Eucharistiefeier mit Lichterprozession in Bruchhausen
„Aufnahme Mariens in den Himmel“
Bruchhausen. Nur zögerlich füllte sich die kleine, zu Ehren der Muttergottes errichtete Wallfahrtskirche Sankt Johann Baptist von Bruchhausen. Der völlig verregnete Tag und ein dunkelgrauer Himmel über dem Rheintal hatten wohl etliche Pilger davon abgehalten, den Weg in den Rheinhöhenort anzutreten. Dessen Gemeinde hatte aus Anlass des Hochfestes der „Aufnahme Mariens in den Himmel“ zur Eucharistiefeier mit anschließender Lichterprozession eingeladen. Diese hatte Pfarrer Ernst Breit 1931 ins Leben gerufen. Der belgische Pfarrverweser Henry Deryckere hatte diese Tradition, die während des nationalsozialistischen Regimes abgeschafft und nach dem Ende des Krieges zunächst in Vergessenheit geraten war, in dem Rheinhöhenort wieder aufleben lassen. Sein Nachfolger, Pfarrer Elmar Wiegelmann, hielt die Lichterprozession engagiert am Leben ebenso wie der aktuelle Subsidiar Klaus Theis.
Die Gottesmutter wird in Bruchhausen schon seit gut 1000 Jahren besonders verehrt, seit Bergleute und Köhler der Legende nach um die Jahrtausendwende auf der Suche nach Baumaterial für die Dorfkirche an einer verborgenen Quelle ein liebliches Marienbild fanden. Seit dem Mittelalter wurde im Bruchhausen dann eine vor 1400 in Sandstein gehauene Madonnenstatue mit dem kleinen Gottessohn, die „Maria, Consolatrix afflictorum“ (Trösterin der Betrübten), als Wallfahrtsmadonna verehrt. Die Jesusfigur zeigt mit ihrem rechte Zeigefinger auf ihren Schoß der heiligen Jungfrau und weist damit klar auf Maria als „Gottesgebärerin“ hin. Das entsprechende Dogma war bereits 431 auf dem Konzil von Ephesus verkündet worden. Ein zweite Marienstatue, die „Madonna, Refugium peccatorum“ (Zuflucht der Sünder), die vor 1330 in Eichenholz geschnitzt worden war, führte im Vergleich ein eher bescheidenes Dasein in einem Schrank hinter dem Altar. Ab 1742 wurde sie auf Bitten der Dorfmädchen an Marienfesten in das Retabel des Hochaltars gestellt. Katharina Krupp und Gudula Züllichhofen, Zwei junge Bruchhausenerinnen, sahen bei der Umkleidung der Statue am 21. September 1745, dass aus „beyden augen eine cristallhelle, klare feuchtigkeit, gleich menschlichen zähren trang und über beide wangen floß.“ Dieses sporadische Geschehen über mehrere Monate hinweg brachte nicht nur der Wallfahrt nach Bruchhausen einen enormen Aufschwung. Vielmehr bestimmte der Kölner Erzbischof, dass dieses Gnadenbild die „Maria, Trösterin der Betrübten“, als Wallfahrtsmadonna ablösen sollte. Auf seine Anordnung hin wurde eine „Muschel“ in den rechten Pfeiler des Chorbogens geschlagen, die mit Marmor eingefasst und mit Samt über einem mit Silberfäden und -plättchen durchwirkten „Himmel“ ausgeschlagen wurde.
Schon lange vor der Festmesse hatte die Madonna ihren kostbaren Schrein verlassen. Wie das Jesuskind eingehüllt wartete sie unter einem breiten Rosen-Triumphbogen mit dem Jesuskind auf dem Arm auf den Beginn der Festmesse. Zu dieser konnte Pfarrer Andreas Arend Weihbischof Ansgar Puff begrüßen, mit dem er das vom „Kleinen Chor“ musikalisch mitgestaltete Festhochamt zelebrierte, an dem auch etliche Wallfahrer vor der Kirche teilnahmen. Lange bevor auch diese den Leib Christi empfingen, hatten die Junggesellen über 1000 Lichter entzündet, die den Prozessionsweg säumten.
Dann trugen Lydia Bockshecker, Justine Pertz, Regina Selzer und Sabrina Sperling die von den Junggesellen Michael Kowalewski, Johannes Schmitz, Bastian Schneider und Niklas Strauß eskortiert wurden, die Madonna aus der Kirche und setzten sich hinter dem Bruchhausener Blasorchester an die Spitze der Prozession. „O Maria, Gnadenvolle, schöne Zier der Himmelsau’n, blicke huldvoll auf uns nieder, die wir kindlich Dir vertrau’n“, stimmten die rund 450 Wallfahrer an, als sie sich auf den Weg zur Statio am Dorfgemeinschaftshaus aufmachten, wo Weihbischof Ansgar Ruff die Festpredigt hielt. „Nach einem guten Essen mit Freunden kommt oft die Frage auf, was der Mensch eigentlich ist. Für einige ist er lediglich ein Zellklumpen, eben DNA mit einem bestimmten Verfallsdatum“, berichtete er. Dann werde man beerdigt und alles sei vorbei. „Das heutige Fest besagt aber genau das Gegenteil. Nicht umsonst hat Papst Pius 1950 auf das von Gott gegebene Dogma hingewiesen, dass Maria mit Leib und Seele in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen wurde“, so der Weihbischof. Jeder Mensch sei viel wertvoller als ein Klumpen Zellen. Das belege allein der Umstand, dass Gott sich des Menschen annehme, wenn dessen Kraft zu Ende sei, und ihn wie Maria in den Himmel führe. „Gott nimmt uns mit Leib und Seele als ganze Person auf. Am Ende unseres Lebens werden wir erwartet. Das Ziel ist nicht das Grab oder die Urne. Auf uns wartet die Gnade Gottes als Geschenk“, versicherte Ansgar Puff den Wallfahrern, bevor sich diese nach den anschließenden Grünauer Marienrufen singend und betend zurück auf den Weg zur Kirche machten, wo die Gemeinde der Marien-Verehrer zum Abschluss der Lichterprozession das Kirchenlied „Großer Gott wir loben dich“ anstimmten.
