fassungen (Farbanstrich) ausmachen und in den 50er oder 60er Jahren wurde die Skulptur, vermutlich aus Nussbaum schon einmal restauriert. Diese Farbgebungen hat man im Atelier sorgfältig nachgezeichnet. Weiter wurde hier die Entstehung auf die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts datiert. Also ist diese Skulptur etwa in den Jahren zwischen 1550 und 1600 geschnitzt worden.

Kulturgut von großer religiöser und historischer Bedeutung

Und die spannendsten Erkenntnisse erzählte Katrin Etringer dem Blick-aktuell Reporter Udo Stanzlawski dann zum Schluss des Interviews. Bei ihrer Untersuchung hat sie sieben schmiedeeiserne Nägel gefunden, die in verschiedene Bereiche der Skulptur eingeschlagen wurden. Diese Nägel müssten auf jeden Fall aus der Barockzeit stammen, so die Restauratorin. Besonders auffällig die zwei Nägel im Kopf, hier sind sie gut sichtbar. So könnten die Ergebnisse durchaus auf eine wahre Begebenheit der Geschichte des Soldaten hinweisen. Insgesamt darf man feststellen, es handelt sich hierbei um ein Kulturgut von großer religiöser und historischer Bedeutung für Mendig, denn viele dieser Figuren gibt es aus der Zeit nicht mehr. Das Restaurierungs-Atelier würde sich freuen hier wieder Licht und Farbe auf die Pietà bringen zu dürfen und dann kann sie wieder viele Hundert Jahre in der Kapelle erstrahlen.

Katrin Etringer hatte sichtlich viel Freude an der Untersuchung der Skulptur und konnte Neues verkünden.

Katrin Etringer hatte sichtlich viel Freude an der Untersuchung der Skulptur und konnte Neues verkünden.

Diplom-Restauratorin Katrin Etringer und Daniel Gaasch haben die einzelnen Fassungen (Farbanstriche) genauestens nachgezeichnet. Fotos: US

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