Wettbewerb im Willy-Brandt-Forum in Unkel
Auseinandersetzung mit der Kunst der politischen Rede
Neunt- und Zehntklässler der Stefan-Andres Realschule plus ermittelten ihren besten Vorleser
Unkel. Auch in diesem Jahr hat die Stefan-Andres-Realschule plus Unkel ihren Lesewettbewerb wieder am Tag der Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo in Erinnerung an Willy Brandt ausgetragen, dem dieser Preis am 10. Dezember 1971 verliehen worden war. „Mittlerweile schon zum vierten Mal treten, dieses Mal unter der Leitung der Deutschlehrer, Hannes Kuhn und Tobias Reh, die STARS-Lese-Sieger der neunten und zehnten Klassen bei uns im Willy-Brandt-Forum gegeneinander an. Damit belegen wir, wie wichtig uns Lesen in einer Kulturgesellschaft ist“, begrüßte der stellvertretende Vorsitzende Rudolf Barth die „Wett-Leser“ Edita und Mehmet sowie Alexander und Damian mit den Zweitplatzierten ihrer Klassen im Seminarraum.
Als ihnen unbekannte Texte hatten ihre Lehrer nicht wie im Vorjahr lange Textpassagen aus der Nobelpreis-Rede des großen Sozialdemokraten vorgesehen. Vielmehr begann Edita mit der Rede der jungen Pakistani Malala Yousafzi, die diese vor den Vereinten Nationen am 12. Juli 2013 gehalten hatte. Dass für die junge Realschülerin Namen wie Shaheed Benazir Bhutto oder Vuk Jeremic unbekannt und schwierig auszusprechen waren, ebenso wie die ihr nicht geläufigen Paschtunen, durfte nicht verwundern, zumal die Konzentration angesichts der Länge der Textpassage zusehend nachließ. Das traf auch auf ihre Mitbewerber um den Titel des besten Vorlesers der STARS zu, wobei Mehmet den in seinem Textteil von Malala vorherrschenden Aufforderungscharakter deutlich zum Ausdruck brachte. War Edita, nachdem sie unmittelbar zuvor noch eine Klassenarbeit nachgeschrieben hatte, die Rolle des Eisbrechers zugekommen, so musste Mehmet von dem Text der junger Pakistani überwechseln zum Nachruf auf den Hamburger Ehrenbürger und Altkanzler Helmut Schmidt, den Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz am 23. November gehalten hatte und mit dem sich danach auch Alexander und Damian auseinandersetzen mussten. „Das war beides schwere Kost für die jungen Leute. Aber mindestens genau so schwer ist für uns die Bewertung hinsichtlich einer Rangliste“, so die Museumspädagogin Dorothée Gelderblom, die im Büro der Forums-Leitung als Vertreterin der ehrenamtlichen Museumsmitarbeiter die Jury um die beiden Deutschlehrer ergänzte. Sie habe ganz bewusst darauf verzichtet, die Texte mitzulesen, um so festzustellen, ob ihr der Sinn durch den Vortrag deutlich werde, erklärte sie, um sich dann zurückzuziehen, um ihre Punkte für die einzelnen Kriterien in Ruhe zu vergeben.
Dazu zählten etwa die Lautstärke, das Beachten von Satzzeichen und der flüssige Vortrag, sinnvolle Pausen und das Betonen wichtiger Passagen, aber auch der Blickkontakt zum Plenum. Nach ausgiebiger Beratung, in die sich auch Rudolf Barth und Rudolf Rupperath einschalteten, gingen die Erwachsenen zurück in den Seminarraum. „Ich finde es toll, wie Ihr Euch dieser Situation gestellt, aber auch wie Ihr sie gemeistert habt“, lobte der stellvertretende Vorsitzende die drei Schüler und Edita, erstaunlicherweise dieses Mal die einzige Schülerin. Dass sie so lange warten mussten, sei ein Zeichen dafür, wie schwer den Juroren die Entscheidung gefallen sei, so Hannes Kuhn, bevor er allen Teilnehmern am Lesewettbewerb kleine Präsente überreichte, die Rudolf Rupperath um Schlüsselanhänger als Forums-Geschenk ergänzte, während Damian als Sieger zusätzlich noch mit Lektürestoff versorgt wurde.
