Ernennung neuer Schiedsleute im Amtsgericht Linz
Brücken bauen und nicht einreißen
Anna Gisevius und Manfred Brauer sind die neuen Streitschlichter in der VG Unkel
Linz/Unkel. „Wir sind ausgesprochen froh, dass es immer wieder Menschen mit der Bereitschaft gibt, sich für die Schlichtung von Streitigkeiten einzusetzen und damit die Gerichte zu entlasten!“ Mit diesen Worten begrüßte die Direktorin des Amtsgerichts Linz, Christine Arck, Mitte voriger Woche die Rheinbreitbacherin Adelheid Anna Gisevius und den Unkeler Manfred Brauer. Im Beisein der Geschäftsführerin des Amtsgerichts, Nicole Hoe-Boden, übergab sie Adelheid Anna Gisevius die Ernennungsurkunde als Schiedsfrau im Hauptamt. „Vereidigen muss ich Sie ja nicht mehr, da ich dies bereits vor etwas mehr als drei Jahren getan habe, als Sie die Stellvertreterin von Frau Elisabeth Barth wurden“, erinnerte die Richterin, bevor sie Michael Brauer als neuen stellvertretenden Schiedsmann vereidigte, der dem Amtsgericht vom Unkel-Verbandsgemeinderat für dieses Amt vorgeschlagen worden war. „Ich habe mich zeit meines Lebens gesellschaftspolitisch engagiert“, erklärt Adelheid Anna Gisevius. Lange war sie als ehrenamtliche Richterin in Köln sowie als Betreuerin von Auszubildenden bei der Friedrich-Ebert-Stiftung aktiv, eine Aufgabe, bei der es auch oft Streitigkeiten der unterschiedlichsten Art zu schlichten galt. „Frau Barth hatte im Vorjahr neun Fälle zu behandeln. Dem gegenüber begann das neue Jahr für mich zunächst ausgesprochen ruhig, bis dann die Bäume ausschlugen und Hecken anfingen zu grünen“, so die neue Schiedsfrau der VG Unkel. Streitigkeiten über den Gartenzaun hinweg werden den Schiedsleuten eben am häufigsten zur Schlichtung angetragen. „Ein Fall ist schon abgeschlossen, aber vier sind noch in Arbeit“, berichtete Adelheid Anna Gisevius, bevor sich Manfred Brauer vorstellte. „Seit ich vor 40 Jahren im WDT eine Sendung über einen Kölner Streitschlichter gehört habe, wollte ich Schiedsmann werden“, erinnerte er. Für dieses Amt entsprechend vorbelastet sei er als ehemaliger Verdi-Gewerkschaftssekretär schon durch seinen Beruf gewesen. „Außerdem hat Herr Brauer Seminare für Betriebsräte abgehalten und war als ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht im Einsatz“, beschrieb Christine Arck die Aktivitäten des Unkelers, der sich selber hinsichtlich seines Engagements in der Evangelischen Trinitatis-Gemeinde „Personalreserve des Presbyteriums“ bezeichnet. „Als Schiedsleute müssen Sie Ihre jeweiligen Mitbürger anleiten, wie man so miteinander umgeht, ohne dass dabei gleich alle Brücken abgebaut werden. Und das in der emotional aufgeladenen Situation eines Streites, bei dem sich jeder im Recht fühlt“, erklärte die Direktorin des Amtsgerichts den beiden Streitschlichtern. Schiedsleute würden zwar oft um eine Rechtsberatung gebeten, dürften diese gar nicht erteilen, selbst wenn sie dazu in der Lage wären. „Schließlich ersetzen Sie nicht den Rechtsanwalt bei einem Klienten. Von Ihnen wird vielmehr Neutralität beiden Parteien gegenüber gefordert“, ergänzte sie. Wichtig sei, dass bestimmte Grenzen nicht überschritten würden, sodass keine der beiden Partei das Gefühl bekommt, ihr Gesicht zu verlieren. „In diesem Sinne wünsche ich Ihnen stets eine glückliche Hand, vor allem aber ein gutes, offenes Ohr“, so die Gerichts-Direktorin, die sicher war, dass die VG Unkel mit Adelheid Anna Gisevius und Manfred über zwei Schiedsleute, die beide für diese Aufgabe prädestiniert sind.
