Wolli Klein - Eine Legende im MGV Linz
55 Jahre im Männergesangverein
aus Linz am Rhein
Linz. Schaut man sich heute im TV ein sportliches Großereignis an, kommt mit dem Reporter eine sogenannte Legende zu Wort, die in der aktiven Zeit zu Ruhm gelangte oder sich besondere Verdienste erworben hat. Legenden gibt es aber nicht nur auf der ganz großen Bühne, sondern auch vor Ort. Beim Männergesangverein Linz ist Wolli Klein ein solches Urgestein. In diesen Tagen wird seine 55-jährige Mitgliedschaft gefeiert.
Die musikalische Reise im MGV begann er mit seinen Sangesbrüdern Wibbel Wipperfürth und Bailey Stieldorf im Alter von erst 23 Jahren. Der Eintritt in diesen honorigen, aber damals etwas angestaubten Altherrenclub benötigte schon eine besondere Motivation, zumal auch der Karneval eine wichtige Rolle spielte. Seitdem nahm Wolli an unzähligen Konzerten teil, berührte mit seinen Soli die Herzen von Zuhörerinnen und Zuhörern und inspirierte eine Vielzahl von Sängern.
Einfluss zu nehmen auf das Chorprogramm und neue Lieder einzubringen war anfangs gar unmöglich oder nur mit sehr viel Geduld machbar. Aber mit längerer Zugehörigkeit gelang es Wolli, Einfluss auf das Repertoire zu nehmen. Wenn seine heißgeliebten Stücke aus dem Kölner Liedgut etwas zu kurz kommen, zeigt er den Verantwortlichen auch schon einmal die „gelb-rote Karte“. Ansonsten ist er meistens allem Neuen zugeneigt, und gewinnen auch rockige Songs in englischer Sprache seine Zuneigung.
Legenden leben bekanntlich auch nach Ritualen. So findet seine Teilnahme an den wöchentlichen Proben nur in besonderen Ausnahmefällen nicht statt. Mehr als 2000 werden wohl seit dem Eintritt zusammengekommen sein. Der Mittwochabend gehört für ihn dem MGV. Um die Stimmbänder für das Singen vorzubereiten, betritt Wolli schon sehr früh das Sängerheim und genehmigt sich an seinem Stammplatz an der Hausbar einen Schoppen Weißwein, wobei auch viele Neuigkeiten ausgetauscht werden. Von seinem Mittelplatz im 2. Tenor kann er dann später auch die gesamte Szenerie perfekt überblicken und oft zur großen Erheiterung seiner Mitsänger Kommentare abgeben. Zur Tradition geworden ist auch die Leitung der Mundtrompeter beim musikalischen Hoch.
Wolli hat außerdem viele Veranstaltungen angestoßen, die das Gemeinschaftsleben bereichert haben. Seine unermüdliche Leidenschaft für die Chormusik und sein Engagement für den Gesangverein in Linz haben ihn zu einer Legende in der lokalen und überregionalen Chorszene gemacht. An seinem Beispiel zeigt sich auch die enge Verbundenheit zwischen dem MGV und den Karnevalscorps in der Stadt. Im Jahr des 155-jährigen Bestehens des Gesangvereins übernahm er als „Prinz Wolli I. von Sang und Klang“ die Regentschaft über die Linzer Narren.
Damit die „Kleinsche Dynastie“ im MGV weiter verwurzelt bleibt, ist Sohn Stefan schon vor einiger Zeit eingetreten. Auch in den kommenden Jahren plant er, aktiv zu bleiben und seine Freude für die Chormusik weiterzugeben. „Musik ist eine universelle Sprache, die Menschen verbindet. Ich freue mich darauf, noch lange mit meinen Sangesbrüdern zu singen und die Gemeinschaft durch Musik zu stärken“, so der Jubilar.
Zur Feier dieses seltenen Jubiläums wählte der MGV mit der Donatus-Kapelle und seiner einmaligen Akustik auf dem Kaiserberg eine besondere Location aus. Ehemalige und aktive Mitglieder des Chors waren eingeladen, diesen besonderen Anlass mit Wolli zu feiern. Das Programm umfasste eine Auswahl seiner Lieblingsstücke sowie einige Überraschungen.