Der 8. Pfingstmarkt machte Unkel zum Mekka für Liebhaber formvollendeter Schönheit
Besuchermassen pilgerten bei herrlichstem Sonnenschein über die Rheinpromenade
Unkel. Selbst tropische Temperaturen konnten am Wochenende Abertausende Fans ästhetischer Formgebung nicht abhalten, über die autofreie Rheinpromenade zwischen Mariensäule und Fronhof zu schlendern, auf der 60 Kunsthandwerker zum bereits 8. Pfingstmarkt „design + gestaltung am rhein“ ihre Stände aufgebaut hatten. „Wenn das Wetter am Montag so bleibt wie heute, werden wir den Besucherrekord aus 2012 brechen.
Dass hier vor dieser einmaligen Kulisse am romantischen Rhein mit den historischen Gebäuden am Ufer hochwertige angewandte Kunst vom Feinsten von professionell tätigen Künstlern, Kunsthandwerkern und Designern angeboten wird, hat sich längst weit über den Köln-Bonner Raum und bis nach Frankfurt herumgesprochen, wie man an den Autokennzeichen deutlich erkennen kann“, freute sich Rex Stephenson, der „Vater“ der Design-Marktes, am Sonntagmittag.
Konzept trägt Früchte
Das von ihm mit Bernd Röter von der Beratungsstelle Formgebung in Mainz vor acht Jahren erarbeitete Konzept, nur qualitativ-hochwertige Exponate ausgewählter Kunsthandwerker auszustellen, trage Früchte. Aber Unkel ist längst nicht nur nicht nur Kulisse. „Wie bei den Gartentagen vor zwei Wochen beruht der Erfolg des Design-Marktes auf dem harmonischen Zusammenspiel zwischen auswärtigen und Unkeler Teilnehmern“, hob Ulrike Kessel hervor, die Vorsitzende des Vereins „Touristik & Gewerbe“. Die ersten Design-Märkte hätten maßgeblich dazu beigetragen, dass sich rund 20 Künstler und Kunsthandwerker in der Stadt angesiedelt haben. „Während diese von den Besucherströmen des Design-Marktes profitieren, gewinnt der Markt durch die Ateliers und Läden in der Stadtmitte an Attraktivität, ganz davon abgesehen, dass Unkel mit den ansässigen Kunsthanderkern sehr nette neue Bürger gewonnen hat“, ergänzte Rex Stephenson.
Anders als viele ihrer Kolleginnen, die ihre Läden am Pfingstwochenende geöffnet hatten, war neben der Keramikerin Britta Bellin-Schwerin auch Sonja Salehi, beide von der Unkeler Künstlergruppe „panta rheiN 637“, an die Promenade gezogen. Dort lud die Mutter von „Katzenbremse“ und „Lederrüssler“ von „Wurzelholzraupen“ und „Birnenspinnen“ zu einer „Expedition ins Reich der Insekten ein. „Das Rheinufer ist meine Fundgrube. Was andere achtlos entsorgen wie Leimdosen oder Glühbirnen, erwacht bei mir in neuem Zusammenhang wieder zum Leben“, so die Künstlerin.
Das ist auch ihrem Kollegen am Nachbarstand gelungen. Treibholz, das „vom Wasser bearbeitet, durch Wellen getragen, vom Wind berührt“ worden war und sich dann im Sand versteckt hatte, hatte er entdeckt und zu schnittigen Segelbooten oder Engel in allen Größen umgearbeitet. „Die Schalen aus Nussbaum- und schwarzem MDF-Holzstreifen kenne ich schon. Die waren auch in den Vorjahren hier zu sehen“, freute sich ein Besucher über bekannte Exponate eines Tischlers aus der Eifel. Mitgebracht hatte er dieses Mal auch „Holzbilder“ aus unterschiedlich großen Baumscheiben verschiedener einheimischer Gehölze. „Kaum jemand weiß noch, wie variationsreich unsere Bäume nicht nur hinsichtlich ihres Blattwerks, sondern auch in Bezug auf ihre Farbenpracht sind“, erklärte er einem Passanten.
