Jüdisches Leben Dialog
Petra Kunik spricht in Koblenz über jüdisches Leben und Dialogförderung
aus Koblenz
Koblenz. Wie lebte und lebt es sich als Jüdin in Deutschland? Dieser Frage ging Petra Kunik im Rahmen des katholischen Forums in Koblenz am 7. September nach. Dabei schaute die 81-jährige Frankfurterin mit Witz und Charme vor mehr als 50 Interessierten im Klangraum des Bischöflichen Cusanus-Gymnasiums auf ein bewegtes Leben zurück, das sie dem religiösen Dialog und der Emanzipation von Jüdinnen gewidmet hat.
Nur einen Tag nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD als stärkste Kraft hervorging, hatte die Veranstaltung eine verstärkte Aktualität erlangt. Pastoralreferentin Ulrike Kramer-Lautemann, die im Namen der Organisatoren die Anwesenden begrüßte, betonte, dass gerade jetzt ein engagierter Einsatz für Demokratie, Austausch und Verständigung von Nöten ist – so wie es die Referentin seit Jahrzehnten couragiert vorlebe. „Sie ist eine Aktivistin des Dialogs“, bestätigte Dr. Paul Petzel, Vorstandsmitglied der Christlich-Jüdischen Gesellschaft Koblenz e.V., Kooperationspartner des Abends.
Ihr Einsatz für den christlich-jüdischen Dialog habe eigentlich schon in der Grundschule begonnen, blickte die gelernte Schauspielerin und Autorin lachend in die Vergangenheit: „Zum Laubhüttenfest lud ich Schulkameradinnen ein.“ Sie sei die einzige Jüdin und Ausländerin in der Klasse gewesen.
„Ich war immer in jüdischen Gemeinden engagiert“, betonte Kunik. Dies habe sie von ihrer Mutter abgeschaut, die die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit mitbegründet hatte. Da eine Kinderbetreuung damals noch nicht so gängig war, „schleppte die mich überall mit hin. Mit zehn Jahren fing ich dann an mitzudiskutieren“, erinnert sich die heutige Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Kunik wurde Teil einer emanzipatorischen Bewegung. „Meine erwachsenen Töchter und jugendlichen Enkeltöchter kann ich schwer in einer Tradition halten, die Frauen und Männer nicht gleichberechtigt behandelt“, erläuterte sie ihre Motivation die bis dato angestammte Rolle der Frau zu hinterfragen und diese aktiv zu verändern. Um dies mit Fachwissen zu tun, hatte sie sich weitergebildet, „das hat mich in meiner jüdischen Identität gestärkt.“ So wurde sie zur Mitbegründerin der Egalitären Minjan, eine liberale Strömung neben dem orthodoxen Judentum, in der die Frauen bei den Gottesdiensten zusammen mit den Männern sitzen. Daneben liegt ihr Schwerpunkt im interreligiösen Dialog. Sie ist nicht nur in Klassenzimmern als Referentin unterwegs, auch auf Kirchentagen und bringt sich auf (kirchen-)politischer Ebene ein, wie als Mitglied im Gesprächskreis Juden und Christen im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. „Wir machen die Arbeit, um uns kennenzulernen und Vorurteile zur Seite zu schieben.“ Seit dem 11. September sei auch der Austausch mit Muslimen hinzugekommen.
„Bleiben Sie im Dialog“, lautete die abschließende eindringliche Bitte von Kunik.
Unterstützt wurde diese Ausgabe des katholischen Forums von der Stadt Koblenz und dem Bundesprogramm „Demokratie leben“.
Veranstalter des katholischen Forums sind: Bischöfliches Cusanus-Gymnasium, Katholische Erwachsenenbildung, Pastoraler Raum Koblenz, Universität Koblenz, Institut für Katholische Theologie und Vinzenz Pallotti University Vallendar.
Die nächste Veranstaltung im Rahmen des katholischen Forums findet statt am Montag, 28. September um 19 Uhr ebenfalls im Klangraum des Bischöflichen Cusanus-Gymnasiums (Zugang über Südallee, neben dem Parkhaus) in Koblenz. Die Oberzeller Franziskanerin und designierte Vorständin des Deutschen Caritasverbandes Schwester Dr. Katharina Ganz spricht über Franz von Assisi, über persönliche Erfahrungen auf dem Franziskusweg und wie sie aus der franziskanischen Spiritualität ihr eigenes Leben gestaltet. Weitere Informationen gibt es beim Pastoralen Raum Koblenz telefonisch unter Tel.: 0261-96355817 oder per E-Mail an koblenz@bistum-trier.de. (jf)
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Petra Kunik Foto: Julia Fröder / Bistum Trier