Die Alice Salomon Schule in Linz eröffnet die Wanderausstellung der Anne-Frank-Gesellschaft
" Peer Guides" geleiten durch die Ausstellung
Die Ausstellung ist noch bis zum 27. November zu sehen
Linz. Hochbetrieb herrschte in der Alice-Salomon-Schule (ASS) am Linzer Gestade. Eingeladen hatte diese um Schulleiter Axel Lischewski zur Eröffnung der Anne-Frank-Wanderausstellung, in deren Verlauf auch das Projekt der "Peer Guides" vorgestellt wurde:
Begleiter für die Besucher
25 Schüler wurden als "Peer Guides" ausgebildet. Während der Ausstellung im Kulturraum der Schule begleiten sie die Besucher an den zahlreichen Stationen, um die jeweiligen Aspekte zu erläutern. „Wir haben natürlich im Unterricht vorher das Thema Nationalsozialismus und Judenverfolgung behandelt. Da ich großes Interesse an Geschichte habe, war für mich sofort klar, dass ich auch an dem Seminar teilnehme, um mich als Peer Guide ausbilden zu lassen“, erklärte Robin. Geschult wurden die „Ausstellungsbegleiter“ in dem von den Lehrerinnen Anne Fink und Ulrike Hess des Anne Frank-Zentrums Berlin geleiteten Projekts. Das Anne Frank-Zentrum Berlin hat auch die Wanderausstellung auf Reisen durch Deutschland geschickt. „Das war für die Schüler eine andersartige Auseinandersetzung mit der Geschichte“, erklärte Axel Lischewski vor der Eröffnungsfeier. Am Ende der Ausstellung erwarte die Linzer Peer Guides dann noch ein Feedbackseminar mit den beiden Moderatorinnen, denen sie berichten, wie die Ausstellungsbegleitung gelaufen ist. Außerdem erhalten die Schüler je ein Zertifikat von der Schule für ihr Abgangszeugnis sowie vom Anne Frank Zentrum.
Musikalische Untermalung
Axel Lischewski freute sich über das enorm große Interesse an der Wanderausstellung wie auch an dem neuem Projekt der Schule. Nach dem Jazz-Vortrag seines Kollegen Friedemann Scheffler, der „Stormy Weather“ auf der Posaune spielte, begrüßte der Schulleiter zunächst den Ehrengast, den ehemaligen deutschen Botschafter in Israel, Rudolf Dreßler. Namentlich willkommen heißen konnte er zudem Walter Ellermeyer vom Mainzer Bildungsministerium, Landrat Rainer Kaul sowie VG-Chef Hans-Günter Fischer, Stadtbürgermeister Hans Georg Faust und den 2. Vorsitzende des Deutsch-Israelischen Freundeskreises Linz, Bruno Hoppen. Sein Dank galt dem Ministerium, dem Bistum Trier und der Evangelischen Kirche im Rheinland, der jüdischen Gemeinde sowie den Banken. „Unsere Schule ist immer mehr mit der Stadt und der VG vernetzt, was etwa durch das Engagement des Seniorenbeirates unterstrichen wird, der die Überwachung der Wanderausstellung übernommen hat, die wir neben dem normalen Schulbetrieb gar nicht stemmen könnten“, hob der ASS-Leiter hervor.
"Schule mit 1.000 Lehrern"
Die Peer Guides passen zu den schulischen Qualitätsstandards wie das Peer Education-Konzept, in dem Lernende als Tutoren auftreten. „Ich spreche in diesem Zusammenhang immer gerne von einer Schule mit 1.000 Lehrern. Denn jeder unserer Schüler zeichnet sich durch eigene Fähigkeiten und Potenziale aus, die er an seine Mitschüler weitergeben kann“, so Axel Lischewski. Dann überließ die junge Moderatorin Svenja Heck den ASS-Lehrern Hilmar Berent und Ansgar Cordie die Gestaltung der Eröffnungsfeier, die jiddische Volkslieder zur Gitarre vortrugen. „Niemand wird den 9. November 1989 mit dem 9. November 1938 vergleichen wollen, das Datum des Pogroms gegen das eigene Volk, des Massenmords an Staatsbürgern“, begann Rudolf Dressler seine Rede. „Erinnern, mahnen, vermitteln und versöhnen, nur mit diesen vier Aspekten ist ein menschliches Miteinander denkbar." Anne Franks, im Versteck geschriebenes Tagebuch, erzähle die Lebensgeschichte des in Frankfurt am Main geborenen jüdischen Mädchens, das mit seiner Familie in die Niederlande auswanderte und kurz vor Kriegsende dem nationalsozialistischen Holocaust zum Opfer fiel. Das von ihrem Vater Otto Frank, der den Holocaust überlebt hat, veröffentlichte Tagebuch, halte als Werk der Weltliteratur die Erinnerung an die barbarische Vergehen des Nationalsozialismus wach und verhindere eindrucksvoll jegliche Rehabilitation des Nationalsozialismus.
Aufklärung und Erkenntnis
Aufklärung diene dem Ziel, alle Bürger zu erreichen. Die Erkenntnis, dass Rechtsextremismus wahrscheinlich nicht generell auszurotten ist, dürfe nicht entmutigen und würde die Bedeutung von Initiativen wie die der Anne-Frank-Wanderausstellung hervorheben. „Antisemitismus ist etwas ganz anders als Ressentiments. Erster zielt auf das Verhalten, Ressentiments dagegen auf die Existenz der Menschen. Natürlich haben Deutsche den Antisemitismus nicht erfunden, aber Auschwitz ist ihre Erfindung. Die Suche nach Ausreden angesichts der barbarischen Verbrechen in Auschwitz und anderen Konzentrationslagern ist Ausdruck verhinderten Menschtums“, schloss Rudolf Dreßler seine Rede. Axel Lischewski machte noch auf die Gedenkveranstaltung des Deutsch-Israelischen Freundeskreises Linz am Dr. Sigmund-Wolf-Platz aufmerksam, in der am frühen Nachmittag der Opfer des Holocausts gedacht wurde.
Die Ausstellung
Die Anne-Frank-Ausstellung kann noch bis Donnerstag, 27. November montags bis freitags, jeweils von 9 bis 15 Uhr besichtigt werden. Für die Begleitung durch Peer-Guides sind allerdings nur noch sechs Termine frei. Besuchergruppen werden um Anmeldung gebeten. Weitere Informationen gibt es im Internet unter: www.bbs-linz.de
Interessiert betrachteten die Besucher die einzelnen Stationen zum jüdischen Leben währen des Nazi-Terrors.