Der hatte erst kurz zuvor am „Stand der Stadt“ mit türkischen Spezialitäten ausreichend gestärkt hatte, während sein Filius heiße Waffeln mit frischen Erdbeeren bevorzugt hatte. „Meine Frau habe ich längst verloren. Die ist entweder an einem de zahlreichen Schmuck-Pavillons hängen geblieben oder probiert gerade an einem der Kleiderstände einen Designermantel an“. Aber verloren gehen kann man ja hier Gott sei Dank nicht“, stellte er gelassen fest, während er der Musik von Milton Sanchez lauschte, der die Markt-Besucher auf seiner Harfe in sein Heimatland Peru entführte.
Erinnerungen an Südamerika
An Südamerika erinnerte auch der Stand an der Mariensäule mit den warmen Pullovern und Jacken aus Alpaka-Wolle, die unablässig auf einem Spinnrad gesponnen wurde. Gesägt, geschliffen und poliert wurde dagegen bei der Münz-Sägerin am anderen Ende der Rheinpromenade. Sie legte in filigraner Feinarbeit etwa das Seepferdchen aus der 10 Cent-Münze aus Singapur frei, den Seeadler einem Dollar oder das geflügelte Dichterpferd Pegasus aus 10 Drachmen, für die diese Arbeit natürlich nicht zu haben war. Umgearbeitet worden war recycelter Kleidung zu massivem Textilgarn, aus dem eine Kunsthandwerkerin mit besonders dicken Nadeln grobmaschige Taschen, Kappen und Mützen, so sogar niedliche Kuscheltiere gehäkelt hatte.
Ein toller Erfolg
„Der 8. Pfingstmarkt ‚design + gestaltung am rhein‘ war aus meiner Sicht ein toller Erfolg und das nicht nur hinsichtlich der Besucherzahlen. Wichtig ist auch, dass die meisten Aussteller restlos begeistert waren von der herrlichen Atmosphäre und dem kundigen Publikum, auch wenn das wahrscheinlich wegen der Hitze nicht ausgesprochen kauffreudig war“, resümierte Rex Stephenson am Dienstagvormittag immer noch recht erschöpft. Ansonsten hätten Aussteller sehr ähnlicher Artikel teils ganz unterschiedliche Erfahrungen hinsichtlich des Absatzes gemacht. „Dass hier bei dieser qualitätsorientierten Veranstaltung von Akteuren, unter denen sich zahlreiche Staatspreis- und Förderpreisträger sowie mit weiteren wichtigen Preisen ausgezeichnete Gestalter befunden haben, wieder sehr anspruchsvolle Arbeiten angeboten worden sind, ist für das Image von Unkel enorm wichtig“, so Stadtbürgermeister Gerhard Hausen.
Der Designer-Markt sei ein Mosaikstein in der Strategie der Zukunftswerkstatt und beim Leitbild 2007 gewesen sowie beim Pilotprojekt Unkel vor zwei Jahren. „Und er ist auch heute ein Mosaikstein in den Prozessen, die von der Entwicklungsagentur ‚Unkel - Kulturstadt am Rhein‘ begleitet und etabliert wird, weil er bei der Umwandlung der Stadtmitte in einen Ort mit einer bessren Lebensqualität für die Bürger und ein besseres Besuchererlebnis für Gäste helfe“, bekräftigte Rex Stephenson. So würde die Stadt Unkel, die mit dem Ausbleiben der früheren Touristenströme in einen Dornröschenschlaf gefallen sei, wieder an Attraktivität und Aktivität zurück. Dass zum „Wachküssen“ und -bleiben anders als im Märchen nicht ein einziger Prinz reicht, dürfte inzwischen vielen Unkelern klar geworden sein.
