Löschzug Erpel richtete Verbandsgemeinde-Feuerwehrtag aus
100-jähriger Steigerturm stand im Mittelpunkt des Interesses
Erpel. Mit flotten Rhythmen eröffnete das Tambourcorps Erpel am späten Sonntagvormittag den 30. Verbandsgemeinde-Feuerwehrtag von Unkel am Erpeler Gerätehaus „Am alten Wallgraben“. Begrüßen konnte Wehrleiter Ulrich Rechmann dort neben zahlreichen Vertretern der Politik und des öffentlichen Lebens die Delegationen der fünf Löschzüge der VG. „Auch Pfarrer Günter Lülsdorf wird gleich noch zu uns kommen und unser neues Mannschaftstranport-Fahrzeug einsegnen“, so der Wehrleiter, bevor Karsten Fehr als Chef der Wehr den Feuerwehrkameraden für ihren selbstlosen ehrenamtlichen Einsatz dankte. „In Zeiten wie diesen ist es mit besonders wichtig, Euch gegenüber nochmals ausdrücklich die hohe Wertschätzung Eurer Arbeit durch die Bürger zum Ausdruck zu bringen“, so Fehr.
„Mit 135 Feuerwehrangehörigen in den fünf Löschzügen, die in diesem Jahr noch durch vier Jugendliche aus der Jugendfeuerwehr verstärkt werden, ist unsere Personalsituation alles in allem stabil und berietet uns zurzeit keine großen Sorgen“, berichtete Wehrleiter Rechmann. Ausgerückt wurde im zurückliegenden Jahr zu 98 Einsätzen, acht mehr als 2012, wobei sich Hilfeleistungen und Brände die exakt die Waage hielten. „Von den Kameraden wurden 2013 rund 7.700 Stunden bei Einsätzen, Übungen und Veranstaltungen Dienst geleistet, 96 nahmen an Aus- und Fortbildungsveranstaltungen teil“, bemühte Rechmann die Statistik. Rund 245 Kinder in Schulen und Kindergärten seien in der Brandschutzerziehung geschult worden.
Kreiswehrleiter Werner Böcking ging zunächst auf die digitale Alarmierung ein, die nach Beendigung des Pilotprojekts in der Pfalz im Kreis Neuwied Ende 2015/Anfang 2016 in Angriff genommen wird. Im Anschluss an die Grußworte von Ortsbürgermeisterin Cilly Adenauer ging der Hausherr, Wehrführer Ernst Eich, auf das neue Mannschaftstransportfahrzeug ein. Vorgesehen war eigentlich eine Ersatzbeschaffung des 30 Jahre alten Tanklöschfahrzeugs (TLF). „Allerdings wurde bei einer Besprechung mit der Wehrleitung schnell klar, dass wir dieses einsatztaktisch wertvolle Fahrzeug, mit dem man Brände im Wald löschen kann, nicht verlieren wollen“, so Ernst Eich. Anstelle einer Neubeschaffung entschied man sich für eine Generalüberholung des TLF verbunden mit dem Erwerb eines MTF. Außerdem wies Eich auf die Ausstellung bei Heribert Siebertz im Neutor hin, der beim Internationalen Museumstag Exponate aus den Anfängen der Feuerwehr präsentierte, sowie auf die Schauübung des Unkeler Löschzugs am Nachmittag.
„So etwa um das Jahr 1900 forderten die Anwohner der Grabenstraße in Erpel die Anlegung eines Brunnens, damit ihr Hab und Gut bei Feuer besser geschützt werden kann. Die Bekämpfung von Bränden übernahm zu dieser Zeit der freiwillige Feuerwehrverein Erpel-Heister“, zitierte Achim Loew aus der von ihm erstellten Chronik des Schlauch- oder auch Steigerturms. 1905 wurden dann in Erpel Wasserleitungen gebaut. Das Löschen mit Eimern und Abreißhaken wich ersten wasserführenden Geräten, einem Schlauchwagen und einer Druckpumpe. Der Einsatz von Hydrant und Schläuchen erwies sich im Rennen um die Rettung von Menschenleben und zur Erhaltung bedeutender Sachwerte als wertvolle Weiterentwicklung. „Diese machte aber auch das Gebäude notwendig, dessen Jubiläum wir heute feiern. Und so wurde 1914 der Steigerturm auf der Bleiche zwischen dem Seilerpfad und dem Bleichpfad errichtet“, berichtete Loew. Schließlich habe man die aus Hanffasern gefertigten Feuerwehrschläuche nach Einsatz und Übung wieder trocken in den Lagerräumen verstauen müssen, da sonst ein Schimmelbefall im Gerätehaus die Folge gewesen wäre. Die Bombenangriffe im Dezember 1944 und Januar 1945 sorgten für Not und Chaos. Der Steigerturm war von Bomben- und Granatsplittern schwer beschädigt und baufällig. „Erst nach vielen Jahren wurde der Schlauchturm in den 70er- und 80er-Jahren von damaligen Feuerwehrkameraden renoviert und seiner eigentlichen Bestimmung zurückgeführt“, erinnerte Loew. 1981 wurde eine Urkunde im Grundstein des Steigerturms gefunden, in der der Turm 1914 als ein „Wahrzeichen der Einigkeit der Gemeinden Erpel und Heister und deren Feuerwehren“ angesehen wurde.
Im Anschluss konnte der Chef der Wehr zur Verpflichtung des Erpelers Dominik Schwager als Feuerwehrmann-Anwärter übergehen. Dirk Elbersfeld war es vorbehalten, den Oberlöschmeister Walter Dung für 40 Jahre aktive Tätigkeit in der Feuerwehr mit der Ehrennadel auszuzeichnen, bevor Pfarrer Günter Lülsdorf das MTF einsegnete.
Im Rahmen des Feuerwehrtags wurde Altbürgermeister Werner Zimmermann vom Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbands Dirk Elbersfeld mit Deutschen Feuerwehr-Ehrenmedaille ausgezeichnet.
