Allgemeine Berichte | 04.02.2016, 10:31 Uhr

Große Erpeler KG

Alte und Freie Herrlichkeit Erpel hat mit Oli I. einen blaublütigen Regenten

Traum von einer erfolgreichen Rathausverteidigung zerplatzte wie Seifenblasen

Während Oli I. als Regent von Erpel „arbeiten“ musste, konnte der Rest der Festgesellschaft fröhlich schunkele.
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Erpel. Nach Kasbach-Ohlenberg ist seit einigen Wochen nun auch Erpel als zweite Gemeinde im nördlichen Kreis Neuwied fest in der Hand der Narren. Wie in den Vorjahren hatten sich die Narren um den Vorstand der Großen Erpeler KG (GEK) zunächst in Sankt Severinus den geistlichen Beistand gesichert. „Wir kommen alle in den Himmel, weil wir so brav sind“, hatte Pfarrer Günter Lülsdorf den Heerscharen von Prinz Oli I. und der GEK-Vorsitzenden Martina Schwager versprochen. Entsprechend zogen diese dann, angeführt vom Tambourcorps zusammen mit dem Möhnenklub des Ortes und den Heisterer Möhnen zur Prinzenburg, um die Tollität zum Rathaussturm abzuholen.

Da hatten sich die Mitglieder des Ordenskapitels mit ihrem Sprecher Gregor Noll längst um Bürgermeisterin Cilly Adenauer und ihrem Schraate-Völkchen, den Beigeordneten Heinrich Holkenbrink, Gisela Stahl und Friedel Witten nebst VG-Chef Karsten Fehr, im Ratssaal verschanzt. Hatten im Vorjahr schwere Basaltbrocken neben den drei Fenstern und dem Balkon im Obergeschoss gelegen, um die Heerscharen von Prinzessin Christiane I. zu bombardieren, so bereiteten die Verteidiger dieses Mal hinterhältigere Waffen vor. Mit unzähligen zerplatzenden, in den Augen beißenden Seifenblasen wollten sie die anstürmenden Stadtsoldaten blenden und so eine Schlüsselübergabe verhindern.

Dagegen fuhr die GEK neben ihrer Gulaschkanone ungemein schweres Geschütz auf. Ja sogar einen neuen Gefängniswagen, den der Elferrat im Jubiläumsjahr gebaut hatte, stellte Geschäftsführer Andreas Schwager dem jecken Völkchen vor, das erwartungsvoll das Rathaus umlagerte. „Mit dieser neuen, ausbruchsicheren ‚Minna‘ werden die Prinzengarde und die Stadtsoldaten am Samstagnachmittag schlafmützige Miesepeter und Fastelovendsmuffel zum Maat karren, um sie dort dem Hohen Gericht zu übergeben“, berichtete er, während sich Oli I. mit Prinzenführer Uwe Kochems, Terminator Jörg Buchmüller und Koch Dieter Heck im Schutz von Kommandant Felix Weber vor dem Rathaus aufbaute.

„Ihr glaubt doch nicht im Ernst, dass ich mich so nem Männeke ergebe, das Ihr bei der Sessionseröffnung auf den letzten Drücker aus dem Hut gezaubert habt. Die Schlüssel der Stadt bekommt Ihr dieses Jahr bestimmt nicht“, gab sich Cilly Adenauer siegessicher vom Rathausbalkon aus. „Gerade seine Spontaneität befähigt doch unseren Oli I., der zudem auch noch der schönste Prinz ist, den Erpel zurzeit zu bieten hat, für Euch Schlafmützen die Geschäfte zu führen“, entgegnete Martina Schwager. In ihrer Schraaten-Ehre zutiefst gekränkt, „feuerte“ die Bürgermeisterin mit ihrem Team Unmengen schillernder Seifenblasen auf die Stadtsoldaten ab, nachdem Oli I. seinem Kommandanten den Befehl zum Angriff auf das fest verschlossene Rathaus gegeben hatte.

Schwere Kolbenhiebe ließen das Rathaus erbeben, während dumpfe Kanonenschläge und laute Böller der Mörser durch die Frongasse dröhnten. Aus Angst vor weiteren Reparaturkosten öffnete „Klein Cilly“ die Eingangstür einen Spalt, durch den sie ihre Laugengeschosse auf die Angreifer schweben ließ. Die aber zeigten sich völlig unbeeindruckt von diesen instabilen, hohlen Kugeln und so zerplatzten die Träume von einer erfolgreichen Verteidigung des Rathauses ebenso schnell wie die Seifenblasen der örtlichen Schaumschläger. Auch in ihrem 111. Jubiläumsjahr hatte die GEK wieder die Oberhand behalten, so dass Oli I. in großen Schritten die Treppe zum Balkon hinauf eilen konnte, um von dort seinem jecken Völkchen den Sieg zu verkünden und vor allem den kleinen Narren schon einen Vorgeschmack auf den Kamelleregen am Karnevalssonntag zu vermitteln.

„Das war ja wirklich ein Kinderspiel“, höhnte Oli I. kurz danach beim Empfang, zu dem Cilly Adenauer frohe Miene zur alljährlichen Niederlage machte. Willkommen heißen konnte sie im Ratssaal neben dem neuen Regenten des Ortes mit Ehefrau Sylvie und seinem Team auch den neuen Heimatordensträger Hans Simon im Kreis seiner Ordenkameraden, darunter auch ihr Vorgänger Edgar Neustein sowie Alt-VG-Chef Werner Zimmermann. Entschuldigen musste sie die Silber-Jubiläumsprinzessin Inge Hopp, der wegen des Golfkrieges eine zweite Amtszeit gewährt worden war, so dass sie beim Rathausempfang 2017 ihr Jubiläum nachholen werde, so die entmachtete Ortschefin. „Nachdem ich dir den Schlüssel übergeben habe, kannst du ja auch unsere Kasse übernehmen und mit dem leeren Ding glücklich werden“, unkte sie sich sichtlich auf eine ruhige Urlaubswoche freuend. „Als last-minute-Prinz mit einer sehr kurzen Vorbereitung bin ich nicht weniger stolz darauf, mit meinem Team die Gesellschaft und die Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde und der Umgebung zu vertreten. Und das mache ich, machen wir, mit richtig Spaß an der Freud‘ getreu nach dem Motto: In Erpel, dat is doch klar, fiere mer Fastelovend im 111. Jahr. Mir sin mit Hätzblut bei der Sache un loose et jetz richtich krache!“, trug sich Oli I. in das Goldene Buch des Ortes ein, in dem sich dann auch Hans Simon verewigte, während die Stadtsoldaten vor dem Ratshaus aus ihrer Gulaschkanone das scharfe Essen ausschenkten, für das ihr Prinz, der vor allem von Freitag bis Aschermittwoch Erpel op d’r Kopp stellen wird, als Ex-“Koch“ der Gulaschkapell in den Vorjahren musikalisch gesorgt hatte.

Nur kurzzeitig wichen die Stadtsoldaten vor den Seifenblasen der Rathausverteidiger zurück.DL

Nur kurzzeitig wichen die Stadtsoldaten vor den Seifenblasen der Rathausverteidiger zurück.Fotos: DL

Während Oli I. als Regent von Erpel „arbeiten“ musste, konnte der Rest der Festgesellschaft fröhlich schunkele.

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