Allgemeine Berichte | 03.05.2013

Koblenzer Jugendtheater

Viel Emotion bei „Frühlings Erwachen“

Tosender Applaus gab es für das junge Schauspielerensemble, das Pubertierende vor 100 Jahren spielt

Aus dem Käfig, den die Eltern-Generation strickt, wollen die Jugendlichen unbedingt ausbrechen.RW

Koblenz. Tosender Applaus brandet nach gut 240 Theater-Minuten in der Kulturfabrik auf. Das Koblenzer Jugendtheater hat sich diesen für eine über zweistündige, emotionale Darbietung des Rock-Musicals „Frühlings Erwachen“, basierend auf einem Drama Frank Wedekinds aus dem Jahr 1891, auch redlich verdient. Frühling und die Zeit des Erwachsenwerdens stehen beide für Heranreifen, aufkeimendes Leben und Aufblühen. Das alles verspüren nicht nur die Jugendlichen von heute, in der gleichen Gefühlswelt befanden sich die jungen Leute auch schon vor über 100 Jahren - die Zeit, in der Wedekinds Drama spielt. Die Hauptfiguren Melchior Gabor (Christian Blex), Wendla Bergmann (Lena Fuhrmann) und Moritz Stiefel (Markus Baulig) und ihre Freunde Hänschen Rilow (Maxime Mourot), der genauso wie Ernst Röbel (Paul Mannebach) seine Homosexualität entdeckt, Georg Zierschnitz (Jona Breitbach), Otto Lämmermeier (Bernhard Plechinger), Ilse Neumann (Kim Heinen), Martha Bessel (Katharina Hellbach), Thea (Lara Kuntz) und Anna (Isabelle Klein) erleben im Pubertätsalter allesamt diese extremen Gefühlswelten. Aber die ersehnte Erfüllung der eigenen Hoffnungen, Träume, Gefühle und Wünsche wird jäh gestoppt durch den Gegenpol - die Eltern-Generation mit Vater, Mutter, Lehrer. Claudia Felke und Andre Wittlich spielen diese grotesken Personen, die mit ihrer bürgerlichen Sexualmoral und repressiven

Erziehungsmethoden die Jugendlichen ins Elend treiben. Anfangs teilweise durchaus noch aufgelockert und mit heiteren Momenten, wird das Stück stetig trauriger. Spätestens als Martha ihren Freundinnen gesteht, vom Vater geschlagen zu werden, beginnt das Publikum mitzuleiden und kommt da bis Ende kaum noch heraus. Hoffnung, Wünsche und Träume werden immer mehr von Verzweiflung, Ratlosigkeit und nicht erfüllter Sehnsucht überdeckt. Die elterliche Erziehung, die die Kinder beim Streben nach Freiheit und Eigenständigkeit in einen engen Käfig sperrt, führt soweit, dass Moritz Stiefel Selbstmord begeht. Die 14-jährige Wendla Bergmann kommt bei den Folgen einer Kindesabtreibung ums Leben. Ihre Schwangerschaft kann sie durch die fehlende Aufklärung nicht begreifen, weil sie doch noch nicht einmal verheiratet gewesen sei. Der Vater des abgetriebenen Kindes, Melchior Gabor, ist schließlich ebenfalls kurz davor den Freitod zu wählen. Doch eine Hoffnung hält ihn davon ab. Es ist die Hoffnung, dass noch ein Wunder geschieht, nach dem so beschwerlichen Frühling des Heranwachsens ein Sommer folgt, in dem alles anders wird. Thea stellt schon ganz früh heraus: „Unsere Kinder sollen später einmal frei, groß und stark werden.“ Auch wenn sie nicht weiß, wie sie das anstellen soll, weil ihr diese Art der Erziehung schlichtweg fremd war.

Die Zuseher bekommen ganz viel Emotion, hervorragendes, authentisches Schauspiel, bei dem die Darsteller die Pubertätsjahre in den zeitlichen Rahmen der Vergangenheit transportieren, und emotionale, musikalische Einlagen, in denen die jungen Leute tiefe Einblicke in ihre Gefühlswelten offenbaren, serviert. Cynthia Thurat führt bei „Frühlings Erwachen - das Rock-Musical“ Regie, Sascha Stead und Cynthia Grose sind für die tänzerischen beziehungsweise gesanglichen Choreografien verantwortlich, Christian Binz für die Ausstattung, Holger Kappus leitet die begleitende Band.

Nachdem Moritz Stiefel (Markus Baulig, r.) Selbstmord begangen hat, will auch Melchior Gabor (Christian Blex) aus dem Leben scheiden.

Nachdem Moritz Stiefel (Markus Baulig, r.) Selbstmord begangen hat, will auch Melchior Gabor (Christian Blex) aus dem Leben scheiden.

Aus dem Käfig, den die Eltern-Generation strickt, wollen die Jugendlichen unbedingt ausbrechen.Fotos: RW

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